Was gibt es Schöneres, am 3. Oktober 2015 konnten wir ein dreifaches Fest feiern und zwar den Tag der deutschen Einheit, ein erfolgreicher Sieg der Menschlichkeit. 25 Jahre gewaltfreie Wieder-vereinigung lagen hinter uns. Wir zelebrierten den ersten Gottesdienst mit unserem neuem Pfarrer Dr. George Ambadan, der aus Indien stammt, dem Heimatland von Mahatma Gandhi, der ebenfalls sein Land gewaltfrei befreite und wir feierten Erntedank und legten die reichen Gaben der Felder und Gärten vor dem Altar.
So hatte ich die Ehre den neuen Pfarrer in unserer St. Laurentiusgemeinde in Leiselheim zu begrüßen. Zu uns ist ein hochintellektueller, eleganter Pfarrer gekommen, der mehrere Sprachen spricht und global vernetzt ist. Seine eigene Sprachmelodie erinnerte an seine Heimat Indien.
Mittlerweile ist die katholische Weltkirche längst in Leiselheim angekommen. Im pastoralen Team waren fast alle Kontinente vertreten von Südamerika, Afrika, Asien bis hin zu Osteuropa. Zu unseren Gottesdiensten konnten wir Gäste begrüßen aus den USA, meist sind es Nachfahren von ehemaligen Auswanderern aus Leiselheim. Katholiken aus Kamerun, Polen, Ungarn, Dubai finden u.a. den Weg zu unserem beschaulichen Vorort.
Pfarrer Dr. George Ambadan hatte die größte Gemeinde Nordstadt mit weit über 6.198 Katholiken vom Dekanat übernommen. Eine Herausforderung für jeden Seelsorger, die nur mit größten Einsatz seines Teams und vielen Ehrenamtlichen Helfern gestemmt werden konnte. Dies war vor 10 Jahren und zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, was alles auf uns zukommen würde: Wir lebten in paradiesischen Zuständen in einer pulsierenden Stadt voller Unbeschwertheit. In unserer Gemeinde feierten wir jeden Samstag unseren Gottesdienst. Unser Patronatsfest wurde umrahmt von der Kerb und das ganze Dorf war auf den Beinen.
Unsere Unbeschwertheit verloren wir 2019, als in der Nacht zu Aschermittwoch die 21-jährige Syndia von ihrem Freund aus Tunesien im Nordend erstochen wurde und nach einem Trauer-marsch trafen wir uns zu einer Andacht in der Liebfrauenkirche. Amokfahrer fuhren bei Volksfesten in Menschenmengen und neue teure Sicherheitsmaßnahmen waren gefordert und führten dazu, dass auch unsere Kerb aus Kostengründen gestrichen wurde. Die Leiselheimer trafen sich inzwischen in den Wingertzeilen zum Lebendigen Weinberg feierten dort ihren Gottesdienst.
Am 31. Dezember 2019 wurde der Ausbruch einer neuen Lungenentzündung mit noch unbekan-nter Ursache bestätigt. Sehr schnell sollte der tödliche Virus Worms erreichen. Nastassia Müller, Andrea Schnur, Irmgard Latsch und ich standen in der Kirche und überlegten, wie wir Sicherheitsabstände einrichten könnten. Klebten Punkte auf jede Kirchenbank, auf dem Altar stand das Desinfektionsmittel, Maskenpflicht, Gesangsverbot in der Kirche. Das Weihwasserbecken blieb trocken, kein Friedensgruß per Handschlag, zu groß ist die Ansteckungsgefahr. Teilnehmerbegrenzung und Ausgangssperre. Man mag nicht mehr an die Zeit zurückdenken. Viele Geschäfte, wirtschaftliche Betriebe, Restaurants und Vereine überlebten nicht diese Krisenzeit und wurden geschlossen. In diesen schwierigen Zeit unterstützte man sich gegenseitig, half beim Ein-kaufen, stellte Erkrankten gekochtes Essen vor die Tür. Die Älteren erhielten ihre Krankenkommunion, Geburtstagsbesuche wurden durchgeführt, auch wenn wir vor der Haustür stehen blieben.
Wir begannen das Patronatsfest im Freien an der Nordseite der Kirche zu feiern und immer wieder wurden wir von unserem Pfarrer unterstützt und hatten freien Handlungsspielraum. Dann kamen die Sparmaßnahmen und im Winter blieben die Kirchen ungeheizt. Wir kauften Decken, damit man sich wärmen konnte. Auch mit den friedlichen Zeiten sollte es bald vorbei sein. Am 24. Februar 2022 begann Russland seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die gesamte Ukraine, der bis heute andauert. Militärmaschinen aus Ramstein fliegen bis heute regelmäßig über unsere Häuser. Flüchtlinge erreichten unsere Stadt und wir sammelten für Pakete. Eine gesellschaftliche Herausforderung ohne Gleichen. In den Fürbitten wurde immer wieder der Wunsch zu Frieden geäußert.
Am 13. 09.2023 wurde Leiselheim von einem Unwetter heimgesucht. Im Wormser Ortsteil lag der Hagel kniehoch Mit Schaufeln und schwerem Gerät mussten die Anwohner Autos befreien und die Straßen wieder passierbar machen. Der Hagel zerstörte nicht nur die Ernte in unseren Gärten, auf den Feldern und im Weinberg, sondern auch die Häuser und Autos wurden beschädigt. Unsere Kirchenfenster wurden ebenfalls von den großen Hagelkörnern durch brochen. Die Landschaft glich einer Geisterlandschaft und es dauerte lange Zeit, bis wir wieder Feldhasen sahen und den Ruf des Fasans hören konnten. In diesem Jahr fielen unsere Gaben beim Erntedankfest bescheiden aus. Keine Trauben lagen am Altar.
Doch es gab auch Highlights unsere wunderschönen Fronleichnamsprozessionen im Pfrimmpark. Die Dankesessen für die Ehrenamtlichen, die unser Pfarrer einführte. Das ganze Team trug rote Schürzen. Unser Pfarrer liebte es, uns strahlend zu bedienen und uns Wein einzuschenken. Mittlerweile war er voll integriert, hatte sich an die rheinhessische Lebensweise gewöhnt, baute selbst in seinem Garten Feigen und Wein an und hatte ihn zu einer Oase verwandelt.
Parallel dazu begann der Pastorale Weg. Seit 2018 wurde das ehrgeizige Ziel gesetzt aus dem Dekanat eine Pfarrei zu formen, die größte in der ganzen Diözese Mainz. Es folgten Gesprächs-, Arbeitskreise, Videokonferenzen, Projektgruppen und Gremienarbeit. Es gab heftige Diskussionen und nicht immer waren wir einer Meinung bei der Gestaltung oder Umsetzung. Mittlerweile haben wir nur noch alle drei Wochen einen Gottesdienst in unserer Laurentiusgemeinde Leiselheim. Beginn ist der 1. Januar 2026, doch bis dahin hat unser Pfarrer den verdienten Ruhestand ange-treten.
Ein Zitat von Mahatma Gandhi möchten wir, wie wir es ihm zur Begrüßung gaben, auch zum Abschied mit auf seinen neuen Weg weitergeben:
„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für die Welt.“
Herzlichen Dank und Gott segne ihn!
St. Laurentiusgemeinde
gez. Eleonore Bittner