Liebe Mitglieder und Freunde unserer Pfarrgemeinde,

Hubert (c) Privat
Hubert
Datum:
Mi 19. Aug 2020
Von:
Pfr. Hubert Hilsbos

wenn dieser Pfarrbrief erscheint, dann sind die Sommerferien zu Ende und wir hoffen und wünschen uns einerseits so sehr, dass ein größeres Stück Normalität zurückgekehrt ist: zum Beispiel, dass Kinder und Jugendliche täglich wieder die Kitas und Schulen besuchen können, dass Gottesdienste regelmäßiger gefeiert werden …; gleichzeitig erfahren wir unmittelbar und durch die Medien vermittelt, die Ambivalenz unserer augenblicklichen Situation: Befürchtungen um steigende Infektionszahlen, lokale Ausbrüche, definierte Risikogebiete, verbindliche Tests, eine zunehmende Unbedarftheit …
Auch wenn augenblicklich das Virus in Europa scheinbar „unter Kontrolle“ gebracht werden konnte, erschrecken die Infektionszahlen und Toten in anderen Kontinenten umso mehr – immer sich bewusst machend, dass die statistischen Zahlen zuerst und zuletzt immer Menschen und Einzelschicksale bedeuten.
Ich bin froh und dankbar, dass unser Camarakreis zu einer spontanen Hilfsaktion für Rondonopolis (Brasilien), den Kongo und Andhra Pradesh (Indien) aufgerufen hat. Bisher ist eine Summe von 28.000,00 € gespendet worden. DANKE allen, die uns bisher so großzügig und solidarisch unterstützt haben!
Das Corona-Virus ist eine weltweite Gefahr für Leib und Leben und beeinflusst massiv fast alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche. Einige Male habe ich gelesen, dass das Virus „irgendwie“ auch was Gutes hätte. Dem kann ich in Anbetracht von bisher mehr als 700.000 Toten weltweit nicht zustimmen; ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie.
Gleichzeitig zeigt uns die Corona-Pandemie, wie fragil unsere Systeme sind und dass doch alles miteinander verbunden ist. Und wir erleben, dass wir das Leben und letztlich uns selbst eben nicht in der Hand haben. In einer franziskanischen Zeitschrift konnte ich lesen: „Diese Krise lädt ein, uns darüber klar zu werden: Was brauche ich wirklich? Wer und was ist mir wichtig? Was bedeutet für mich ‚gutes Leben‘?“ Mit diesen Fragen im Gepäck möchte ich gar nicht die alte Normalität in allen Facetten wieder zurückhaben, sondern Schritt für Schritt auch Neues und noch Unbekanntes wagen.
Als Mitglied einer Kirchen- und Bürgergemeinde haben wir die Möglichkeit, sowohl vor Ort als auch darüber hinaus, an einer zukunftsfähigen Gemeinde, Kirche, Gesellschaft … auch an einem gerechteren, ökologischen Wirtschaftsmodell mitzuwirken, das alle und die Schöpfung im Blick behält – denn alles hängt zusammen in unserem gemeinsamen Lebenshaus Erde und in einer Menschheit, die sich als Menschheitsfamilie verstehen kann.
Ich wünsche Ihnen und mir gute und lebendige Erfahrungen einer „neuen Normalität“.
Ihr Pfarrer Hubert Hilsbos