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Katholikentag 2026 in Würzburg

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Individuelle Eindrücke eines Teilnehmers

Der 104. Katholikentag ist zu Ende und es bleiben ganz unterschiedliche Eindrücke, die noch nachklingen. Zunächst die Atmosphäre in dieser Stadt voller historischer Bauten. Die Begegnung mit den vielen Teilnehmer*innen war eindrücklich, man hatte das Gefühl die ganze Stadt ist Katholikentag. Überall begegnete man Menschen mit den gelben Halstüchern, in der Straßenbahn wurde man freundlich angesprochen, Erfahrungen wurden ganz spontan ausgetauscht.

Es gab eine Vielzahl von Angeboten, man musste aussuchen und bekam nur einen Bruchteil davon mit. Aber die besuchten Veranstaltungen waren anregend, interessant und alle gut besucht. Da gab es auf der „Kirchenmeile“ am Stand von „WirsindKirche“ einen lohnenden Beitrag der Theologin Dr. Annette Jantzen zum Thema „Die ignorierten Frauen der Bibel - Was im Gottesdienst nicht gelesen wird“. Sie machte deutlich, dass in der Bibel sehr viele einflussreiche Frauen genannt werden, die aber in der Leseordnung nicht vorkommen und zwar offensichtlich nicht zufällig und sozusagen „aus Versehen“. Mitgenommen habe ich unter anderem, dass es eigentlich „Katholik*innentag“ heißen müsste. Die Thematik der in der Leseordnung „vergessenen“ Frauen griff dann auch im großen Abschlussgottesdienst die Direktorin des Kath. Bibelwerks (Stuttgart) Dr. Katrin Brockmöller auf. In ihrer Hinführung und Auslegung zur Tageslesung aus der Apostelgeschichte (Apg 1,12-14) machte sie deutlich, dass in diesem Text die männlichen Apostel ausführlich mit Namen genannt werden, die Frauen aber nur in Vers 14 erwähnt werden „zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu“. Frau Brockmöller nannte dann eine Vielfalt von Frauen der Bibel mit Namen, die aber nie in der Leseordnung auftauchen.

Unter dem Stichwort „Biblische Dialoge“ trafen sich interessante Gesprächspartner. So beschäftigten sich Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, und Christian Stückl, Spielleiter und Regisseur der Oberammergauer Passionsfestspiele, mit der Bibelstelle „Die Heilung des Blinden bei Jericho (Mk 10,46-52)“. Sie bewunderten den Mut des Blinden, der sich gegen seine Umgebung durchsetzte, die ihn zum Schweigen bringen wollte, und die empathische Aufmerksamkeit Jesu, der die Not des Blinden wahrnahm. Beides wichtige Eigenschaften, um Positives zu erreichen. Darin liegt auch das eigentliche Wunder.

Eine andere Thematik war die Weltlage mit ihren kriegerischen Gefahren. Unter der Überschrift „Wenn es nur so einfach wäre…“, wobei dieser Titel sich wohl auf die Friedensarbeit bezog. Am Ende fragte man sich, ob nicht vielleicht auch die Podiumsteilnehmer es sich mit ihrer Sicht „zu einfach“ machen (Impuls: Prof. Dr. Gerlinde Groitl, Politikwissenschaftlerin, München, Podium: Ruprecht Polenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, Münster, Prof. Dr. Gwendolyn Sasse, Wissenschaftliche Direktorin des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien, Berlin und Christian Schmidt, Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, Sarajewo/Bosnien-Herzegowina). Aus ihrer Sicht gab es nur die Möglichkeit, sich auf den Ernstfall vorzubereiten und sich – wie es der Verteidigungsminister Pistorius ausgedrückt hat - „kriegstüchtig“ zu werden. Dabei fehlte der Gegenpol aus christlicher Sicht, eine Vision, wie Frieden durch Dialog und Verständigung gesichert werden kann.

Diesen ernsten Themen gegenüber standen zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und Kabarett. So boten das Duo Camillo aus Oberursel unter dem Titel „Das Leben ist kein Ponyschlecken“ einen kurzweiligen Abend, nicht ohne mit feinen Pointen den Finger in manche Wunde zu legen und dem Publikum den Spiegel vorzuhalten. Das Duo besteht aus einem (ehemaligen) evangelischen Pfarrer (Fabian Vogt) und einem „Teilzeit“-Geschäftsführer (Martin Schultheiß), beide heute zumeist freiberuflich als Musiker, Schriftsteller und Chorleiter unterwegs.

Ja, es gab eine Vielzahl an religiösen und spirituellen Angeboten, natürlich auch verschiedene Gottesdienste. Erwähnt sei hier noch einmal der Abschlussgottesdienst, der mit vielen mitsingbaren Liedern und guten, knappgefassten Texten das Motto des Katholikentages aufgriff: Hab Mut – steh auf!

Bruno Bellinger