Werner Krimm (1928 - 2000)

Pfr. Werner Krimm + (c) privat
Pfr. Werner Krimm +

Die ihn kannten, sind der Überzeugung: Werner Krimm war ein besonderer Mensch und ein beispielhafter Priester. Sein priesterliches Wirken zeichnete sich durch seine schlichte, unaufdringliche Menschlichkeit, seinen ansteckenden Humor und sein herzhaftes Lachen aus. Seine liebevolle und tiefgehende Zuwendung ließ viele Menschen Vertrauen fassen und seine diskrete, Freiheit eröffnende geistliche Begleitung annehmen. Hunderte Menschen – Einzelne, Paare, Gruppen und Gemeinschaften – waren meist über einen längeren Zeitraum, ja über Jahrzehnte mit ihm Gespräch. Er war ein unermüdlicher Netzwerker, brachte Gleichgesinnte zusammen, gab ihnen Impulse und Anregungen, wie Gemeinschaft gelingen kann.

Spricht man Menschen, die Erfahrungen mit Werner Krimm gemacht haben, auf ihn an, beginnen sie sogleich Geschichten über ihn zu erzählen. Sie erzählen von der Erfahrung, dass er ihnen stets das Gefühl gab, ganz für sie da zu sein. Sie sprechen von einer einfühlsamen geistlichen Begleitung oder von Ereignissen, die für ihr Leben wichtig wurden. Die Erzählungen darüber, was sie so sehr an ihm schätzen, münden oft in dem Satz ein: "Ohne seine Begleitung wäre mein Leben anders verlaufen."

Seine Lebensdaten

  • Geboren wurde er am 15. Juli 1928 in Nieder-Liebersbach im Odenwald, das seit 1970 ein Ortsteil von Birkenau ist. Dort war sein Vater Grundschullehrer. Vier Tage später wurde er in der katholischen Kirche von Nieder-Liebersbach getauft.
  • Wegen der Versetzung seines Vaters verbrachte er einen großen Teil seiner Kindheit in Heubach im Odenwald, das seit 1977 ein Stadtteil von Groß-Umstadt ist. In Groß-Umstadt besuchte er bis zum Abitur das Gymnasium.
  • Als 16-Jähriger wurde er für einige Zeit zum Kriegsdienst eingezogen, kam aber nicht als Soldat zum Einsatz.
    Nach dem Abitur studierte er zunächst vier Semester Mathematik und Physik in Mainz, wechselte dann aber zum Studium der Philosophie und Theologie an der Universität Mainz und zog ins Mainzer Priesterseminar ein.
  • Während seiner Seminarzeit lernte er durch einen Speyrer Alumnus die Schönstatt-Bewegung kennen.
  • Die Priesterweihe empfing er am 1. August 1954 durch Bischof Albert Stohr im Dom zu Mainz.
  • Erste seelsorgliche Erfahrungen sammelte er als Kaplan in den Gemeinden Darmstadt St. Ludwig und Mainz St. Stephan. Neben den sonstigen priesterlichen Aufgaben  war er in Darmstadt besonders für die Begleitung der weiblichen Jugend zuständig, in Mainz war er Kurat der Pfadfinderinnen.
  • 1959 wurde er zum Rektor im Mainzer Lehrlings- und Ketteler-Haus ernannt. Zugleich wurde er Religionslehrer an der Marienschule Mainz, einem Bischöflichen Gymnasium, das später in Willigis-Gymnasium umbenannt wurde.
  • Parallel zu seiner Tätigkeit an der Schule baute er während der folgenden Jahrzehnte die Schönstatt-Bewegung mit ihren verschieden Gliederungen und Gemeinschaft auf. Er war Diözesanpräses der Schönstatt-Bewegung im Bistum Mainz und Hauptinitiator des Schönstatt-Zentrums Weiskirchen in Rodgau.
  • Am Willigis-Gymnasium blieb er als Religionslehrer und Schulseelsorger bis 1987, kurz vor seinem 60. Lebensjahr.
  • Ab 1987 arbeitete er vom Bischöflichen Ordinariat aus als Referent für Ordensleute im Bistum Mainz. Diese Aufgabe versah er bis zu seinem Lebensende.
  • Am 12. August 1999 wurde Werner Krimm zum Monsignore ernannt.
  • Nach einem nicht lange zuvor erkannten Krebsleiden verstarb er am 16. Oktober 2000 im Hildegardis-Krankenhaus Mainz.
  • Sein Requiem wurde am 24. Oktober als Pontifikalamt im Dom zu Mainz von Karl Kardinal Lehmann (damals noch Bischof Lehmann) gefeiert. Seine anschließende Beisetzung fand auf dem Mainzer Hauptfriedhof im Familiengrab statt.

Seine Schwerpunkte als Jugendseelsorger

28 Jahre, von 1959 bis 1987, wirkte er als Religionslehrer und Schulpfarrer im Willigis-Gymnasium Mainz / vormals Marienschule. Er unterrichtete quer durch alle neun Schuljahrgänge. In jedem Fall aber übernahm er den Religionsunterricht der 5. Klassen, um alle Schüler kennenzulernen. Er hielt für alle Jahrgänge zunächst wöchentlich, dann monatlich Schülergottesdienste, um auch über die Liturgie mit den Schülern Kontakt zu halten.

Ein besonderes Anliegen war für ihn die Schulseelsorge. Diese bestand zunächst in dem Angebot eines Mittagessens und einem anschließenden Aufgabennachmittag, an dem den Schülern durch ältere Schüler und Studenten Hilfen beim Lernen und bei der Erledigung der Hausaufgaben zukam, was zu der damaligen Zeit eine Besonderheit der Schule darstellte.

