Schmuckband Kreuzgang

Semesterthema Wintersemester 2020-21

Semesterthema_WS20-21 (c) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Raphael_School_of_Athens.jpg

"Glaube und Vernunft – und ich dazwischen"

Poesie und Kunst zeigen, dass unser Thema Menschen zu allen Zeiten beschäftigt hat. In seinem berühmten Philosophen-Fresko malt der begabte Neuling Raffael am päpstlichen Hof diskutierende, schreibende oder in Gedanken vertiefte Männer unterschiedlichsten Alters. Ihre Gestik und Mimik zeigt, dass Denken keine langweilige, sondern eine durchaus leidenschaftliche Sache ist. Die Botschaft lautet: Freiheit des Denkens und Freiheit der Rede führen zu einem fruchtbaren Austausch. Wie Kosmologie und Ethik zusammen gesehen werden, so können auch heute Glaube und Vernunft sich ergänzen, gegenseitig befruchten und müssen sich durchaus nicht ausschließen.

Ganz entgegen einer heute verbreiteten Sicht sind Physik und Transzendenz weder zwei völlig getrennte Bereiche des Denkens, noch ist es sinnvoll, sie auf Dauer strikt zu trennen.

»Glaube und Vernunft (Fides et ratio) sind wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt«, schrieb Johannes Paul II, auch wenn die Weisheit der Welt und die in Christus geoffenbarte Wahrheit nicht gleichzusetzen sind.

Wir haben versucht, das von Euch gewählte Thema so vielfältig wie möglich umzusetzen und dabei höchst unterschiedliche Positionen zu Wort kommen lassen: im Interview mit einem Zisterziensermönch, in Vorträgen über Verschwörungsmythen, den Heiligen Albertus Magnus, fundamentaltheologische Grundlagen und über den ganz persönlichen Werdegang eines Wirtschaftswissenschaftlers vom Atheisten zum Gläubigen. Wir lernen die Ideen und Grundsätze des Bürgerrechtlers und modernen Märtyrers Martin Luther King kennen, spüren bei einem Besuch im Mainzer Landesmuseum der Kaiserideologie im Geflecht von Glaube und Staatsräson nach und schließen mit dem Lebens- und Glaubenszeugnis von Sophie Scholl, die dem Denken zutraute, Mauern niederzureißen.

Das Christentum überzeugte einmal gegenüber den bestehenden religiösen Vorstellungen so sehr, dass es sich in kürzester Zeit ausbreitete. Seine innere Kraft lag gerade in der Verbindung des Glaubens mit der Vernunft und der Ausrichtung auf das Handeln, also in der Synthese von Vernunft, Glaube und Leben.

»Die wahre Vernunft ist die Liebe und die Liebe ist die wahre Vernunft« formulierte Benedikt XVI. Im biblischen Buch der Weisheit heißt es: »Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit. Ihr Anfang ist aufrichtiges Verlangen nach Bildung; das eifrige Bemühen um Bildung aber ist Liebe.«

Wir sind dankbar, dass unsere Referenten sich in diesen besonderen Zeiten dazu bereiterklärt haben, zu uns zu kommen, um auf ihre je eigene Weise zu diesem Ziel beizutragen.

IN DIESEM SINNE WÜNSCHEN WIR EIN GELINGENDES WINTERSEMESTER!