Dies ist ein Bericht von Dr. Johannes Engels, der im Dezember anlässlich des heiligen Jahres die heilige Stadt Rom besucht hat.
Rom im Heiligen Jahr
Gerne schicke ich vorweg, dass ich dank meines Elternhauses bereits im Frühjahr 1974 als Mitglied der Katholischen Jungen Gemeinde – KJG innerhalb der St. Sebastian Kirchengemeinde (Bonn) Rom erstmals besuchen dufte. Geleitet wurde diese Reise vom damaligen Kaplan, der überhaupt eine hervorragende kirchliche Jugendarbeit entfaltete. Ein besonderer Glanzpunkt war natürlich die Audienz in der Person von Papst Paul VI. Die Ewige Stadt nunmehr recht gut kennend, nahm ich im Heiligen Jahr 1975 aus meiner damaligen rheinischen Heimat die diesbezüglichen Nachrichten aus dem Vatikan mit begierigem Interesse auf. Desgleichen auch 1983/ 84, als Papst Johannes Paul II ein erneutes Heiliges Jahr ausrief. Genau in jenen beiden Jahren leistete ich meinen Grundwehrdienst, wobei der Wehrpflichtigen Sold eine Romreise einfach nicht gestattete. Im Jahr 2000 stand für mich ein beruflich bedingter Umzug von Berlin nach Bonn an. Hinzu kamen weitere Umbrüche, die mich hinsichtlich des Heiligen Jahres erneut nur in die Zuschauerperspektive aus der Ferne brachten. Im von Papst Franziskus in 2015/ 16 ausgerufenen Heiligen Jahr befand ich mich auf meinem beruflichen Zenit. Dies in der Gestalt von Dienstreisen, die mich mehrfach rund um den gesamten Globus führten. Da wäre das Lamento daheim groß gewesen, dann noch weitere Reisen als Privatmann unternehmen zu wollen. Nun hat ja die längst heimisch gewordene Rabenau die Qualitäten eines Luftkurortes.
Von 1974 ab gerechnet, sollte es gut drei Jahrzehnte dauern, bis ich ein nächstes Mal nach Rom gelangen sollte. Nunmehr im beruflichen Zusammenhang. Dies ermöglichte mir die Ehre einer Gastdozentur an der Universität Neapel. Nach getaner Arbeit reiste ich per Regionalzug nach Rom, wo der Heilige Stuhl wegen des Ablebens von Papst Johannes Paul II gerade vakant war. Das war eine außergewöhnliche und intensive Wahrnehmung. Das berufliche Glück wollte es, dass ich in den folgenden 2000-er und 2010-er Jahren noch mehrfach nach Rom gelangen konnte. Zumeist ging es um Seminare und akademische Veranstaltungen in der Banca d‘Italia. Das Hotel ließ ich möglichst nahe der Vatikankirche Santa Maria Maggiore buchen. Dort konnte ich bereits zu früher Stunde das Morgengebet sprechen und dann frohgemut zur Italienischen Zentralbank spazieren. Am Spätnachmittag chauffierte mich dann der Linienbus zum Petersdom. Erst im Spätherbst 2017 fand ich erstmals eine Gelegenheit, zusammen mit meiner Frau die imposante Stadt am Unterlauf des Tiber zu besuchen. Unsere ältere Tochter buchte uns wunschgemäß ein gutbürgerliches Hotel nahe des Vatikanstaates. Nahe der Metrolinie A gelegen und eben nur eine Haltestation vom Vatikan entfernt.
Dieses Hotel wurde unser erneuter Ausgangspunkt innerhalb jetzigen der Absicht, Rom nun endlich auch einmal während eines Heiligen Jahres erleben zu können. Dies nun per Mitte Dezember 2025. Diesen Monat wählten wir bewusst, denn uns gefiel bereits vor acht Jahren die vorweihnachtliche Stimmung mit ihrer reichlichen Illumination. Die Stadt wirkte überall dort, wo wir waren, aufgeräumt und sauber. Dies erstreckt sich auch auf die drei Metrolinien, wo die Bahnen allesamt im Takt weniger Minuten schnell und zuverlässig fahren. Die Beliebtheit der Metro findet ihren Ausdruck darin, dass die Bahnen zumindest zu den Berufsverkehrszeiten sehr stark frequentiert sind. Höchst empfehlenswert sind Zeitfahrkarten zu 24-, 48- bzw. 72 Stunden, zumal eben nicht zuletzt die vier Vatikankirchen mittels der Metro gut erreichbar sind. Uns fiel zudem sehr angenehm auf, dass meiner Frau, auch bei voll besetzten Metrobahnen, stets unaufgefordert Platz angeboten wurde. Eine gute Sitte, die ich bei uns schon länger sehr vermisse.
