Schmuckband Rad
Blatt (c) pixabay.com

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Blatt
Do 15. Nov 2018
Aaron Torner

Ein Plädoyer für Liebe und Ehrlichkeit angesichts von Tod und Trauer.

Witzig und tiefgründig. So gelingt es John Green in seinem 2012 erschienen Buch "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" den Umgang mit dem Krebs, dem nahen Tod und der Liebe zu inszenieren, dass auch dem Leser das Schicksal der Protagonisten nicht unberührt lässt.

Hazel Grace Lancaster findet Krebsbücher doof. Sie ist sechzehn, hat Metastasen in der Lunge und muss daher ständig ihr Sauerstoffgerät mit sich tragen. Hazel fühlt sich wie eine tickende Zeitbombe, die bald explodieren und alle, die sie lieben, schwer verletzen wird. Deshalb versucht sie anfangs auch, sich Augustus Waters vom Leib zu halten, den sie in einer Selbsthilfegruppe kennenlernt. Doch gegen den hoffnungslos Verliebten kommt sie nicht an. Gus wurde in Folge eines Tumors ein Bein amputiert. Als „Metapher" gegen den Tod trägt er eine unangezündete Zigarette lässig im Mundwinkel. Sein Kommentar: Rauchen würde mir vermutlich den Tod bringen. Aber ich entscheide, ob ich sie anzünde. Hazel verliebt sich in ihn, so wie man in den Schlaf gleitet: „langsam zuerst und dann rettungslos." Klug, frech und selbstironisch sprechen sie über das Unausweichliche, den Tod. Witzig und abgründig ist ihr Schlagabtausch über die Traurigkeit und über die Schönheit des Lebens. Am Rand tauchen auch immer wieder Hazels Eltern auf, hin- und hergerissen zwischen ihrer Nähe zur Tochter, ihrer Angst und ihrer Hilflosigkeit. Doch dann verschlechtert sich der Zustand von Gus rapide. Da hat er die verrückte Idee, seine eigene Beerdigung schon mal zu proben. Und Hazel hält die Grabrede. Es ist eine Liebeserklärung angesichts des Endes. Aber in wenigen Tagen hat die Realität die beiden eingeholt. Gus stirbt. Nun steht Hazel tatsächlich an seinem Grab.

Impulse

a) Angesichts der Schwere dieses Themas mag sich zunächst die Frage stellen, ob der Text inhaltlich und stilistisch dem Thema Krebserkrankung gerecht wird. Erscheint er oberflächlich und geht damit leichtfertig mit dem Thema um? Oder zieht der Text eher runter? Wie überzeugend ist der Jugend-Jargon?

b) Hazel und Augustus lernen sich in einer kirchlichen Selbsthilfegruppe kennen. Zunächst hat Hazel Vorbehalte und beugt sich nur dem sanften Druck der Mutter. Im weiteren Verlauf spielt die Gruppe auch keine Rolle mehr. Warum ist die Selbsthilfegruppe für Hazel keine Hilfe?

c) Die Heilungsaussichten für die beiden sind ungewiss. In jedem Moment kann sich die Situation dramatisch verschlechtern. Dennoch machen sie Pläne für die unmittelbare Zukunft und versuchen, ein Stück Alltag zu leben. Es stellt sich die Frage, was sie hierzu befähigt und wie ihre Bewältigungsstrategie aussieht?