Schmuckband Kreuzgang

Das Wort zum Sonntag

Von Gemeindereferent Michael Held

Trocken 

In den vergangenen Wochen war das Wetter bei uns im südlichen Ried meist sonnig und trocken. Oftmals schien die Sonne ungetrübt mit Temperaturen von 30 Grad Celsius um die Mittagszeit und mehr und selbst wenn der Himmel einmal wolkig wurde, kam es nur selten zu Regen und wenn doch, dann meist in recht geringer Menge. So sind die Böden ausgetrocknet und werden rissig, der Wald leidet unter der großen Trockenheit und auch alle Landwirte und jede Gärtnerin und jeder Gärtner können von den Auswirkungen des Trockenstresses ein Lied singen. Solche Zeiten der Trockenheit hat offensichtlich auch der Schreiber von Psalm 42 gekannt, wenn er formuliert: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.“ Der Psalmenschreiber kennt also die extreme Trockenheit in der Natur und seine Auswirkung beispielsweise auf die Tierwelt, die nach frischem Wasser lechzt, die ganz dringend Wasser zum Leben benötigt und sucht. Er vergleicht dies mit seiner eigenen Sehnsucht, dem „Durst“ seiner eigenen Seele nach Gott. Kennen wir diesen Durst unserer Seele nach Gott auch? Oder nach was lechzt unsere Seele, was sind unsere seelischen Bedürfnisse, die ganz dringend gestillt werden möchten? Kenne ich diesen schmerzlichen Durst nach der Nähe Gottes? Spüre ich eine seelische Zugkraft hin zu intensiver Gemeinschaft, zu wirklich persönlichem Austausch mit anderen Menschen über meine Freuden und Sorgen? Oder habe ich diesen Durst der Seele bereits verloren oder verlernt? Habe ich mich eingerichtet in einem Leben ohne echte Sehnsucht, echtem Schmerzen und überschäumender Freude? Habe ich noch Durst, oder bin ich satt? Vielleicht können wir diese sommerliche Zeit nutzen, um wieder neu nachzuspüren, was wir im Innersten benötigen. Wir könnten in dieser Urlaubs- und Sommerzeit neue Dinge ausprobieren und fast vergessen geglaubte Aktivitäten neu für uns entdecken. Erhalten wir uns einen Durst der Seele, eine Sehnsucht für Spiritualität, eine tiefe Lust auf die Begegnung mit Gott im Gebet, in der Natur, in der wahrhaftigen Begegnung mit anderen Menschen. Wenn ein Tier keinen Durst verspürt, ist es entweder nahe an der Quelle oder es ist bereits tot. Wenn wir keine Sehnsucht in unserer Seele spüren, ist diese wohl auch nahe an unserer spirituellen Quelle, oder vielleicht ist sie auch schon stumpf geworden und droht zu sterben. So wünsche ich Ihnen in diesen Sommer- und Urlaubstagen eine tiefe Sehnsucht nach Lebendigkeit und Spiritualität, einen Durst nach Tiefe und Offenheit und viele belebende Möglichkeiten, den Durst ihrer Seele zu stillen im Gebet, in der aufmerksamen Wahrnehmung der Natur, in der tiefen Begegnung mit anderen Menschen.