Noch am Ankunftstag machten wir davon Gebrauch, in dem wir zur Metrostation Ottaviano (Linie A) fuhren. Dort aussteigend, sind es zu Fuß nur wenige hundert Meter bis zum St. Petersdom. Uns fielen bei hereinbrechender Dunkelheit regelrechte Menschenströme auf, die sich vor den Kolonaden zurück stauten. Inzwischen ist nämlich ein völlig ungehindertes Betreten der Vatikankirchen aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich. Hierzu übernimmt die italienische Polizei die Arbeit. Wie am Flughafen müssen Hand- und Tragetaschen aufs Band gelegt werden und man hat ein Sicherungssegment zu durchschreiten. Viel weiter kamen wir zu jener Spätnachmittagsstunde auch nicht mehr, der Platz war mit Menschen rappelvoll. Da erklang um Punkt 17 Uhr von der gegenüber liegenden Kolonadenseite Marschmusik seitens eines großen italienischen Musikchors. Dieser umrundete den Petersplatz. Im weiteren Verlauf erstrahlte der auf dem Platz zentral aufgestellte Christbaum. Zugegeben: es war ein glücklicher Zufall, dass wir just zur richtigen Stunde das symbolische Erleuchten des Vatikan-Christbaums vor Ort erleben konnten. Die erwähnte Verbindungsstraße zwischen dem Vatikan und der Metrostation Ottaviano ist in adventlicher Prägung zur Abendstunde eine Augenweide.
Die Tagestemperatur bewegte sich so um die 15 Grad Celsius und an jenem zweiten Tag schickte der liebe Petrus reichlich Regentropfen vom Himmel. Dies war auf jeden Fall gut für die in den Subtropen oft ausgedörrte Natur. Sofort konnte man allenthalben fliegende Händler wahrnahmen, die Regenschirme und Ponchos feilboten. Da wir ohnehin Kirchenbesuche auf dem Programm hatten, machte uns dies nicht viel aus. Auf jeden Fall besser als die zumeist dort brütende Hitze im Sommer bei prallem Sonnenschein. Wir strebten gleich nach dem Hotelfrühstück zum St. Petersdom. Hierbei kam uns die frühe Vormittagsstunde zugute, zu welcher der Andrang noch nicht ganz so groß ist. Somit konnten wir die Sicherheitskontrolle rasch passieren und über die Heilige Pforte ins Kircheninnere gelangen. Der zweite Glücksfall war, dass wir im Petersdom an einem Gottesdienst teilnehmen konnten. Dieser fand in Italienisch statt, wobei der Geistliche seine Predigt anschließend noch in Englisch zusammenfasste. Der Kerngedanke: mögen wir zu Gott aufbrechen, Er ist uns nahe. Dies in gedanklich völliger Übereinstimmung mit dem Bußgottesdienst wenige Tage zuvor in Großen Buseck. Natürlich ist im Heiligen Jahr der Wunsch zur Beichte ganz besonders groß und bereits des vormittags fanden wir bereits lange Wartegemeinschaften an allen Beichtstühlen. Neben Italienisch konnte auch in anderen romanischen Sprachen sowie Englisch gebeichtet werden, aber leider nicht in Deutsch. (um das Jahr 2010 herum hatte ich Glück und konnte – sofort drankommend – in deutscher Sprache im Petersdom beichten). Wir entdeckten bewusst die letzten Ruhestätten der Päpste Paul VI und Johannes Paul II. Nicht zuletzt auch für unsere Kirchengemeinden St. Franziskus und St. Joseph stellten wir im Gebet Opferkerzenlichter auf, die in Rom offensichtlich elektrisch funktionieren. Vor dem Petersdom besuchten wir zunächst die Vatikanpost. Briefe und Postkarten werden unverändert schnell und zuverlässig von dort aus in alle Welt versandt. Auf dem Petersplatz selbst konnten wir die herrliche Krippe und den prächtigen Christbaum in Augenschein nehmen. Mit Umstieg über Termini (Hauptbahnhof), wo die Metrolinien A und B kreuzen, gelangten wir zur Station der Linie B Basilika San Paolo (St. St. Paul vor den Mauern). Auf dem Weg nach dort hin kommt man an einem kleinen Flohmarkt vorbei. Vor dem Betreten der Kirche ist inzwischen auch hier die Sicherheitskontrolle zu passieren. Wir nahmen mit Interesse wahr, dass es auch hier eine Heilige Pforte gibt (dito bei den beiden anderen Vatikankirchen). Besonders beeindruckend hier die Portraits sämtlicher Päpste entlang der Seitenwände. Seitwärts der Kirche findet man ein kleines Restaurant und ein Souvenirgeschäft vor. Zum Abendausklang gönnten wir uns italienische Pastagerichte.
