Ob Laurentius traurig war?

DSC07789 (c) Friedel Jouaux
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Datum:
Do 13. Aug 2020
Von:
Wilfried Kasig

Hätte er einen Grund? 

Warum gerade an diesem Wochenende?

Alljährlich pilgern zu seinem Fest im August viele Gläubige in einer Prozession singend und betend hinauf auf den Laurenziberg. Der Kerbejahrgang trägt die mit frühen Trauben geschmückte Laurentiusfigur zur Wallfahrtskirche. Sobald der Anfang der Prozession auf dem Berg angekommen ist, wird zu Ehren des heiligen Märtyrers das Lied „Wir preisen Laurentius herrliche Taten“ gesungen. Die Pferde und andere Tiere empfangen ihren Segen. Anschließend wird am Außenaltar der Festgottesdienst mit Musik und Gesang gefeiert. Ein „Prost“ nach dem Festamt und eine leckere „Brotworscht“ sind ein nicht zu verachtendes Ziel eines jeden Wallfahrers.

In diesem Jahr musste das alles aus den bekannten Gründen ausfallen. Sicherlich hat es nicht nur Laurentius geschmerzt, sondern auch die vielen Wallfahrer, die jedes Jahr den Weg zum Laurenziberg und die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten suchen. Natürlich haben die Gläubigen ihren Laurentius nicht vergessen, denn ihm zu Ehren feierten sie ein festliches Hochamt in der Pfarrkirche.

Am Montag, dem 10. August, dem Gedenktag von Laurentius, lockten hochsommerliche, schweißtreibende Temperaturen viele Gläubige zur Laurenzikirche. Sie beachteten die Hygieneregeln im Freien, nahmen auf ihren mitgebrachten Sitzgelegenheiten Platz und feierten mit Pfarrer Henning Priesel und Diakon Stefan Faust die Eucharistiefeier. Vom Außenaltar schaute von einem Sockel die Laurentiusfigur auf die Gläubigen. Auf dem Altar stand die Reliquienmonstranz mit einem großen Knochensplitter aus dem Grab des hl. Laurentius, ein Geschenk von Rom aus dem 18. Jahrhundert.

Nach dem Vorbild des Diakons Laurentius sollen wir als gläubige Christen mit Mut und Begeisterung Jesus Christus verkünden und somit lebendige Zeugen des Glaubens in Kirche und Welt sein. Weiter betonte Pfarrer Priesel in seiner Ansprache, dass wir Menschen solche Zeichen brauchen, Männer und Frauen, die mutig und entschieden, oft auch unter Missachtung und Anfeindung, Gottes Botschaft verkünden und sich für die Armen und Entrechteten einsetzen. Wie Laurentius sollen wir unsere Stimme erheben, mittun, mithandeln, füreinander einstehen und unser Lebenszeichen geben, wie das die Heiligen in ihrem Leben erkannt haben. Auf ihre Fürsprache vertrauend dürfen wir heute glauben.

Dieser Gottesdienst bekam auch noch eine weitere Intention. Man gedachte des an diesem Nachmittag zu Grabe getragenen Malers Alfons Joachim, der 35 Jahre als zuverlässiger Mitarbeiter bei Josef Hellmeister arbeitete. Alfons Joachim, ein langjähriger, überaus engagierter Sänger, gehörte zu den Aktiven der Chorgemeinschaft Cäcilia/Sängerlust, die 1989 bei der ersten und 2012 bei der zweiten Außenrenovierung der Laurenzikirche sowie bei der Innenrenovierung 2015 tausende Arbeitsstunden ehrenamtlich verrichteten. Eine Tafel am Eingang der Kirche erinnert an diesen Einsatz.

War Laurentius an seinem Fest traurig? Bestimmt hätte er sich gefreut, wenn möglichst viele Gläubige sein Fest mit ihm auf dem Berg gefeiert hätten. Bestimmt hat er aber auch wegen der Auflagen und der schweißtreibenden, kreislaufbelastenden äußeren Umstände gerade für die Risikopersonen Verständnis, dass dies in 2020 nicht anders möglich war. Können/dürfen wir das Laurentiusfest 2021 wieder in gewohntem Rahmen feiern?

Rainer Reitz, 12.08.2020