erlassjahr.de und Misereor haben Schuldenreport 2026 veröffentlicht
Wie jedes Jahr haben das deutsche Entschuldungsbündnis erlassjahr.de und die katholische Hilfsorganisation Misereor im April dieses Jahres den aktuellen Schuldenreport herausgebracht. Dabei publizieren die Autor:innen diese Zahlen:
Hohe Auslandsschuldenlast bedeutet, dass diese Länder mehr als 15 Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zins- und Tilgungszahlungen an ausländische Gläubiger aufbringen müssen. In Angola sind es 60 Prozent, im Senegal 39 Prozent. D.h., ein hoher Teil der öffentlichen Einnahmen fließt in den Schuldendienst und fehlt für elementare Staatsaufgaben wie Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur.
Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote für den Auslandsschuldendienst lediglich bei rund zwei Prozent.
Haben in den vergangen Jahren Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Coronapandemie die Lage für die verschuldeten Länder der Globalen Mehrheiten stetig verschärft, kommen nun zu der hohen Auslandsverschuldung vieler Länder noch die verheerenden Folgen des Kriegs am Golf hinzu, da hohe Energie- und Lebensmittelpreise die Staatshaushalte zusätzlich belasten.
Zudem ist die öffentliche Vergabe von Zuschüssen und Krediten an Länder des Globalen Südens deutlich eingebrochen, auch infolge gekürzter Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit.
Private Gläubiger haben Kredite nur noch zu sehr hohen Zinssätzen vergeben – insbesondere an bereits hoch verschuldete Staaten. Somit besteht die Gefahr, dass Schuldenkrisen verschleppt, statt gelöst werden und die Länder tiefer in Abhängigkeiten geraten. Gleichzeitig bietet die gläubigerzentrierte, internationale Schuldenarchitektur keine effektiven Lösungen, um Auslandsschuldenkrisen nachhaltig zu überwinden.
Länder wie Ghana, Sambia, Sri Lanka und Suriname, die in den vergangenen Jahren Umschuldungen im Rahmen dieser gläubigerdominierten Strukturen durchgeführt haben, weisen weiterhin eine der höchsten Belastungen weltweit auf.
Die Initiative fordert die Bundesregierung auf, dass umfassende Reformen der internationalen Finanz- und Schuldenarchitektur umgesetzt werden und betroffene Länder stärker mitbestimmen können, da faire und verlässliche Schuldenerleichterungen kein Akt der Gnade sind, sondern Teil einer internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit werden müssen, einer Zusammenarbeit, die Würde und Teilhabe für alle Menschen und Staaten ermöglicht.
Der Schuldenreport mit vielen Analysen, Details und Grafiken ist hier https://erlassjahr.de/produkt/schuldenreport-2026/ als pdf-Datei abrufbar.