Laurenziwallfahrt zum Laurenziberg bei Gau-Algesheim 

Der Laurenziberg zählt neben dem Jakobsberg und dem Rochusberg zu den „drei heiligen Bergen im Binger Land"

Jeweils an dem Sonntag, der dem Gedenktag des hl. Laurentius, dem 10. August am nächsten liegt, zieht um 7.45 Uhr von der Gau-Algesheimer Pfarrkirche St. Cosmas und Damian die Prozession zur St. Laurenzikirche auf den Laurenziberg.

Hierbei wird die aus dem Jahr 1763 stammende barocke Laurentiusfigur, geschmückt mit Blumen und frühen Trauben von jungen Frauen und Männern des jeweiligen Kerbejahrgangs und die Laurentiusfahne von 1863 mit getragen. Auf ihrem Weg von der Pfarrkirche zum Berg schließen sich der Prozession viele Gläubige an, die betend und singend von der Kath. Kirchenmusik begleitet, nach etwa 1¼ Stunden die ca. 3 km entfernte St. Laurenzikirche auf dem Berg erreicht. Kurz vor den ersten Häusern des Weilers Laurenziberg wird das alte, barocke Laurentiuslied angestimmt. Auf dem Berg erwarten Wallfahrer aus den umliegenden Orten, aus dem Rheingau, von der Nahe und dem Hunsrück die Ankunft der Prozession.

In dem zum Pfarrverband Gau-Algesheim gehörenden Kirchengemeinden finden an diesem Sonntagvormittag keine Gottesdienste statt. Jahrhunderte alter Tradition folgend sind viele Reiter mit ihren Pferden gekommen, aber auch Haustiere aller Art werden gebracht, um vor dem Festamt vor der Kirche den Segen zu empfangen, der von den Geistlichen mit in Weihwasser getauchten Palmzweigen erteilt wird. Früher kamen die Bauern aus der Umgebung mit ihren Pferdefuhrwerken zum Berg, um ihre treuen Helfer bei der schweren Feldarbeit segnen zu lassen. Heute sind es überwiegend Reitervereine, die ihre Pferde zur Segnung bringen. Der Brauch geht wahrscheinlich auf vorchristlich-keltische Zeit zurück und erlebte nach einer Tierseuche im 17. Jahrhundert eine Renaissance. Die Wallfahrt selbst am Gedenktag des hl. Laurentius geht auf die Zeit zurück, als die St. Laurenzikirche Zentralkirche der umliegenden Orte gewesen ist. Letztmalig 1488 erteilte der Mainzer Erzbischof Bertold von Henneberg den Klerikern und Gläubigen der ehemaligen Filialorte die Erlaubnis zur jährlichen Wallfahrt zur Kirche des hl. Laurentius unter Mitführung des Allerheiligsten. Gleichzeitig erteilte er denen einen Ablass von 40 Tagen, die reumütig ihre Sünden gebeichtet und die Kirche des hl. Laurentius besucht haben. Nach der Reformation beschränkte sich diese Prozession auf die drei kurmainzischen Orte Gau-Algesheim, Ockenheim und Dromersheim. Eine Besonderheit war der gleichzeitig erteilte sakramentale Segen der drei Pfarrer mit den mitgeführten Monstranzen.

Der hl. Laurentius wird seit alters her als besonderer Schutzpatron des Laurenziberges und seiner Umgebung verehrt. Zusammen mit dem hl. Rochus und dem hl. Sebastian wurde er als einer der drei „Pestheiligen" angerufen, nachdem 1666 weit über die Hälfte der Menschen in Gau-Algesheim und den umliegenden Dörfern der Pest zum Opfer gefallen waren. Ein heute noch vorhandener, 1666 von Johannes Kraus gestifteter Kelch mit Widmung, erinnert an das schreckliche Pestjahr und das Gelöbnis zur Wallfahrt. Er wird am Festtag zur Feier der Eucharistie benutzt. Heute zieht nur noch eine Prozession von Gau-Algesheim aus zum Berg ohne das Allerheiligste. Mitgetragen wird ein Reliquiar, welches 1739 der St. Laurenzikirche aus Rom geschenkt wurde. Die heutige St. Laurenzikirche wurde in den Jahren 1707 bis 1717 auf den Grundmauern der im 30jährigen Krieg niedergebrannten, ehemaligen Zentralkirche erbaut, aber erst am 14. September 1730 durch den Mainzer Weihbischof Caspar Adolph Schernauer geweiht. Im Jahr 1905/06 wurde sie umfassend umgebaut. 1978 erfolgte eine Innenrenovierung und 1989 wurde in einer einmaligen Gemeinschaftsaktion das Äußere der Kirche von der Chorgemeinschaft Cäcilia/Sängerlust neu verputzt und gestrichen. Sie ist es auch, die am 1. Mai, dem „Fest Josef der Arbeiter" die „Wallfahrtssaison" auf dem Laurenziberg eröffnet, den Festgottesdienst musikalisch gestaltet und anschließend die Gottesdienstbesucher bewirtet. Am Laurenzifest kommen gern Gastprediger zur festlichen Eucharistiefeier, die sie gemeinsam mit Missionsbenediktinern vom benachbarten Kloster Jakobsberg und dem Gau-Algesheimer Pfarrer in Konzelebration feiern.

Im Anschluss an das Festamt bewirten die Gau-Algesheimer Frauengemeinschaft und die Freiwillige Feuerwehr Appenheim die Wallfahrer. Die Binger Malteser übernehmen den Sanitätsdienst. Den Abschluss am frühen Nachmittag bildet die feierliche Vesper. In die Festwoche fällt das Hochfest Maria Himmelfahrt.
Auch an diesem Tag feiert die Pfarrgemeinde St. Cosmas und Damian das Festamt mit Kräuterweihe in der St. Laurenzikirche. Fällt dieser Feiertag allerdings auf einen Sonntag oder den vorangehenden Samstag, wird die Eucharistiefeier mit der Kräuterweihe in der Pfarrkirche gehalten.

In der St. Laurenzikirche ist seit 1986 eine viel beachtete Gedenkstätte der Verfolgungszeit 1933-1945 für die Märtyrer in der Diözese Mainz eingerichtet.

Manfred Wantzen

Bitte bearbeiten Sie diesen Inhalts-Abschnitt.