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Das KultCafé auf Exkursion gegen das Vergessen

(c) Regina Sever
Datum:
Di 8. Sep 2020
Von:
Regina Sever
Am 5.9.2020 nahm das KultCafé nach dem coronabedingten Lockdown seine  Veranstaltungsreihe wieder auf. 20 Interessierte machten sich am Samstagnachmittag mit dem Fahrrad oder dem eigenen Pkw auf den Weg nach Walldorf, um dort in einer Führung der Margit Horvath Stiftung Bewegendes zur Geschichte des KZ Außenlagers Walldorf zu erfahren. Den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern war bis zum Zeitpunkt der Einladungsflyer durch das KultCafé die Existenz dieses Arbeitslagers während des zweiten Weltkrieges völlig unbekannt.
Claudia Batistella, Museumsleiterin der Stadt Mörfelden-Walldorf und Vorstand der Stiftung sowie Kuratoriumsmitglied Heinz-Peter Becker führten die Besucher des KultCafés entlang des Historischen Lehrpfades durch die bewegende und überaus grauenvolle Vergangenheit dieses Außenlagers. 1700 junge ungarische Jüdinnen kamen im August 1944 in Güterwagons direkt von Auschwitz-Birkenau in die KZ Außenstelle Walldorf, um unter der Leitung der Firma Züblin für den Frankfurter Flughafen erste betonierte Rollbahnen zu bauen. Informationen zum Lebens- und Arbeitsalltag der Inhaftierten, die immer wieder durch Fotos und Zeitzeugenberichte untermauert wurden, lösten bei allen Anwesenden große Betroffenheit aus.
Kaum vorstellbar, dass das Schicksal dieser Frauen nach Kriegsende in Vergessenheit geriet und erst in den 70er Jahren durch Zufall drei Jugendliche während eines Besuches der KZ Gedenkstätte Buchenwald wieder erste Hinweise auf das Walldorfer Lager fanden. Seitdem begann eine stetige und intensive Aufarbeitung der Geschichte, die sicherlich in der Kontaktaufnahme mit Margit Horvath, einer ehemaligen Inhaftierten des Lagers, einen Durchbruch fand. 2004 wurde schließlich die Margit-Horvath-Stiftung auch im Beisein einiger Lagerüberlebenden gegründet. Es folgten Ausgrabungsarbeiten eines Kellers der ehemaligen Küchenbaracke des Lagers und schließlich 2016 die Eröffnung des Horvath Zentrums, auf dessen Glaswänden Namen undm zahlreiche Fotos von ehemals inhaftierten jungen Frauen gezeigt werden.
Die auf 90 Minuten angesetzte Führung wurde auf Bitten der Teilnehmer zeitlich ausgeweitet. Zu groß war das Interesse und die Betroffenheit an der Thematik. Frau Battistella und Herr Becker kamen dem Anliegen gerne nach und tragen einen großen Anteil daran, dass das Schicksal der 1700 inhaftierten jüdischen Frauen bei den Besuchern des KultCafés nicht in Vergessenheit gerät.