Begegnungen auf dem Weg in Situationen der Hoffnungs- und Mutlosigkeit sind ein Segen

„Weine nicht, wenn die Sonne untergeht, denn mit Tränen in den Augen kannst du die Sterne nicht sehen!“, das stand auf einem Stein, den ich vor einiger Zeit beim Spazierengehen im Wald gefunden habe. Dieser Spruch, denke ich, beschreibt sehr schön die Stimmung der Jünger auf dem Weg nach Emmaus.
Bis vor kurzem waren sie noch so hoffnungsvoll. Jetzt ist all ihre Hoffnung mit Jesus am Kreuz gestorben. Sie sehen keinen Sinn mehr für ihr Leben. Traurig, verzweifelt und vielleicht auch ängstlich haben die zwei Jünger Jerusalem verlassen. Mit schweren Herzen gehen sie nach Emmaus; weg von Jerusalem, dem Ort des Leidens und Sterbens und der Ungewissheit. Vielleicht ist es gut, dass sie zu zweit sind und miteinander reden können; oder machen sie einander das Herz nur noch schwerer? Was wir aber wissen: Es tut ihnen gut, dass ein Unbekannter hinzukommt und sie begleitet. Er hört zu, stellt Fragen, spricht mit ihnen und erklärt den Sinn des Geschehenen. Er nimmt sich Zeit und lässt sich von ihnen einladen. "Und als er mit ihnen bei Tisch war, da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn“. Mit brennenden Herzen, mit neuer Hoffnung und neuem Lebensmut kehren sie nach Jerusalem zurück.
Liebe Schwestern und Brüder, dieses Evangelium spricht auch in unsere Zeit, in unser Leben hinein. Denn gerade jetzt lädt uns die Geschichte der Emmausjünger ein zu fragen: Auf welchem Weg sind wir? Das Leid, das sich auch in diesen Ostertagen weltweit ereignet, lässt sich nur schwer in Worte fassen – im Nahen Osten, in der Ukraine und darüber hinaus in vielen anderen Teilen der Welt. Und vieles ist gar nicht so weit weg! Auch wir kennen in unserem Umfeld Ausgrenzung, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Trauer, Wut, Trennungsschmerz und Verlustängste, die an den Kräften zehren.
Wer eine solche Situation durchlebt und keine Kraft mehr hat auf jemanden zuzugehen, dem kann nichts Besseres passieren, als dass ihn jemand anspricht, ihm zuhört und ihm Mut und Hoffnung macht. Mit Jesus als Vorbild lädt uns die Emmaus-Geschichte dazu ein.
Liebe Schwestern und Brüder,
das Evangelium sagt uns noch etwas: Jesus lebt! Er begegnet auch heute Menschen auf ihrem Lebensweg, im Wort der Heiligen Schrift, in der Eucharistie, im Glaubenszeugnis eines jeden von uns: In Menschen, denen man sich in seiner inneren Not anvertrauen kann, die zuhören, die den Sinn des Lebens aufzeigen und Mut zum Leben machen. In Menschen, die über dieses rein Menschliche hinaus von ihrer Begegnung mit Jesus sprechen und einladen, seine Gegenwart im Gebet, im Wort der Schrift und in der Gemeinschaft zu erfahren.
"Brannte uns nicht das Herz?" Es wird deutlich, solche Begegnungen auf dem Weg in Situationen der Hoffnungs- und Mutlosigkeit sind ein Segen. Und dort, wo Menschen das erleben, dort ist Emmaus. Dort wird Christus, der Auferstandene, der mitgeht, erfahrbar. Und der Sternenhimmel wird wieder sichtbar.
Amen