In reinen Orgelpassagen, musikalisch raffiniert und seiner Zeit weit voraus, drückt er die starken Emotionen aus, welche Leiden und Tod Jesu begleiten. Seine größte Wirkung erreicht das Werk, wenn sich in Station 6 („Sancta Veronica") plötzlich aus der „piano-dolorosa"- Passage der Orgel der reich harmonisierte Choralsatz „O Haupt voll Blut und Wunden" erhebt, unterschwellig beziehungsreich angekündigt durch ein „b-a-c-h" Zitat in der Orgel (als Verbeugung vor Bachs „Matthäuspassion"). Einen vergleichbaren Effekt setzt Liszt in Station 12 („Jesus stirbt am Kreuz") ein, wenn nach den Jesus-Worten („Eli, Eli") des Solo-Baritons, nach einem beinahe „tonlosen" Echo der Frauen („Consummatum est": Es ist vollbracht), nach einer explizit „sehr langen Pause" und nach stockenden Orgeltönen schließlich der Choral „O Traurigkeit, o Herzeleid" aufscheint, um den Tod Jesu zu beweinen. Es ist diese kühne Mischung von musikalischen Stilen und Sprachen, mit der Franz Liszt weit über einen engeren katholisch-liturgischen Rahmen hinausweist.



