Schmuckband Kreuzgang

Ansprache 25.10. von Pfarrer Kost als Podcast und die Predigt zum lesen

Pfarrer Kost (c) Markus Sattler
Pfarrer Kost
Datum:
So 25. Okt 2020
Von:
Pfarrer Kost

Link zur Ansprache am Sonntag den 25.10. von Pfarrer Kost mit gesanglicher Begleitung von Anna Martin

https://www.dropbox.com/s/jwj7qlgcdl5sjfj/Impuls%20Pfarrer%20Kost%20vom%2025.10.20.mp3?dl=0

 

Predigt am 30. Sonntag im Jahreskreis, Corona-Krise          25. Oktober 2020

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

zu unserem Leben gehören Gesetze. Gesetze geben Orientierung und Halt.

Sie sorgen für Recht und Ordnung.

Damit man mit den Gesetzen vertraut wird und sie verstehen und einzuhalten lernt, gab es zur Zeit Jesu die sogenannten Gesetzeslehrer. Sie erklärten den Menschen die über 600 Gebote und Verbote.

Bei so vielen Vorschriften kann man natürlich leicht den Überblick verlieren.

Deshalb wollte ein Gesetzeslehrer von Jesus wissen, ob auch er sich im Gesetz des Mose auskennt und fragte ihn: „Meister, welches Gebot im Gesetz des Mose ist das wichtigste?“

Jesus brauchte gar nicht lange zu überlegen: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben . . . und deinen Nächsten wie dich selbst. Damit ist alles gesagt.

An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz, samt den Propheten.

Was das konkret bedeutet, können wir uns klar machen an den 10 Geboten.

Wer Gott liebt, hat keine anderen Götter neben ihm.

Wer Gott liebt, missbraucht seinen Namen nicht.

Wer Gott liebt, hält den Sabbat, den Sonntag als Ruhetag heilig.

Wer den Nächsten liebt, ehrt Vater und Mutter, mordet nicht, bricht nicht die Ehe, stiehlt nicht, lügt nicht und begehrt nicht des Nächsten Frau oder dessen Hab und Gut.

Sehr treffend ist das im GL Nr. 29,6 beschrieben:

„Gott ist einzig, deshalb soll der Mensch nichts anderes an die erste Stelle setzen. Gottes Name ist heilig, er darf nicht in den Schmutz gezogen, verzweckt oder missbraucht werden. Der Mensch wird frei, wenn er regelmäßig seine Arbeit unterbricht und betend Gott begegnet. Weitere sieben Weisungen mahnen, das Leben, seinen Ursprung und seine Weitergabe heilig zu halten, im Umgang mit den Gütern gerecht zu sein, wahrhaftig zu leben und das Begehren zu ordnen.“

Dieser Inhalt und die Absicht der 10 Gebote sind im Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe zusammen gefasst.

Von daher sind der christliche Glaube und das christliche Leben im Grunde ganz einfach: Wir sind dann auf der richtigen Spur, wenn wir Gott und den Nächsten lieben. Mehr brauchen wir uns eigentlich nicht zu merken.

So könnte auch am Ende eines Tages, einer Woche, eines Jahres – und einst auch am Ende unseres Lebens die entscheidende Frage lauten: Habe ich Gott und den Nächsten geliebt, bzw. bin ich hinter der Gottes- und Nächstenliebe durch meine Worte und Taten zurück geblieben?

Auf die Gottes- und Nächstenliebe zielt auch die Begegnung mit dem Herrn der Welt am Ende der Zeiten ab, wenn er uns nach den Werken der Barmherzigkeit fragt: Wem hast du zu essen und zu trinken gegeben, wem hast du Kleidung gegeben oder wen hast du aufgenommen oder besucht?

Die Antwort des Herrn ist eindeutig: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder (und Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan. (vgl. Mt 25, 31-46)

Jesus macht damit deutlich, worauf es im Letzten ankommt: In der Liebe zum Nächsten und durch die Liebe zum Nächsten, erweisen wir auch Gott die Ehre.

Gottes- und Nächstenliebe gehören untrennbar zusammen.

Der Apostel Paulus beschreibt das im Römerbrief so: „Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.“

Das klingt eigentlich gut. Aber das Wort Jesu muss nun ins Leben übersetzt werden, in unseren ganz konkreten Alltag im Oktober 2020 in Coronazeiten.

Sie haben sicher gehört, dass mit den steigenden Infektionszahlen die Hamster- käufe wieder zugenommen haben. Obwohl es von offizieller Seite aus heißt, dass von allem genug da ist, wollen wir auf Nummer sicher gehen.

Ich frage: Ist das Nächstenliebe, wenn ich in meinem Einkaufswagen 120 Rollen Toilettenpapier habe und der andere Kunde vor leeren Regalen steht?

Ich frage: Ist das Nächstenliebe, wenn ich Corona-Regeln leichtfertig missachte, wenn mir der Mindestabstand, sowie das Tragen von Masken egal sind?

Ich frage: Ist das Nächstenliebe, wenn ich wichtige Hygiene-Vorschriften nicht beachte und mich mit vielen Menschen auf engem Raum treffe?

Die Gottes- und Nächstenliebe zeigt sich in dieser Corona-Zeit im Beachten der derzeit geltenden Bestimmungen, im Mut auch andere darauf hinzuweisen, im verantwortungsvollen Handeln und in der nötigen Gelassenheit.

Wenn wir dann unser Leben, mit all den Einschränkungen vor Gott bringen und ihn bitten, mit seiner Hilfe durch diese Corona-Zeit zu kommen, dann sind wir wirklich dem Evangelium, der Gottes- und Nächstenliebe auf der Spur.

Dann können wir, trotz aller Schwierigkeiten und manchem Verzicht auch mal lachen, oder 5 einmal gerade sein lassen.

Vielleicht können wir in einem halben Jahr oder später sagen, die Corona-Krise hat uns manches neu vor Augen gestellt. Sie hat uns neu bewusst gemacht, worauf es im Leben ankommt, was system- und herzensrelevant ist.

Wie wird sich wohl der erste Händedruck nach Corona anfühlen, von einer Umarmung ganz zu schweigen? Welche Gefühle steigen wohl in uns hoch, wenn es in den Nachrichten heißt: Wir haben Corona besiegt. Alle Einschränkungen sind mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

Wäre das nicht dann ein Anlass, die Kirche aufzusuchen und mit allen ein großes Halleluja anzustimmen?

Diese Vorstellung gibt mir Kraft und Hoffnung für die nächsten Wochen,

und Ihnen hoffentlich auch. Das wäre mein Wunsch. Amen.