Schmuckband Kreuzgang

Gedanken zum Pfingstfest 2020

Pfarrer Martin Sahm macht sich Gedanken über das Wirken des Heiligen Geistes

DSC_0005 (c) Anke Dewald
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Datum:
Sa 30. Mai 2020
Von:
Pfarrer Martin Sahm

Gedanken zum Pfingstfest 2020

31. Mai 2020

von Pfr. Martin Sahm

           

Die Bibelstellen des Feiertages sind:

- 1. Lesung:    Apostelgeschichte 2, 1-11

- Evangelium: Johannesevangelium 20, 19-23

 

 

Predigt

Pfingsten wirft doch immer wieder eine Frage auf: wie ist das eigentlich mit dem Heiligen Geist. Es fängt ja schon dadurch an, dass er uns gar nicht wirklich vorgestellt wird. Jesus spricht nur von der Gabe, die er senden wird, wenn er zu seinem und unserem Vater zurückgekehrt ist. Aber wie genau wird diese aussehen? Bei der Taufe Jesu schreibt Matthäus, dass der Geist Gottes wie eine Taube vom Himmel herabkam.

Und die Apostelgeschichte berichtet von einem Brausen und Toben – wie von einem Sturm – und dann von Zungen wie von Feuer. Ist das überhaupt der gleiche Geist, von dem hier berichtet wird? Nun, der Heilige Geist war schon durch die Jahrhunderte hindurch die göttliche Person, die am schwersten zu fassen war. Auch wenn das Bild von Gott Vater als altem Mann mit weißem Bart ihm ganz bestimmt nicht gerecht wird, so wird er so doch greifbar. Für eigene Vorstellungen; für den eigenen Glauben. So ist das auch mit den vielen unterschiedlichen Kreuzesdarstellungen. Es gibt so viele Stile und Richtungen. Und vor allem, es gibt dabei kein Richtig und kein Falsch. Immer ist es Ausdruck des persönlichen Glaubens des Künstlers. Doch all dem – all diesen Möglichkeiten der Annäherung – entzieht sich der Heilige Geist. Immer wieder finden wir Momente im Alltag, an denen wir sagen: Da! Da war der Heilige Geist am Werk! Aber ist das überhaupt rational? Ist das überhaupt verständlich?

Nun, ich glaube wir verstehen das Wirken des Heiligen Geistes am Besten, wenn wir uns die Geburtsstunde der Kirche vor Augen halten:

Beginnen wir der Vollständigkeit halber am Karfreitag. Die Jünger sind am Boden zerstört. Sie sind niedergeschlagen und enttäuscht. Sie haben Angst. Sie vertrauen niemandem mehr, als nur ihrem innersten Zirkel. Das, liebe Brüder und Schwestern ist nie und nimmer die Geburtsstunde der Kirche, das ist eher das Verhalten einer Sekte! Einer Sekte, die Angst hat. Folgen wir den weiteren Tagen: Der Karsamstag bleibt still. Die Trauer hängt auch weiter über der Gruppe. Am Ostersonntag, die erste Aufregung! Das Grab ist leer. Es gibt erste Gerüchte über die Auferstehung, aber was vorherrscht, ist die Verwirrung. So sehr, dass manche es in der Gruppe nicht mehr aushalten. Die Emmausjünger verlassen nach der Auferstehung Jesu Jerusalem und lassen alles zurück. Sie verstehen immer noch nicht. Sie glauben den ersten Zeugen der Auferstehung nicht.

Doch Jesus erscheint ihnen – und danach auch anderen. So langsam wandelt sich der Schreck in Freude und Mut. Sie trauen sich wieder, das Haus zu verlassen und gehen auch wieder in den Tempel. So kommt es zu ersten Rückschlägen: erste Verfolgungen; auch mal Kerkerhaft. Die Angst um das eigene Leben flackert durch einen Schlag plötzlich wieder auf: Die Steinigung des Stephanus. Er wird der erste Märtyrer für Christus.

Und schon hat der Mut der Jünger ein abruptes Ende. Die Situation gleicht auf einen Schlag wieder der am Karfreitag. Es regiert wieder die Angst.

Kaum haben sie den Schock über den Tod Jesu überwunden, da merken sie, wie dieser Tod auch sie ganz persönlich betrifft. Existentiell, wie man so sagt. Wer an Jesu Wort und Auftrag festhält, spielt auch mit seinem eigenen Leben. Das hatte Jesus ihnen angekündigt; so ganz damit gerechnet hatten sie nicht.

Und so sind sie wieder alle zusammen, nur im kleinen Kreis trauen sie sich über Jesus zu reden und zu beten. Und in diese Situation der Verzagtheit; der Angst; der Unsicherheit kommt der Heilige Geist! Der Beistand, den Christus verheißen hat.

Der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist der Erkenntnis, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht.

Wie sehr dieser Geist wirkt, zeigt am besten der Apostel Petrus: keine zwei Monate liegen zwischen seinem Leugnen: „ich kenne diesen Menschen nicht!“ – und seiner ersten öffentlichen Predigt an Pfingsten. Die Angst, die Verzagtheit, die Unsicherheit – alles ist wie weggeblasen! Liebe Schwestern und Brüder, genau darum gilt das Empfangen des Geistes durch die Jünger als die Geburtsstunde der Kirche:

Raus aus den Zimmern und hinaus zu den Menschen. Das ist der Auftrag Jesu an seine Gläubigen durch alle Generationen. Bringt die Botschaft Jesu zu allen Menschen. Damit jeder es hören kann.

Wir sind nicht auserwählt, den Glauben im stillen Kämmerlein auszuüben, sondern der Welt und den anderen in meinem Umfeld zu zeigen, dass ich Christ bin und auf Christus vertraue. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass uns bei dieser Aufgabe der Heilige Geist unterstützt!