Schmuckband Kreuzgang

Gedanken zum 7. Sonntag der Osterzeit 2020

Pfarrer Martin Sahm macht sich Gedanken über das "Übersichhinauswachsen" mit Hilfe des Heiligen Geistes

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Die Kraft eine neue Tür zu öffnen
Datum:
Mo 25. Mai 2020
Von:
Pfarrer Martin Sahm

Gedanken zum 7. Sonntag der Osterzeit 2020

24. Mai 2020

von Pfr. Martin Sahm

           

Die Bibelstellen des Sonntages sind:

- 1. Lesung:    Apostelgeschichte 1, 12-14

- Evangelium: Johannesevangelium 17, 1-11a

 

Predigt:

„Martin, ich muss mal kurz in den Keller an die Waschmaschine, pass Du solange auf deine Schwester auf!“

Jeder von uns, der mit jüngeren Geschwistern aufgewachsen ist, kennt solche Sätze. Die Eltern sind weg und schon hat man als der oder die „große“ die Verantwortung, dass nichts schief geht. Dass nichts kaputt geht; der Schwester oder dem Bruder nichts passiert. Da ist es kein Wunder, wenn man die Worte des Evangeliums als großer Bruder anders hört, als die kleine Schwester. „Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt!“ So sagt Jesus am Ende des Evangeliums. Da klingen einem schon die Ohren! „So, ich bin mal kurz weg. Mach Du weiter. Die Richtung habe ich Dir ja vorgegeben; mach bitte so weiter, wie ich es begonnen und Dir gezeigt habe!“ Da ist er also wieder. Dieser riesige Hügel, den man einfach nicht überblicken kann. Der Berg, der unüberwindlich scheint. Der Weg, unbefestigt und mit den vielen Schlaglöchern. Immer wieder erschrecken wir vor solchen plötzlichen Aufgaben, die so unglaublich groß und schwer in unserem Weg liegen. Aufgaben, die uns aufgetragen werden, weil man sie uns zutraut. Doch selten werden wir gefragt, ob wir uns das zutrauen.

Oft ist das gut. Wir brauchen immer wieder Herausforderungen, um an ihnen zu wachsen und uns zu entwickeln. Nicht nur im Kindesalter! „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ So hat Henry Ford einmal gesagt. Und er hat Recht. Aber es gibt dabei ein Problem: Wie überall kann es auch hier ein – zu viel – geben.

Das sind dann meist gut gemeinte Aufgaben, an denen wir wachsen sollen, die sich dann als praktisch unlösbar herausstellen. Momente, in denen wir die Erfahrung machen, etwas nicht zu schaffen. Nicht gut genug zu sein. Das Scheitern gehört wohl zu den schwierigsten und unangenehmsten Erlebnissen von uns Menschen. Das kann sich anfühlen wie ein Schlag ins Gesicht.

„Ich hab Dir mehr zugetraut! Ich habe Dich für besser; effektiver; innovativer gehalten…“ Das muss dabei der andere nicht mal sagen! Wir haben es selbst in unserem Kopf, wenn wir eingestehen müssen, dass wir es nicht geschafft haben.

Und dann kommt Jesus selbst mit einem solchen Satz – mit einer solchen Herausforderung um die Ecke! Das ist schon keine kleine Herausforderung mehr, wenn er sagt: „So, ich bin weg. Jetzt seid Ihr dran!“ „Ich bin ab jetzt nicht mehr auf der Erde. Aber Ihr seid ja da. Ihr seid mir dafür verantwortlich, dass der Laden läuft! Ihr seid mir dafür verantwortlich, dass Gottes Botschaft auch weiterhin verkündet wird.

Ihr seid mir dafür verantwortlich, dass im Namen Gottes auch weiterhin den Armen und Kranken geholfen wird.

Ihr seid mir dafür verantwortlich, dass auch weiterhin niemand seinen Weg zu Gott alleine gehen muss.

Ihr seid mir dafür verantwortlich, dass jeder mich finden kann, der mich sucht.

Ihr seid mir dafür verantwortlich, dass ihr niemandem im Weg steht – dass keiner von Euch abgeschreckt wird, der zum Vater will!“

Liebe Schwestern und Brüder, diesen Satz Jesu – und auch meine Gedanken zu seinem Satz – mit dem Ohr eines großen Bruders oder einer großen Schwester zu hören, kann sehr anstrengend, ja beinahe erdrückend sein. Er haut ab und wir haben die Arbeit.

Aber, auch wenn es in seinem Gebet so klingt:

Er lässt uns nicht allein! Er weiß, dass wir einen Beistand brauchen. Eine Hilfe, die uns stärkt. Jemanden, der uns unter die Arme greift. Und genau den hat er seinen Jüngern an Himmelfahrt verheißen:

Den hl. Geist, der von ihm und vom Vater ausgeht. Ich habe Ihnen einen Teil der Heilig-Geist-Litanei aus dem Gotteslob ausgeteilt. Zur Vorbereitung auf Pfingsten werden wir diesen Ausschnitt nach dem Segen miteinander beten.

Bitten wir unseren Gott, dass sein Hl. Geist uns helfe, in seinem Namen zu Wirken. Und dass es uns gelingt, für ihn und mit ihm Mauern einzureißen und Türen zu öffnen. Amen.

 

 

 

(aus Gotteslob Nr. 565)

 

 

V/A: Herr, erbarme dich.

V/A: Christus, erbarme dich.

V/A: Herr, erbarme dich.

V: Gott Vater im Himmel,     A: erbarme dich unser.

Gott Sohn, Erlöser der Welt,

Heiliger dreifaltiger Gott,

Geist vom Vater und vom Sohn

Geist, mit Vater und Sohn angebetet und verherrlicht

Geist, der gesprochen hat durch die Propheten

Geist, der auf Jesus Christus ruht,

Geist, der in der Kirche lebt,

Geist der Weisheit und der Einsicht,

Geist des Rates und der Stärke,

Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit,

Geist der Gottesfurcht,

Geist des Glaubens und der Hoffnung,

Geist der Liebe,

Du Trost der Verlassenen,

Du lebendiger Quell in der Wüste,

Du verborgene Kraft in den Schwachen,

Du stille Macht in den Geduldigen,

Du Freude der Kinder Gottes,

Du Gast der Freunde Jesu,

Du Geist der Wahrheit,

Du Geist der Stärke,

Du Geist der Barmherzigkeit,

Du Geist der Freiheit,

Du Geist der Einheit,

Du Geist der Heiligkeit.