Am dritten Tag zeigte sich bei leichter Bewölkung die Sonne. Als Flohmarktgänger besuchten wir zunächst jenen Flohmarkt, welcher eben ausdrücklich werktags in Rom besucht werden kann. Dort kann man vergleichsweise günstig Bekleidung, Handtaschen und Schmuck erstehen. (In regulären Geschäften zahlt man etwa so viel wie bei uns). Besonders schön: dieser Flohmarkt ist am gut erreichbaren Kreuzungspunkt der Metrolinien B und C (die Station heißt San Giovanni), sondern befindet sich zugleich auch nahe der Lateranbasilika. Ähnlich wie St. Paul vor der Mauer hat auch diese Kirche rundherum räumlich Luft und ist nicht eng umbaut. Bemerkenswert ist hier unter anderem, dass es dort ein Devotionalien- und ein Souvenirgeschäft gibt. Wir stellten auch dort ein Opferlicht auf. Ein dritter Glücksfall war anschließend, dass wir mit der neu eingeweihten, nach Westen verlängerten Linie C weiterfahren konnten, ein verkehrstechnisch fürwahr hilfreicher Lückenschluss. Unser nächstes Ziel war jetzt nahe dem Knotenpunkt Termini die Kirche Santa Maria Maggiore. Diese ist enger umbaut, der motorisierte Verkehr braust ringsherum entlang. Natürlich statteten wir der letzten Ruhestätte von Papst Franziskus einen Besuch ab. Angesichts meiner früheren beruflichen Romaufenthalte wurde sie ideell gesehen meine „Hauskirche“ vor Ort. Hiermit verbinde ich ganz besonders viele gute Erinnerungen. Wie leicht konnte man sie noch vor Jahren völlig frei und ungehindert betreten. Leider notwendigerweise tempi passati. Unser letztes Ziel war der Besuch eines Weihnachtsmarktes, den uns die Empfangsdame nahe des Hotels empfahl. In der Tat erwies sich dies im Advent als ein lohnenswerter Besuch, dieser Markt befindet sich am Mazzini Platz, einige hundert Meter nördlich der Metrostation Lepanto (Linie A). Nicht mehr erreicht hatten wir den noch etwas größeren Weihnachtsmarkt am Navona Platz. Jener Platz liegt trotz seiner relativ zentralen Lage weitab vom Metro Liniennetz. Zum abendlichen Ausklang gönnten wir uns nach italienischer Küche nochmals einen Spaziergang zum Petersplatz. Die Einlasskontrolle hatte gegen 19 Uhr gerade geschlossen, doch es blieb uns ein schöner Blick in adventlichem, bunten Lichterschmuck. Die weiße Linie ganz nahe der Kolonaden zeigt die Staatsgrenze an, die wir nebeneinander beschritten; eine Staatsgrenze des Friedens und der Freiheit.
Am Abreisetag nutzten wir mit unserer 72 Stundenkarte nochmals die Metro bis Termini, um sodann mit dem Flughafenzug (Gleis 24) weiterzufahren. Wir halten auch diesen im Viertelstundentakt fahrenden Verkehrsträger für empfehlenswert. Gerne mit zeitlichem Puffer kalkulierend, hatten wir noch bequem Zeit, um die Flughafenkapelle zu besuchen. Dort stellten wir ein drittes Mal Opferlichter im Gebet auf.
Man sagt ja, dass man nach dem Ende einer Reise zumeist unglücklich gestimmt ist – das Gute ist ja vorbei. Dem gegenüber sehen wir die gemeinsamen Weihnachtsfeiertage im Familienkreis und die Perspektive – so Gott will – Rom spätestens in vier Jahren wieder zu besuchen. Schließlich feiert dann der heutige Vatikan mit den Lateranverträgen von 1929 seinen 100. Geburtstag! .