Schmuckband Kreuzgang

Semesterthema Wintersemester 2019/2020

Semesterthema201920

"Am Ende ist das Ende nicht das Ende"

Ob und wie es nach dem Tod weitergeht, mit diesem Thema befassen sich in diesem Wintersemester unsere Referenten und Veranstaltungen. Für viele Menschen ist das tatsächlich eine offene Frage, andere haben für sich eine klare Antwort gefunden, manche stellen sie sich lieber gar nicht erst.

Der Philosoph Max Scheler konstatierte schon im 20. Jahrhundert: »Der moderne Mensch glaubt in dem Maße nicht mehr an ein Fortleben und an eine Überwindung des Todes im Fortleben, als er nicht mehr ›angesichts des Todes‹ lebt. Jedenfalls besteht zwischen Todesverdrängung und Nachlassen todüberwindender Hoffnung ein Zusammenhang.« Längst wurde Scheler in dieser Schlussfolgerung widersprochen.

Medien servieren uns heute permanent Katastrophen und Todesmeldungen hautnah, von einer Verdrängung des Todes könne also keine Rede sein. Und doch tritt an die Stelle gläubiger Lebenshingabe an Gott im Sterben oft der ausgeprägte Wunsch, die eigene Lebenszeit so weit als möglich zu verlängern, sich sein Lebensglück im Hier und Jetzt zu schaffen und zu erhalten. Ob nun Verdrängung des Todes oder medial vermittelte Begegnung mit dem entpersonalisierten Tod – weithin scheint es darum zu  gehen, das Leben als letzte Gelegenheit voll auszukosten.

Es ist eine Grundüberzeugung christlichen Glaubens, dass der Tod eben nicht das Ende ist. Das bedeutet zugleich, dass wir Verantwortung für unser Leben haben und einmal Rechenschaft darüber ablegen müssen. Wie diese Überzeugung im Neuen Testament zur Sprache kommt, was es mit der Vorstellung von Himmel, Hölle und Fegefeuer auf sich hat, wie unsere Haltung zum Leben aus jüdischer Sicht aussehen sollte, ob Menschen heute überhaupt noch eine Sehnsucht nach dem Himmel haben und was man gegebenenfalls nach dem Tod nicht verpassen sollte, darüber werden wir nachdenken und diskutieren.

Christliche Eschatologie bietet weder einen langweiligen Himmel noch eine simple Drohbotschaft an. Sondern, wie es in einem Gespräch mit dem Theatermenschen August Everding einmal wunderbar formuliert wurde: »Den Tag Christi sehen, heißt sich freuen. Aber wir müssen doch das andere dazu nehmen, das Gericht darf nicht herausfallen. Es gibt das Gericht, wenn man das wegnimmt, dann wird Christentum kitschig.«

Die Formulierung unseres Semesterthemas verdanken wir einem Neuen Geistlichen Lied von Stephanie Dormann, in dem es heißt: »Am Ende ist das Ende nicht das Ende. Am Ende hält das Ende alle Türen offen. Am Ende sind die Gräber leer. Am Ende lässt das Ende auf Anfang hoffen.«

IN DIESEM SINNE WÜNSCHEN WIR EIN WINTERSEMESTER IN FROHER ZUVERSICHT.