Schmuckband Kreuzgang

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, kfd

Zur Geschichte der kfd - damals & heute

„Frauen. Macht. Kirche“ - Wiederaufnahme der Diskussion um Dienste und Ämter von Frauen in der Kirche (2015) (c) kfd/Kay Herschelmann
„Frauen. Macht. Kirche“ - Wiederaufnahme der Diskussion um Dienste und Ämter von Frauen in der Kirche (2015)
Sa 1. Feb 2020
Rita Eppelsheimer & Gertrud Wellner

Die Abkürzung mag den Ingelheimer Katholikinnen ja schon einmal begegnet sein, aber was kfd eigentlich bedeutet und was sich dahinter verbirgt, ist für viele ziemlich nebulös. In unserer Stadt gibt es noch keine kfd-Gruppe. Allerdings ist das seit Juli 2019 auch nicht mehr ganz korrekt, denn von diesem Zeitpunkt an gehören Wackernheim und Heidesheim zu Ingelheim und in unseren beiden neue Stadtteilen ist die „kfd“ schon seit über 50 Jahren eine starke Frauenvereinigung. Zu dieser kfd gehören zur Zeit 100 katholische Frauen. Diese Zahl lässt sich noch toppen, wenn die Ingelheimer hinzukämen. Eine Fördermitgliedschaft steht aber auch Männern offen. Aktuell hat die kfd 450.000 Mitglieder; im Diözesanverband Mainz 1.900.

Die Entwicklung der kfd

1928 wird der Zentralverband der katholischen Müttervereine gegründet. So konnte die kfd 2018 ihr 90-jähriges Bestehen feiern. Durch den 1. Weltkrieg hatte sich das Leben der Frauen verändert. Sie treten selbstbewusster auf. Haben sie doch schon während des Krieges die Arbeit der Männer mit übernommen. Äußert schwierig gestaltet sich die Arbeit der kfd in der Zeit des Nationalsozialismus.1933 wird in Rom feierlich der Konkordats-Vertrag zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich unterzeichnet, der den katholischen Einrichtungen Schutz gewähren soll. Aber schon ein Jahr danach kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Hitlerjugend. Die Gestapo verhaftet Priester, bespitzelt Kirchengemeinden und katholische Organisationen und behindert Publikationsorgane. 1939 lösen die Nationalsozialisten den Verband auf, Haus und Vermögen werden beschlagnahmt. Trotz alledem wird die Arbeit der kfd heimlich weitergeführt: Andachte, Versammlungen, Vorträge, Arbeitskreise, Exerzitien und Einkehrtage finden weiter statt.

 

Nach Kriegsende 1945

1946 finden sich die katholischen Frauenorganisationen in der „Arbeitsgemeinschaft der katholischen deutschen Frauen“ zusammen. Erst 1951 wird der „Zentralverband der Frauen – und Müttergemeinschaften“ wieder gegründet. Mit fast einer Million Mitgliedern in elf Diozesanverbänden ist er der größte Frauenverband der Bundesrepublik. Das Grundgesetz der Bundesrepublik lautet: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Von der Umsetzung dieses Gesetzes ist man aber zu diesem Zeitpunkt noch meilenweit entfernt. Die Öffnung zur Ökumene ist ein weiterer bedeutender Schritt. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil sind Frauen als Beobachterinnen, aber nicht als Rednerinnen, zugelassen. Der Zentralverband informiert in der Zeitschrift „Frau und Mutter“ seine Mitglieder ausführlich über das Konzil.

 

Ein neuer Name und eine neue Satzung

Aktuelles Logo der kfd (c) kfd
Aktuelles Logo der kfd

1968 ist ein wichtiges verbandsinternes Jahr. Ein neuer Name „kfd“, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands. Mit der Namensänderung tritt auch eine neue Satzung in Kraft. Die kfd ist eine der wichtigen Trägerorganisationen der Familienbildungsstätten, die für alle offen sind, auch für Männer und sie sind ökumenisch ausgerichtet. 1978, zum 50-jährigen Bestehen, verabschiedet die kfd ein Arbeitsprogramm unter dem Motto „Auf dem Weg in die Zukunft“. Die gesetzliche Anerkennung der Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Möglichkeit auch für Frauen als Berufstätige unabhängig zu leben und zu entscheiden, haben das Selbstbewusstsein von Frauen gefördert. In Gesellschaft und Kirche haben sich mehr Frauen als Männer auf einen Veränderungsprozess eingelassen. Die kfd versucht in Familie, Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und in der Kirche das Umdenken über Stellung und Aufgaben der Frau voranzutreiben.

