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„Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.“ :Pforte auf dem Weg zum Osterfest

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, sang einst der Kölner Stimmungssänger Jupp Schmitz, die Worte stehen auch auf seinem Grabstein. Sie beschreiben die Stimmung, die viele befällt, wenn das Ende der Fastnachtszeit naht; doch das ist nur der eine Teil der Wirklichkeit. Mit dem Aschermittwoch beginnt für katholische und evangelische Christen die Zeit der Vorbereitung auf die Feier von Tod und Auferstehung Christi, Ostern.
Die Heilige Pforte im Mainzer Dom ist der innere Eingang zur Gotthard-Kapelle im nördlichen Querhaus.
Von:
von Domkapitular Dr. Franz Josef Weinert
Domkapitular Franz-Rudolf Weinert

In einem Bild ausgedrückt: Der Aschermittwoch ist wie das Portal einer Kirche, das uns aufnimmt. Die fünf Fastensonntage entsprechen dem Kirchenschiff, am Palmsonntag öffnet sich der Chorraum und in den drei österlichen Tagen werden wir ins Allerheiligste eingelassen.

Exakt 40 Fasttage

Ursprünglich war der erste Fastensonntag dieses Tor. Doch seit dem sechsten Jahrhundert ist es der Mittwoch davor, weil man unter Einbeziehung des Karfreitags und des Karsamstags auf exakt 40 Fasttage kommen wollte. Der nach der Asche benannte Tag war nun auch der Beginn der altkirchlichen Bußpraxis. Diese sah vor, Menschen mit schwerer Schuld aus der Gemeinschaft der Gläubigen auszuschließen. Am Aschermittwoch erhielten sie ein Bußgewand und wurden mit Asche bestreut. Nach einer Zeit der Buße, der Besserung, erfolgte die Wiederaufnahme in die Gemeinschaft der Kirche, meist kurz vor dem Osterfest.

Diese Buß-Praxis hatte zwar lange Bestand, war allerdings nicht durchzuhalten. Als im 9./10. Jahrhundert die öffentliche Kirchenbuße zurückging, blieb der Brauch erhalten, sich an diesem Tag mit Asche zu bestreuen, und wurde auf alle Gläubigen ausgedehnt. Das Konzil von Benevent (1091) bestimmte: „Alle, sowohl Kleriker als auch Laien, Männer und Frauen, sollen an diesem Tage, dem Aschermittwoch, die Asche auf ihren Häuptern empfangen.“ Bis zur Liturgiereform wurde die Asche vor dem Gottesdienst ausgeteilt, heute nach dem Wortgottesdienst. Das Evangelium stellt die Haltungen vor Augen, die Christen jetzt wieder neu einüben sollen: Fasten, Almosen (Werke der Nächstenliebe), Gebet.

Die gesegnete Asche, auch ein Symbol der Reinigung, wird den Gläubigen auf den Kopf gestreut oder in Kreuzesform auf die Stirn gezeichnet. Das zentrale Begleitwort zur Austeilung der Asche heißt: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.“ (Markus 1,15). Wer jetzt die gesegnete Asche empfängt, hat sich entschieden, den Weg der Umkehr und der Buße zu gehen, an dessen Ende sinnvollerweise das österliche Sakrament der Vergebung, die Beichte, steht.

Einmalige Sättigung am Tag

Der Aschermittwoch ist Fast- und Abstinenztag. Neben der Enthaltung von Fleisch, wie an allen Freitagen des Jahres üblich, sieht er eine einmalige Sättigung am Tag vor. Auch andere Formen des Fastens können an diesem Tag beginnen: der Verzicht auf Genussmittel wie etwa Alkohol oder auf ein Konsumverhalten, das leicht zur Sucht führen kann: beispielsweise Fernsehen oder Internet. So ist am Aschermittwoch nicht alles vorbei: Gerade im Heiligen Jahr wird er zur „Heiligen Pforte“, die von allen durchschritten werden kann. Wer es tut, ist auf dem besten Weg zum Osterfest.

Zur Person

Der Mainzer Domkapitular Franz-Rudolf Weinert ist Professor für Pastoralliturgie und Verfasser zahlreicher Schriften.

 

Diesen Artikel und noch viel mehr lesen Sie in der neuesten Ausgabe von Glaube und Leben vom 2. März 2025.  Gibt's was Neues bei Ihnen, lassen Sie es uns wissen! Anruf – 06131 253-451 oder E-Mail: RedaktionFML@bistumspresse.de