Schmuckband Kreuzgang

OEWK – MERK-WÜRDIGES und AN-STÖSSIGES (29)

Osterspaziergang

Osterspaziergang (c) Gertrud Aulbach
Osterspaziergang
Datum:
Fr. 22. März 2024
Von:
Für das Team des Ökumenischen Eine-Welt-Kreises: Gertrud Aulbach

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

und werden dank menschlicher Schwäche

es auch in künftigen Wintern sein.

Dies lässt uns nicht ohne Pein.

So wandelte ein junger Faustfreund die Anfangszeilen des Osterspaziergangs aus Goethes Faust ab.

Im Zuge der Erderwärmung erleben wir auch eine Wasserkrise. Z.B. schmelzen Gletscher in den Alpen, was dort bei Zunahme trockener Sommer zu Wassermangel und Dürre führen wird. Der letzte Winter hat zwar die Grundwasserspeicher aufgefüllt und dem Wald eine Verschnaufpause verschafft, passt aber zu den Prognosen, dass die Winter wärmer und sehr viel feuchter werden und sich Regenperioden mit Fluten und lange Dürren abwechseln werden.

Achso – das wird wieder so eine Botschaft: Planet und Mitweld leiden, mein Konsum ist schuld. Deshalb muss ich mein Verhalten ändern, auf alles Mögliche verzichten. Und wo Verzicht keine Option ist, muss ich fair oder bio oder regional konsumieren …

Da das alles bekannt ist, konzentriere ich mich heute auf das letzte Wort des obigen Vierzeilers: Pein. Aller Aktionismus, aller Drang nach Verhaltensänderung ist wichtig, aber oft nur eine persönliche Strategie, Krisen zu verdrängen und das Denken abzuschalten.

Deshalb finde ich es wichtig, innezuhalten und zu schauen, was wir schon verloren haben: z.B. die schneesicheren und allergiefreien Winter in meiner nordhessischen Heimat und im Mittelgebirge. Aber auch Vogelgezwitscher und Insektenschwärme sind weniger geworden, vertraute Landschaften sind von Zersiedlung durchbrochen, auf ehemals sattgrün bewaldeten Bergkuppeln stehen kahle graubraune Stecken auf trockenem Boden. Da empfinde ich Trauer und Pein. Aber ich spüre auch Dankbarkeit, wenn ich sehe, wie wunderschön unsere Natur in der Wetterau immer noch ist. Und diese Mischung aus Trauer um Verlorenes und Dankbarkeit für die gegenwärtigen Schönheiten lassen bei aller Sorge auch Neugierde aufkommen, wie es weitergehen mag. Und ein Gefühl von Hoffnung wächst, dass zwar vieles anders wird, aber vielleicht auch gute Dinge dabei sein werden.

Dieses Gefühl von Hoffnung weckt in mir übrigens große Lust auf Aufbruch und Handeln.