Liebe Leserinnen und Leser!
Liebe Schwestern und Brüder!
in den vergangenen Wochen hat so manche/r Mitbürger/in an den Tankstellen einen Preisschock bekommen. Nicht wenige Men-schen im Land befällt die Sorge: Wie soll das noch weitergehen? Es wird alles immer teurer... Es reicht irgendwann hinten und vorne nicht mehr.
Dieses bedrückende, deprimierende Gefühl eines „Es reicht doch hinten und vorne nicht mehr“, kann sich auch in Kirchengemein-den einschleichen. Angesichts personeller Engpässe bei Haupt-und Ehrenamtlichen, knapper werdender finanzieller Mittel und erst recht angesichts einer drohenden Abgabe wichtiger Gemein-degebäude.
Heute, da ich dieses Vorwort schreibe, steht im Tagesevangelium die Brotvermehrung (Johannesevangelium 6, 1 – 15). Die Ausgangs-lage scheint auch damals katastrophal: Etwa 5000 Männer waren zusammengekommen, dazu vermutlich noch Frauen und Kinder.
„Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fi-sche; doch was ist das, für so viele?“, merkt der Apostel Andreas an und seine Mutlosigkeit ist fühlbar.
Jesus geht mit dieser Situation ganz anders um: Er beklagt nicht den Mangel, sondern freut sich über das Kind und seine Gaben. Dankbar nimmt er die scheinbar geringen Gaben in Empfang und hebt sie dankend zum Himmel empor, zu Gott, dem Vater, von dem jede gute Gabe kommt. Jesus schaut nicht auf das, was zu fehlen scheint, sondern auf das, was da ist. Er lässt sich nicht von einem enttäuschten Mangelgefühl leiten, sondern von der Dank-barkeit für die Gaben seines und unseres Vaters. Darum wird er auch nicht unzufrieden und mutlos. Jesus verharrt in der Dankbar-keit und in der Hofnung – so wird es bleiben bis an sein irdisches Ende. Noch im Abendmahlssaal, als die große Mehrheit seiner Jün-ger sich bereits von ihm getrennt hatte, als der Verräter mit am Tisch saß, die Feinde schon ungeduldig auf seine Auslieferung war-teten und klar war, dass die anderen Jünger auch bald weglaufen würden, nimmt Jesus Brot und Wein und dankt Gott, dem Vater. Bei Jesus ist keine Unzufriedenheit, sondern Dankbarkeit.
Als Christinnen und Christen versuchen wir, in der Nachfolge Jesu zu leben. Dazu gehört ganz wesentlich auch, in seine Perspektive der Dankbarkeit, der Hofnung und des Vertrauens in die Allmacht der Liebe unseres himmlischen Vaters hineinzuwachsen. „Erhebet die Herzen!“, diesen Ruf hören wir immer wieder in der Feier der hl. Eu-charistie. Ist dieser Ruf nicht eine Einladung: Bleib nicht beim ver-meintlichen Mangel stehen, sondern vertraue auf Deinen Gott! Denke und rede nicht schlecht, sondern denke und rede gut, weil Dein Gott und Vater alles im Grif behält und gutmachen wird!
Maria, die Mutter des Herrn und der Kirche, will uns helfen, tiefer in diese Ausrichtung der Dankbarkeit und der Hofnung hineinzuwach-sen. Möge sie uns im Marienmonat Mai an die Hand nehmen! Gut, wenn wir wie die erste Kirche mit ihr um die Gabe des Heiligen Geis-tes bitten. Er lässt uns alles mit neuen Augen sehen, bewahrt uns vor Mutlosigkeit und Resignation und schenkt uns stets einen langen Atem.
„Ich glaube an die Kraft des Heiligen Geistes, der alle Wege mit uns geht, auch und besonders die schwierigen.“, so hat es mir jemand geschrieben, der in den vergangenen Jahren auch immer wieder Schweres erfahren, aber nie den Mut verloren hat. Mögen wir alle mit-einander in diesem Vertrauen wachsen!
Ihnen und Ihren Familien einen frohen Maimonat und ein reich geseg-
netes, frohes Pfingstfest!
Herzliche Grüße auch im Namen des ganzen Pastoralteams Ihr
Olaf Schneider Pfarrvikar
(aus: MIIEINANDER Mai 2026)