Schmuckband Rad

„Und die Fassenacht ist heilig“

Peter Krawietz sprach auf Einladung des Fördervereins St. Remigius über „Die politisch, literarische Mainzer Fassenacht im Spiegel der Zeit“

Seit 1927 sind die Schwellköpp in der Mainzer Fastnacht dabei. (c) Landeshauptstadt Mainz
Seit 1927 sind die Schwellköpp in der Mainzer Fastnacht dabei.
Di 28. Jan 2020
Doris Neumann

Rechtzeitig vor der Kampagne 2020 lud der Förderverein St. Remigius am 25. Oktober 2019 zu einem Vortrag von Peter Krawietz, Ehrenvorstandsmitglied der „Eiskalten Brüder Gonsenheim“, Ehrenpräsident der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval und ehemaliger Mainzer Kulturdezernent, ein. Sein Thema: „Die politisch, literarische Mainzer Fassenacht im Spiegel der Zeit“

Musikalisch begleitet wurde der Abend von den Vereinigten Bläserchöre Ingelheim und der „Doof Musik“, die mit Narrhalla-Marsch und im schwarzen Ornat einmarschierten. Etwa 100 gut gelaunte, fassnachts-affine Personen empfingen die Abordnung mit frenetischem Applaus.

Zur Einleitung sprach Monika Monnerjahn einige Worte und bemerkte treffend: „So bin ich noch nie empfangen worden, außerhalb der Kampagne“.
Der Vortragende begann zunächst mit einer allgemeinen Erklärung der Fastnacht. Das Wort „Fastnacht“ leitet sich von Nacht vor dem Fasten ab und ist ein christliches Fest.
Am 11.11. startet die Fastnacht mit der Generalversammlung. In Mainz versammeln sich zu diesem Ereignis alljährlich einige Tausende von verkleideten „Narren“ auf dem Schillerplatz, um dies zu feiern. Am 01.01. beginnt dann mit dem „Gardemarsch“ der Mainzer Garden die offizielle Kampagne.
Erste Zeugnisse der Fastnacht findet man schon im 11. Jahrhundert. Schon die alten Römer feierten das Fest Carne levare, woraus Carnelevare, also Carnevale entstand, mit Essen, Trinken, Singen und Tanzen und Verkleiden.
Im Mittelalter (500 – 1500 n. Chr.) gab es dann Rollenspiele und Prügelrecht. Überliefert ist ein Ausspruch von Erasmus v. Rotterdam (1469): „Wenn ein Narr oder Hanswurst die Wahrheit sagt, ist das angenehm und angemessen, sagt ein Bürger die Wahrheit, kann es ihn den Kopf kosten“.
Während der Zeit der Aufklärung (1750-1780) ändert sich das Bild der Fastnacht. Durch die Bildung und Kritikfähigkeit der Bevölkerung entsteht ein neues Spiegelbild der Gesellschaft und schlägt sich auch in der Fastnacht nieder.
Während der sogenannten „Franzosenzeit“ unter Napoleon (1794-1814) untersagten die Besatzer diese Volksbelustigung. Die Franzosen betrachteten die „Jecken“ als übel gesinnte, die alle Farben annehmen, alle Gelegenheiten ergreifen, um die öffentliche Ruhe und Ordnung zu stören. Nach dem übereilten Aufbruch der Truppen blieben etliche Helme, Uniformen usw. zurück. Jahre später dienten diese Uniformen als Vorlage „zur Deckung des Maskenzuges“. Durch die Nutzung der französischen Uniformen rächte man sich im Nachhinein für die französische Besatzung.
Im Jahre 1823 wird das Bürgertum neu geordnet. Es findet ein ersten „Rosen-Zug“ statt. In dieser Zeit werden auch erste Sitzungen veranstaltet, die ausschließlich von Männern besucht werden durften. Natürlich wurden dann vorwiegend die Frauen veräppelt. Das Präsidium trug schon Uniformen und Ordensimitate, z. B. aus Papier, Pappe oder Naturmaterialien. Es herrschte eine wahre Ordenssucht, besonders in Preußen. Im Jahre 1837 fand in Mainz der erste organisierte Fastnachts-Umzug statt und 1840 entwickelte sich die politisch, literarische Fastnacht. Die Redner standen in der „Bütt“ auf der närrischen Rostra. Man übte Kritik, auch in Form von Parabeln, Bildern und Liedern an der Obrigkeit.
Während der Weimarer Republik war die Not zu groß, man hatte keine Mittel, was die Fastnacht prägte.  Mit Beginn des Nationalsozialismus folgte das dunkelste Kapitel der Fastnacht. Die Festlichkeiten waren zwar keine instrumentalisierten Propagandafeste der Nationalsozialisten, aber sie waren stark von deren Ideologie geprägt.
In der Nachkriegszeit fand eine Aufarbeitung der nationalsozialistischen Fastnacht an der Akademie des Bistums Mainz im Erbacher Hof statt. Es erschien eine Festschrift der Mainzer Ranzengarde. Unter französischer Besatzung (1945) erlaubte man sich wieder das Lachen.
Seppel Glückert (populärster Mainzer Fastnachter zur damaligen Zeit) prägte den Ausspruch:

„Und wer behauptet, es wär zu früh, des is keen Meenzer, war`s auch nie. […]

Die Kalorien im Verbrauch, kein Unterschied sie mache,

ob Du vor Kohldampf hältst den Bauch, ob Du ihn hältst vor Lache“.

Zum Abschluss gab Peter Krawietz noch Eigenes aus der letzten Kampagne zum Besten.
Das Publikum war in bester närrischer Stimmung und man sang gemeinsam das St. Remigius-Lied:

„Wir alle wir leben im Schatten des Turms,
St. Remigius singt mit uns ein Halleluja.
Die bunten Fastnachtfahnen wehen hoch in den Wind.
Schön, dass wir wieder hier zusammen sind“.