Schmuckband Kreuzgang

Das Wort zum Sonntag

Von Gemeindereferent Michael Held

Blind

Am vergangenen Wochenende war ich mit einer Gruppe in der Eifel unterwegs. Da ist es hilfreich, aufmerksam für die anderen zu sein, die Bedürfnisse des anderen zu sehen und auf das zu hören, was die anderen sagen. Die Ansage der Leitung zu hören, damit ich weiß, wann und wo der nächste Treffpunkt ist, oder die Bitte einer Teilnehmerin zuhören, damit nichts Wichtiges vergessen wird. Es ist hilfreich, zu sehen, wenn jemand den Anschluss zu verlieren droht und zu sehen, was es alles Staunenswertes am Wegesrand zu finden gibt. Doch das ist alles andere als leicht oder selbstverständlich: Der eine hört nicht zu, wenn ein neuer Treffpunkt vereinbart wird, die andere sieht nicht, dass der Rest der Gruppe gerade eine andere Richtung einschlägt. Und auch im Alltag sind wir immer wieder blind und taub füreinander, sehen nur unsere Bedürfnisse und nicht die der anderen, hören nur unsere Meinung und nicht das, was andere zu sagen haben. Und das Fatale ist ja: Ich bemerke die Blindheit und Taubheit meist zuerst bei den anderen, selten bei mir selbst! Wie segensreich ist es da, wenn uns das gelingt, was dem blinden Bartimäus gelingt, als er die Nähe Jesu bemerkt. Er ruft Jesus zu: „Ich möchte wieder sehen können!“ Da sagte Jesus zu ihm: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“ Im gleichen Augenblick konnte er wiederum sehen und er folgte Jesus auf seinem Weg. Kann ich das auch? Kann ich denjenigen, die bei mir sind mit der Grundhaltung begegnen: „Ich möchte wieder sehen können! Ich möchte dich besser sehen können! Ich möchte hören, was dich bewegt, sehen was dir wichtig ist!“ Wenn das gelingt und wenn diese Grundhaltung dann vielleicht auch auf mein Gegenüber überspringt, dann werden gelingende Begegnungen auf Augenhöhe möglich, ein segensreiches Miteinander leichter. Rufen wir Jesus doch einfach zu: „Jesus ich möchte wieder sehen können!“ Vielleicht antwortet er uns dann ebenfalls: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“ Vielleicht können wir dann auch wieder klarer sehen und segensreich miteinander umgehen, aufeinander zugehen und somit Jesus auf seinem Weg folgen.