Schwerpunkt seiner Schulseelsorge war die Unterstützung der kirchlichen Jugendarbeit in der Schule. Systematisch baute er Gruppen der beiden Jugendverbände MC – Marianische Kongregation (die spätere GCL – Gemeinschaften christliche Lebens) und ND – Bund Neudeutschland (die später KSJ – Katholische Studierende Jugend) auf. Ab Mitte der 1960er Jahre kamen Gruppen der Schönstatt-Mannesjugend hinzu. Zeitweise hielten in den Räumen des Willigis-Gymnasiums über 40 Jugendgruppen ihre Treffen ab, unterstützt durch monatliche Gruppenleitertreffen der drei Gemeinschaften.

Eine Besonderheit bildeten die bis zu sechs Zeltlager während der gesamten Sommerferien. Während der ganzen Zeit war er vor Ort und für die Jungen und Jugendlichen Ansprechpartner. Selbst als fast 60-Jähriger empfand er sich für diesen Seelsorgebereich nicht zu alt – und die Jugendlichen empfanden es ebenso.

Kardinal Lehmann konstatierte in seiner Ansprache im Requiem für Werner Krimm, dass dieser zu Recht zu den Pionieren und Begründern der Schulseelsorge gezählt werden könne.

Seine Arbeit als Ordensreferent

Als er 1987 von Bischof Lehmann zum Referent für die Orden im Bistum Mainz ernannt wurde, ergriff Werner Krimm die Arbeit in diesem Seelsorgebereich mit dem gleichen Elan wie die Schulseelsorge. Er fühlte sich nicht nur als Vertreter des Bischofs, der administrative Aufgaben übernahm, etwa die Überreichung von Urkunden bei Jubiläen, sondern fasste sein Engagement vor allem als Seelsorge auf.  So besuchte er regelmäßig die Konvente im Bistum. Etliche Ordensleute, sogar ganze Konvente, gingen regelmäßig bei ihm zur Beichte.

Sein Büro im Bischöflichen Ordinariat wurde zum Raum für die geistliche Begleitung. Regelmäßig jeden Vormittag zwischen 8.00 und 12.30 Uhr kamen Besucher zur geistlichen Begleitung und zur Beichte zu ihm. Am Nachmittag setzte er diese Tätigkeit in seiner Privatwohnung fort, oft bis spät in der Nacht.

Eine seiner Aufgaben war die Gründung eines Ordensrates im Bistum Mainz, in dem alle in der Diözese vertretenen Orden mitarbeiteten. Diese Aufgabe betrieb er gemeinsam mit Schwester Brigitt Buchler.

Seine ehrenamtliche Arbeit in der Schönstatt-Bewegung

Als Mitglied des Schönstatt-Säkularinstitutes Diözesanpriester wirkte er in vielen Gliederungen der Schönstatt-Bewegung mit. 30 Jahre führte er in seiner eigenen Gemeinschaft die Ewig-Tertiate durch. Für andere Gemeinschaften wie die Säkularinstitute Schönstätter Marienschwestern und Frauen von Schönstatt gestaltete er Berufsfindungstage. Darüber hinaus brachte er sich bei den überdiözesanen Gremien wie dem Landespräsidium und dem Zentralrat der deutschen Schönstatt-Bewegung ein.
Einen Schwerpunkt bildete sein Engagement im Bistum Mainz. Seit den 1960er Jahren baute er die Schönstatt-Familienbewegung und die Schönstatt-Mannesjugend SMJ auf und unterstütze wesentlich den Aufbau aller anderen Gemeinschaft im Rahmen des Bistums.

Dieses Engagement schloss nicht nur seine Mitwirkung bei Tagungen und Leitungstreffen ein, sondern mehr noch die geistliche Begleitung der Gemeinschaften und Einzelner. Was er in seinem beruflichen Bereich im Rahmen des Bistums tat, setzte er hier in noch intensiverer Weise fort.

Über drei Jahrzehnte nahm er die Aufgabe des Diözesanpräses der Bewegung im Bistum Mainz wahr und stellte dadurch eine dauerhafte und nachhaltigen Beziehung und Zusammenarbeit mit dem Bistum her.

Verantwortlich zeichnet er sich auch für den Bau des Schönstatt-Zentrums in Rodgau-Weiskirchen. Er betrieb nicht nur die Findung eines Grundstückes in der geographischen Mitte des Bistums und die Errichtung der Schönstatt-Kapelle sowie eines Tagungshauses, sondern sorgte auch für die geistliche Erarbeitung des Zentrums. Für ihn war der Aufbau dieses Zentrum ein Beispiel dafür, wie äußere Arbeit und Spiritualität eine Einheit bilden müssen.

Früchte seines Lebens und seiner Seelsorge

Einen Eindruck von dem, was Werner Krimm durch sein Leben und seine intensive Seelsorge bewirkt hatte, konnte man am Tag seiner Beisetzung erfahren. Als Bischof Karl Lehmann am 24. Oktober 2000 mit dem Domkapitel und etwa 300 Priestern in den übervollen Mainzer Dom zum Requiem einzog, konnte man spüren, dass es hier nicht einfach um das Andenken eines bekannten Mannes ging, sondern um die Zusammenkunft eines riesigen Netzwerkes von Menschen, die sich innerlich mit dem Verstorbenen eng verbunden wussten.

Die eindrückliche Predigt von Bischof Karl Lehmann im Requiem fasste wichtige Aspekte des Lebens und der Seelsorge von Werner Krimm zusammen.