Schmuckband Kreuzgang

Predigt Sonntag 10.5. von Pfarrer Kost

Sonntagsgottesdienst (c) Oliver Eichhorn
Sonntagsgottesdienst
Mi 13. Mai 2020
Pfarrer Kost

Liebe Schwestern und Brüder,

 

Eine Eigenschaft ist heutzutage sehr gefragt: Mobilität.

Heute hier sein, morgen da sein, flexibel sein, eben mobil sein . . .

Ein gutes Bild dafür ist das Zelt. Es steht für Mobilität.

Man baut es auf, es bietet Schutz in der Nacht, man baut es wieder ab

und zieht weiter. Das bedeutet beweglich sein, mobil sein.

 

Es gibt neben der Mobilität, der Beweglichkeit, aber auch die Immobilität, 

die Unbeweglichkeit, das Feststehen; das, was auf Dauer angelegt ist.

Es ist die Sehnsucht nach einem festen Dach über dem Kopf, nach Zuhause,

nach dem Ort, an dem ich bleiben kann. Es gibt wohl kaum jemand, der sich nicht auf seine eigenen vier Wände freut, da kann der Urlaub noch so schön gewesen sein. Die eigene Wohnung ist eben durch nichts zu ersetzen.

 

Welche Antworten gibt uns das Evangelium, wie wir in dieser unruhigen, mobilen Welt unsere Sehnsucht nach einer Wohnung, nach Gemeinschaft,

nach Leben in Fülle stillen können?

Die erste Antwort ist ernüchternd. Sie heißt: Wir sind nur Gast auf Erden.

Diese Aussage enthält eine tiefe Wahrheit: Solange wir hier auf der Erde leben, haben wir immer nur eine Wohnung auf Zeit und nie eine ewige Wohnung. Wir leben, so sagt der Apostel Paulus in einem „irdischen Zelt“, wir leben „in der Fremde“. Wir gehören zur sog. Pilgernden Kirche; zur Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit.

Deshalb sagt uns Jesus im Evangelium für unseren irdischen Pilgerweg: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! (Joh 14, 1)

Das ist sein Wort. Es ist wie Licht in der Nacht, das Trost und Halt gibt.

 

Die zweite Antwort betrifft das neue und ewige Leben bei Gott.

Sie heißt: Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.

Hier endet die Zeit des Pilgerns. Hier wird kein Zelt mehr gebraucht, denn

das Haus des Vaters ist das Ziel unseres Lebens. Hier wird alle Sehnsucht nach Leben gestillt. Hier gibt es kein Heimweh mehr, weil wir im Haus des Vaters daheim sind – und zwar für immer. Leben ohne Einschränkung, ohne Ende.

Es ist das Haus voll Glorie, das von Gottes Meisterhand aus ewigem Stein erbaut ist. In diesem Haus ist ein Platz für jeden von uns. Jesus hat uns dort einen Platz vorbereitet: Nur für mich, mit allem, was mir im Leben wichtig geworden ist. Ist das nicht eine tröstliche Vorstellung?

 

Auf die Frage: „Wie komme ich denn dort hin?“, gibt Jesus die dritte Antwort:

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.

Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Damit ist für uns klar, dass die allgemeinen Begriffe Weg, Wahrheit und Leben einen Namen haben: Jesus Christus. Sein Wort und sein Leben sind für uns Wegweiser durch diese Zeit. Beim Letzten Abendmahl hat er uns nicht nur sein Wort anvertraut, sondern uns auch seine Gegenwart in den Gaben von

Brot und Wein zugesichert und uns in der Fußwaschung ein Beispiel christ- licher Nächstenliebe gegeben.

Sein Wort, das Sakrament und sein Beispiel sind die Fingerzeige die hinführen zum ewigen Leben. Daran kommen wir nicht vorbei.

So gehen wir unseren Weg, wie der Apostel Paulus sagt „als Glaubende und nicht als Schauende.“ Als Glaubende mit allen Fragen und Zweifel, mit aller Trauer und allen Ängsten, aber hoffentlich auch mit Dankbarkeit, Freude und Zuversicht. Wenn uns der Herr dann einst unsere Wohnung im Haus des Vaters zuweist, dann gehören wir zur vollendeten Kirche. Dann kommt das große Schauen.

Und wir können nur noch überwältigt sagen: Ja und Amen.