Schmuckband Kreuzgang

Aufstehen, aufeinander zugehen

Bericht von der Pfarrversammlung St. Paulus

Kirche St. Paulus (c) KKI
Kirche St. Paulus
Sa 1. Feb 2020
Gertrud Wellner

Gut 100 Menschen waren am 26. Januar in die Kirche St. Paulus in Ingelheim-West gekommen. Zum zweiten Mal ging es in einer Pfarrversammlung um die Zukunft der Gemeinde und des Gotteshauses.

 

 

Nach der Begrüßung durch Pfarrer Christian Feuerstein übernahm kurz Gemeindereferent Jürgen Heckmann und gemeinsam stimmte man sich mit dem Lied „Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen / voneinander lernen, miteinander umzugehen / Aufstehen, aufeinander zugehen / Und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehen“ auf den weiteren Nachmittag ein.

 

Die Versammlung wurde wieder von den Gemeindeberatern Bardo Zöller und Matthias Selzer moderiert. Sie machten gleich zu Anfang darauf aufmerksam, dass es darum gehe, Lösungen zu suchen und nicht Schuldige ausfindig zu machen. Aktuell sollten Ideen gesammelt werden, wie die Kirche wieder mehr Beachtung in der Bevölkerung erhalten könnte – auch über die Ingelheimer Stadtgrenzen und Religionszugehörigkeit hinaus.

 

St. Paulus wurde 1979/80 vom Züricher Architekten Justus Dahinden entworfen. Ein Anlass für Franz Diehl das Denkmalpflegeamt in Mainz zu kontaktieren und nachzufragen, ob denn die Kirche schützenswert als Denkmal sein. Momentan wird dies geprüft, ein Bericht wird im ersten Quartal 2020 erwartet.

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Über Justus Dahinden (* 18. Mai 1925 in Zürich)

ist ein Schweizer Architekt, emeritierter Professor der Technischen Universität Wien und einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsarchitektur in der Schweiz. Neben gesellschaftsrelevanten Projekten erforscht Justus Dahinden theoretische Grundlagen aufbauend auf gestaltpsychologischen und philosophischen Erwägungen, verschiedenen Grundbegriffen wie dem „Gesetz der Drei“ (Synthese von Struktur, Gestalt und Geist), der Idee des „Kontextualismus in der Architektur“ (Einheit zwischen Bauwelt, Natur und Mensch) oder der „Philosophie der Schräge“. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, Forschungsarbeiten und Aufsätze über Architekturtheorie und Technologie; mitunter 1966 das Buch Bauen für die Kirche in der Welt. (Quelle: Wikipedia)

Eine emotionale Wirksamkeit der Architektur, verbunden mit Symbolhaftigkeit und Regionalität rückt gerade bei seinen Kirchen in den Mittelpunkt. Zu seinem Formenspiel gehören schräge Wände, dem Alltag entrückte Raumfolgen, expressive Übersteigerung der Form, Lichtführung, Verwendung von Symbolik und archetypische Formen. (Quelle: archINFORM)

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Im Anschluss nahm Pfarrer Feuerstein zur finanziellen Situation von St. Paulus und den übrigen Kirchorten Ingelheims Stellung. Neben den Schulden der Pfarrei (hierzu gehören St. Michael in Frei-Weinheim, das Pfarrheim St. Nikolaus, St. Paulus samt Gemeindezentrum) in Höhe von mindestens 128.000 Euro bereiten insbesondere anstehende Investitionen verstärkt Bauchschmerzen wie etwa die Orgelreinigung, der Bodenbelag, das Flachdach, die Fenster etc.

 

Des Weiteren ist im Hinterkopf zu behalten, erinnerten die Gemeindeberater, dass die Einnahmen aus Steuermitteln bis 2030 um etwa 30 Prozent zurückgehen werden – so dass die Frage „Wie können wir uns finanzieren?“ weiter in den Mittelpunkt rückt – und zwar nicht nur für St. Paulus, auch die anderen Kirchorte werden damit konfrontiert sein.

 

Im Folgenden wurden vier Themenbereiche benannt, die nun an vier Stellen zum Ideensammeln einluden: Lebendige Kirche / Aktivitäten des Fördervereins von St. Michael FW und St. Paulus / Die positiven Seiten von St. Paulus / Alternative Nutzung des Kirchraumes. Dabei bestand dreimal die Möglichkeit, sich jeweils zwölf Minuten lang sich mit einem Thema zu beschäftigen.

 

Rege, engagierte und positive Stimmung machte sich in der Kirche breit. Viele hatten sich schon einiges überlegt, anderes kam im Brainstorming ans Licht. Die gesammelten Ideen wurden anschließend den Anwesenden vorgestellt: Lesungen, Ausstellungen, Künstler-Kirche, Kino-Kirche, katholisches Kulturzentrum, Stadtteilgarten, Solaranlage, Schulgottesdienste, Probenräume vermieten, Kirche für Tonaufnahmen anbieten. Oder wäre bei einer Umnutzung ein neues Zuhause für eine ganzjährige MiMa (Mitmachausstellung) gefunden?

 

Durch die besondere bauliche Gestaltung sollte die Kirche doch ideal sein für zeitgemäße, moderne Liturgie. Man könne das Gottesdienstangebot erweitern – Themengottesdienste, Meditation, Exerzitien. Die Profilbildung als moderner Kirchort könnte ein Ziel sein.

 

Der Förderverein will eine Spendenaktion für die anstehende Orgelreinigung initiieren, die Öffentlichkeitsarbeit verstärken, Benefizveranstaltungen etwa mit mehreren Chören oder u.a. einen Flohmarkt, Adventsfeier, Kindersachenbasar veranstalten.

 

Das Schlusswort war – Ideen sind gut, aber wer wird sie umsetzen? So galt die Aufforderung der Gemeindeberater an die Anwesenden: „Warten Sie nicht, fangen Sie gleich an!“

 

In diesem Sinne: Wer hier mitgestalten will, möge sich bitte beim Ortsausschuss (Fr. Götz, Hr. Prof. Epe, Hr. Diehl) melden!