Schmuckband Kreuzgang

Abschied von Kloster Engelthal

Kloster Engelthal (c) Kloster Engelthal
Datum:
Mi. 15. Juli 2026
Von:
Sr. Elisabeth Kralemann mit allen Engelthaler Schwestern

Liebe Freundinnen und Freunde von Kloster Engelthal,

am 11. Juli feiern wir Benediktinerinnen und Benediktiner das Fest unseres Ordensvaters, des hl. Benedikt von Nursia. Er gilt als „Vater des abendländischen Mönchtums“. Papst Paul VI. ernannte ihn 1964 zum „Schutzpatrons Europas“. Seine Regel, die er am Ende seines Lebens im Kloster Montecassino verfasst hat, war schon in der Antike und später das Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit prägend für den Glauben und die Kultur Europas.

In der Lebensgeschichte, die Papst Gregor der Große über Benedikt verfasst hat, gibt es eine sehr berührende Szene: Ein Mitbruder findet den hl. Benedikt, wie er weinend in seiner Zelle sitzt. Als er nach dem Grund seiner Trauer fragt, sagt Benedikt: „Dieses ganze Kloster, das ich aufgebaut habe, und alles, was ich für die Brüder eingerichtet habe, wird durch den Ratschluss des allmächtigen Gottes fremden Völkern ausgeliefert. Kaum habe ich erreichen können, dass die Menschen, die hier wohnen, überleben werden“

Benedikt, der immer mutig und vertrauensvoll seinen Weg gegangen ist, sieht hier die Zerstörung seines Lebenswerks, des Klosters Montecassino voraus, und es ist verständlich, dass er darum trauert. Tatsächlich ist Montecassino nicht lange nach Benedikts Tod von den Langobarden zerstört worden, und im Laufe der Geschichte noch weitere drei Male. Doch auch in diesem Moment der Entmutigung und Schwäche bewahrt Benedikt den Blick für das Wesentliche: Wichtiger als die Gebäude sind ihm die Menschen, seine Brüder

Sie sind damals nach Rom geflohen und fanden Zuflucht im dortigen Andreas-Kloster. Später wurden sie zur Mission nach Angelsachsen ausgesandt, von wo aus sie dann auch das Festland und das heutige Mitteleuropa christianisierten und mit dem Evangelium und der Regel Benedikts vertraut machten. 
Aus heutiger Sicht könnte man sagen: Die Zerstörung Montecassinos hatte eine positive Kehrseite: Sie diente der Verbreitung des Evangeliums und der Regel des hl. Benedikt, die in ihrer Weisheit und Ausgewogenheit Gott in den Mittelpunkt stellt und die Würde jedes Menschen schützt.

Warum fällt mir gerade in diesen Tagen diese Begebenheit aus dem Leben des hl. Benedikt ein und berührt mich? Es ist wohl dies, dass ich da – bei allen Unterschieden – einen Bezug zu unserer Situation sehe: Wir Schwestern von Kloster Engelthal sind dabei, unser Kloster, das wir 64 Jahre lang mit Leben erfüllt und gestaltet haben, zu verlassen. Es ist auch für uns kein leichter Abschied von dem Ort, der uns zur Heimat geworden ist. Wir haben ihn uns damals bewusst ausgesucht, sind hier eingetreten und haben hier unsere Profess abgelegt. Hier sind wir unserem benediktinischen Auftrag in Gebet und Arbeit, Alleinsein und Gemeinschaft nachgegangen und durften erfahren, dass dieser Ort auch für viele andere zur geistlichen Heimat geworden ist.

Und nun befinden wir uns im Aufbruch. Wir werden dazu nicht von außen gedrängt, sondern haben die Entscheidung vor zwei Jahren als Gemeinschaft bewusst getroffen, als deutlich wurde, dass wir die große Klosteranlage und das Gästehaus auf Dauer nicht mehr bewirtschaften können. Auch wir fanden einen für uns passenden neuen Ort: das ehemalige Exerzitienhaus auf dem Rochusberg in Bingen. Dabei ist für mich wichtig, dass wir zwar Abschied nehmen vom bisherigen Kloster, aber als Gemeinschaft zusammenbleiben, dass sich für jede einzelne Schwester gute neue Möglichkeiten und Aufgaben finden und so der Aufbruch auch zu etwas Neuem und noch Ungeahntem führen kann.

Jetzt im Juli ist es soweit: nachdem die Renovierungsarbeiten und die Grundreinigung so gut wie abgeschlossen sind, beginnen die Umzüge. Als erstes werden die Gemeinschaftsräume eingerichtet, dann ziehen die ersten sechs Schwestern um. Die noch zurückbleibenden fünf Schwestern folgen im September, sobald in Engelthal alles abgeschlossen ist. Eine Zeitlang werden wir dann „eine Gemeinschaft an zwei Orten“ sein.

Wie die Gottesdienste in Engelthal in dieser Übergangszeit stattfinden, können Sie jeweils über unsere Homepage erfahren. Auch unsere neuen Kontaktdaten werden wir ab Ende Juli dort angeben.

Unseren Abschiedsgottesdienst am Sonntag, 23. August, um 11.00 Uhr in Engelthal mit Bischof Dr. Peter Kohlgraf, zu dem dann auch wieder alle Schwestern da sein werden, können wir aufgrund der begrenzten Plätze in unserer Kirche nur mit eigens dazu eingeladenen Gästen feiern. Wir übertragen ihn aber per Livestream. Den Link dazu können Sie wieder unserer Homepage entnehmen.

Der hl. Benedikt weiß darum, dass unser menschliches Tun immer bruchstückhaft und ergänzungsbedürftig bleibt. Darum rät er uns zu Beginn seiner Regel: „Sooft du etwas Gutes zu tun beginnst, bitte inständig darum, dass Gott es vollende“. Wir können für das Gelingen unserer Schritte und Vorhaben nicht garantieren. Aber wir können beten, dass Gott mit uns ist, unsere Schritte lenkt und unseren Weg zum Ziel führt. In diesem Sinne soll das Gebet unseren Aufbruch begleiten und zugleich Sie alle, die Sie uns verbunden sind und vielleicht auch Unterstützung und Ermutigung gebrauchen können.

Wir bleiben Ihnen allen dankbar verbunden!

Ihre Sr. Elisabeth Kralemann mit allen Engelthaler Schwestern