Neulich habe ich einen Podcast gehört, in dem eine Forscherin ihre Erkenntnisse zum Frauenbild in kirchlichen Publikationen zum Fairen Handel vorstellte. Der Schwerpunkt lag auf den Materialien eines großen evangelischen Hilfswerks, ich könnte mir aber vorstellen, dass die Beobachtungen auch für katholischen Institutionen gelten.
Sehr verkürzt lassen sich die Erkenntnisse so darstellen: Produzierende Frauen leisten schwere körperliche Arbeit, werden als unterdrückt und bemitleidenswert dargestellt. „Schwarze Frauen müssen von weißen Menschen gerettet werden“. Im Übrigen werden die Frauen immer als Mutter dargestellt, entweder alleinerziehend oder vom Ehemann unterdrückt, aber in jedem Fall ausgebeutet. Als Begründung werden oft kulturelle und religiöse Unterschiede genannt.
Diese Bilder sind historisch entstanden und begründbar, aber dennoch problematisch, weil sich über die wiederholten Erzählungen ein zu simples und unvollständiges Bild festsetzt: Es gibt die arme unterdrückte Frau im Globalen Süden und die reiche selbstbestimmte Frau im Globalen Norden. Unterschiede, wie das Stadt-Land-Gefälle in den jeweiligen Regionen werden unsichtbar gemacht; statt dessen wird der „Nachholbedarf“ der Schwarzen Frauen im Süden referiert. Die Single-Frau, Unternehmerin und erfolgreich im Job, gibt es auch im Globalen Süden, aber sie wird nicht gezeigt. Das verfälschte Bild der Realität verstärkt bestehende Hegemonien des Globalen Nordens. Es bleibt bei gut gemeinter Entwicklungshilfe, statt echte Entwicklungszusammenarbeit zu fördern, die die Expertise und die Ressourcen der Frauen im Globalen Süden ernst nimmt.
Mich hat dieses Interview sehr nachdenklich gemacht. Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen und Trends bei uns erscheint mir dieser vereinfachte Blick auf die Frauen im Globalen Süden unangebracht: Wir spielen in Deutschland Carearbeit gegen Erwerbsarbeit aus, auf Medien wie Instagramm oder X trenden sog. Tradwifes, die ein verlogenes Mutterglück à la 50er Jahre transportieren, frauenfeindliche rechte Parteien gewinnen an Zustimmung.
Also nehme ich für mich diese Hausaufgaben aus dem Interview mit:
- Ich werde die Publikationen meiner Informationslieferanten GEPA und Misereor mit anderen Augen lesen und bei Bedarf Rückmeldung an diese von mir sehr geschätzten Institutionen geben.
- Dann werde ich schauen, wo ich im sozialen Medium Mastodon und in der echten Welt starke Frauen aus dem Globalen Süden treffen und auf sie hören kann.
- Und natürlich werde ich mich weiterhin für große Reichweite des Fairen Handels einsetzen – an unserem Verkaufsstand, in meinen kleinen Texten und im privaten Gespräch.
Das sehr hörenswerte Interview kann ich hier nicht vollständig wiedergeben und empfehle es zum Nachhören:
Webseite der Episode: https://geschlechtmachtwissen.substack.com/p/mutterschaft-und-frausein-im-globalen