Kirche St. Remigius Ober-Mörlen

GESCHICHTE DER KIRCHE

Die Kirche zählt zu den 60 bekannten Kirchen in Deutschland, deren Schutzpatron der Heilige Remigius ist.

Die Ersterwähnung stammt aus dem 13. Jahrhundert. In einer Urkunde vom 19.10.1213 bestätigt König Friedrich, dass König Philipp den Deutschordensherren die Hälfte des Patronats der Kirche von (Ober-) Mörlen übertragen hat. Die andere Hälfte erhielt der Deutsche Orden im Jahre 1220 von Heinrich von Ysenburg und Euphemia, Gräfin von Kleeberg, die hier in Ober-Mörlen Besitzungen hatte.

Am 23.06.1255 erlaubte Gwendelin, Probst am Dom und zu Sankt Mariengreden in Mainz, dem Deutschordenshaus Sachsenhausen seine Kirchen in Mörlen und Wöllstdt mit Ordensbrüdern zu besetzen. Danach stellte der Deutsche Orden bis in das Jahr 1814 fast alle Geistlichen.

Ein Wappen des Deutschen Ordens (schwarzes Kreuz auf weißem Grund) über der Eingangstür des Pfarrhauses von 1803 erinnert noch heute an deren Wirksamkeit.

Im Laufe der Jahre wurde der Ort samt Kirche des Öfteren durch Brände, Plünderungen und dergleichen heimgesucht. So schreibt Johann Baptist Rady in dem Buch "Geschichte der kath. Kirchen in Hessen" über Ober-Mörlen. "Die alte Kirche wurde 1591 in dem durch die Anhaltischen auf ihrem Zuge nach Frankfurt veranlassten Brand zerstört und 1607 wieder aufgebaut".

Sicherlich hat man in diesem Jahr mit dem Wiederaufbau der Kirche angefangen, denn an der Westseite des Kirchenschiffs ist ein Stein eingemauert, der die Jahreszahl 1607 trägt und wohl als Grundstein angesehen werden kann.

Die wahrscheinlich schlimmste Katastrophe, die Ober-Mörlen je erlebte, war der große Brand am 27. Juli 1716, bei dem der Ort bis auf wenige Häuser eingeäschert wurde und sieben Personen auf jämmerliche Weise in den Flammen umkamen. Auch die Kirche blieb dabei nicht unverschont, denn alles Brennbare wurde ein Raub der Flammen.

Da nun die Kirche aus- bzw. abgebrannt war und sich die Gelegenheit bot, wurde auf Drängen der Einwohnerschaft dieselbe in einem größeren Umfang wieder aufgebaut. Nachdem alle Fragen zwecks der Beifuhren der Materialien zwischen dem Kurfürstentum Mainz und dem Deutschen Orden geklärt waren, denn der Deutsche Orden war zuständig für die Erhaltung des Chors, wurde ca. 1720 mit dem Aufbau begonnen.

Am Gedenktag von Peter und Paul, dem 29. Juni 1728, wurde das Gottesdhaus von dem Mainzer Weihbischof Kaspar Adolf Schernauer konsekriert. Durch den ständigen Zuwachs der Einwohnerschaft wurde der Kirchenraum zu klein. Im April 1929 begann man daher endlich mit dem bereits 18 Jahre zuvor geplanten Erweiterungsbau. Der Umbau ging so zügig voran, dass am Tag des Kirchenpatrons Sankt Remigius 1929 die Konsekration der nun dreischiffigen Kirche durch den Bischof Dr. Hugo von Mainz vollzogen wurde.

Der Kirchturm, wahrscheinlich in der 2. Hälfte des 12. und in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts mit Bruchsteinen erbaut, ist das älteste noch erhaltene Bauwerk. Der Turm besteht aus der Eingangshalle, versehen mit einer aus Sandsteinen vermauerten Rundbogenpforte, dem ersten und zweiten Obergeschoss und dem Dachstuhl in Form einer dreifach gestuften "Welchen Haube". Die Eingangshalle, in der einst mit Handseilen die Glocken geläutet wurden, verfügt über ein Kreuzgratgewölbe, welches auf vier kleinen gotischen Gewölbeaufhängen ruht.

 

 

Kath. Pfarrkirche St. Remigius (c) A. Hausmanns