 

Kfd in den neuen Bundesländern

Die Einheit Deutschlands ab 1990 ist auch für die kfd ein historisches Datum. In den neuen Bundesländern entstehen fünf neue kfd-Gruppen: die Diözesanverbände: Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg, die sich zum kfd-Netzwerk Ost zusammenschließen. Hier stoßen etwa 900 Mitglieder dazu.Eine grundlegende Neuorientierung im Verständnis und in der Verteilung von Ämtern, Macht und Verantwortung in der Kirche werden gefordert.Das Thema Gewalt gegen Frauen wird verstärkt aufgegriffen. Auch Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit werden zum Anliegen der kfd-Frauen sowie eigenständige Existenz- und Alterssicherungen, Beschäftigungsverhältnisse, Verdienstgleichheit und Karrierechancen stehen auf der Agenda der kfd.

 

Leitlinien 1999

Die kfd richtet in den Leitlinien erstmals den Fokus auf die Vielfältigkeit von Frauenleben.. Sie benennt die Verletzungen und Diskreditierungen, die viele Frauen durch den Ausschluss von Weiheämtern aufgrund ihres Geschlechts erfahren. Frauenordination ist der Prüfstein, an dem sie die Glaubwürdigkeit der Kirche messen. Frauen soll der Zugang zu allen kirchlichen Ämtern offenstehen. Dazu müssen Voraussetzungen geschaffen werden. Von einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen kann keine Rede sein.

Im Schlusswort heißt es:

„In der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands vertrauen wir auf die Zusage Gottes, dass wir bevollmächtigt sind, Zukunft in Gerechtigkeit zu gestalten. In der Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen für Frauen in Kirche und Gesellschaft werden wir auch in Zukunft aufmerksam die Wirklichkeit wahrnehmen, kritisch Position beziehen, an der Schaffung neuer Lebensbedingungen mit arbeiten. Der Dialog über die Beteiligung von Frauen an den Diensten und Ämtern in der Kirche wird im Wissen um die lehramtlichen Äußerungen und im Respekt vor dem eigenen Gewissen offen gehalten und fortgeführt.“

 

Die Erfolge der kfd - ein Auszug

  • 1992 Anerkennung von drei Jahren Erziehungszeit in der Rente

  • 1994 Mädchen werden als Ministrantinnen zugelassen

  • 1995 Pflegeversicherung mit Rentenanwartschaft für pflegende Angehörige

  • 1997 Gründung des Netzwerks Diakonat der Frau

  • 1997 Vergewaltigung in der Ehe wird strafbar

  • 2001 Erstes Bundeserziehungsgeldgesetz

  • 2007 Mütterkuren werden Pflichtleistungen der Krankenkassen

  • 2014 Angleichung der Rentenanwartschaft für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden

  • 2015 „Frauen. Macht. Kirche“. Wiederaufnahme der Diskussion um Dienste und Ämter von Frauen in der Kirche

  • 2016 „Nein heißt nein“ – Bundestag beschließt Änderung des Sexualstrafrechts

  • 2017 Zulassung Geschieden-Wiederverheirateter zu den Sakramenten wird im Einzellfall möglich

 

 

Aktuelle Themen der kfd u.a.

  • Synodaler Weg- Gebet und Lichteraktion zur ersten Synodalversammlung

  • Petition „Frauen in Weiheämter“

  • Debatte um Organspende

  • Für ein Leben in Balance: Katholische Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung

  • Ökumene bewegt Frauen-Frauen bewegen Ökumene (seit 1970 ist die kfd Mitglied im Komitee des Weltgebetstages)

Weitere Informationen zur kfd- Gruppe erhält man direkt bei Frau Giese-Eichhorn (1. Vorsitzende der kfd Heidesheim >>). E-Mail: sabine.giese-eichhorn@gmx.de

 

Quellen: