„Hier stehe ich, ich kann nicht anders…“

Keine Vollmacht zu segnen?

presseamt (c) Presseamt Vatikan
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Datum:
Mi. 17. März 2021
Von:
AK-Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Luís F. Kard. Ladaria SJ, hat am 21.02.2021 die Frage, ob die Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts von der katholischen Kirche gesegnet werden dür­fen, mit nein beantwortet. Die Entscheidung und Begründung ist laut Veröffentlichung mit dem Papst abgestimmt.

Papst Franziskus hat in seiner Amtszeit mehrfach zu diesem Themenbereich Stellung bezogen. Seine Aussagen waren teils differenzierter als historische Betrachtungen und ließen die Hoffnung entste­hen, dass etwas in Bewegung ist. Umso mehr sind viele Gläubige jetzt enttäuscht.

Aus welcher Sicht wir auf dieses Problem der katholischen Kirche auch blicken. Es schreibt fest, dass Menschen, Gottes geliebte Kinder, von den Nachfolgern Christi in Kategorien eingeordnet werden.

Der Propst am Dom zu Worms, Tobias Schäfer, hat dazu eine Video-Botschaft veröffentlicht und deut­lich Stellung bezogen. Wir möchten Ihnen diese ans Herz legen und Sie bitten, in Ihre Überlegungen mit einzubeziehen.

Videobotschaft von Propst Tobias Schäfer (Worms) Keine Vollmacht zu segnen?

Hier der Text der Videobotschaft von Tobias Schäfer, Propst am Dom zu Worms

Keine Vollmacht, Schwule zu segnen?
Mein Statement...

Keine Vollmacht zu segnen?


Die Kirche habe nicht die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschle
chts zu segnen. Es sei "nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Man­nes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbin­dungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist" – sagt die römische Glaubenskongregation in einer Stellungnahme vom 15. März.

Ich glaub’s ja nicht… im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Stellungnahme aus Rom macht mich fas­sungslos. Wenn die Kirche keine Vollmacht hat zu segnen, wo immer Menschen sich nach Segen seh­nen: hat sie da nicht ihre ureigenste Aufgabe aufgegeben? Segen ist doch kein Instrument für morali­sches Urteil! Sondern die Zusage, dass Gott da ist, das er mit uns geht. In guten wie in schweren Stun­den. Was für eine Hybris zu glauben, wir müssten Gott vor mutmaßlich sündigen Situationen schüt­zen; wir müssten den Segen Gottes schützen, dass ja er nicht die „Falschen“ erreicht. Den Gott, der Mensch geworden ist, und sich in diese sündige Welt hineinbegeben hat, zu unserem Segen.

Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein!“ (Gen 12,2) Wo die Kirche glaubt, sich zur Wächte­rin über den Segen Gottes machen zu müssen, ist sie kein Segen mehr für die Welt.

Und ehrlich: müssten wir als Kirche, die Priester, die Bischöfe nicht die ersten sein, die heil froh sind, dass Gott auch die Sünder segnet? Sonst wäre wahrlich wenig Hoffnung für eine Kirche, deren sün­dige Seiten gerade in dieser Zeit so offenbar geworden sind.

Und, damit kein Missverständnis ist: Ich glaube nicht, das Schwule, Lesben, Transgender sündige Men­schen sind. Sie sind von Gott geliebt wie jeder liebende Mensch. Und stehen unter Gottes Segen.

Ich habe als Priester meinem Bischof – und damit der Kirche, nein noch viel mehr: Christus Ehrfurcht und Gehorsam geschworen. Und dazu stehe ich mit ganzer Überzeugung. Und doch gibt es gerade um diesen Gehorsam willen auch einen Punkt, wo ich sagen muss: Den Segen Gottes zu spenden, wer immer ihn braucht, erbittet und ersehnt: das kann und werde ich niemandem verweigern.
„Hier stehe ich, ich kann nicht anders…“

Tobias Schäfer
Propst am Dom zu Worms

P.S. Die Original Übersetzung des Präfekten der Glaubenskonkregation finden Sie unter nachfolgendem Link: Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts