Andreas Münster

Pastoralraumkoordinator

Past.-Ref. Andreas Münster (c) Andreas Münster
Datum:
So. 30. Okt. 2022
Von:
Past.-Ref. Andreas Münster

Zu den Eigenheiten der deutschen Sprache gehört es, dass man quasi unbegrenzt Wörter zusammensetzen kann. Dabei kommen so schöne Wörter wie „Pastoralraumkoordinator“ heraus. 

Pastoral: Ist das Fremdwort für Seelsorge, und daher etwas, was mich und meine Aufgaben ausmacht. Ich bin Pastoralreferent, also Seelsorger, habe von 1988 bis 1994 Theologie mit dem Abschluss Diplom studiert, war nach der praktischen Ausbildung und Sendung von 1998 bis 2011 Schulseelsorger und Religionslehrer in Mainz und bin 2011 mit meiner Frau und meinen beiden Töchtern nach Friedberg gezogen, um dann von 2011 bis 2022 als Dekanatsreferent im Dekanat Wetterau-West zu wirken. Ich wollte (und konnte) auf meinen Stellen immer Seelsorger und Theologe sein. Die Menschen begleiten (und von ihnen lernen), Anregungen geben, wie der Glaube vertieft oder gefestigt werden kann und dabei theologisch-kritisch bleiben, ob denn alles, was Anderen und mir so wichtig scheint, wirklich der christlichen Botschaft entspricht. Das möchte ich mir auch für die Aufgabe in Wetterau-Süd bewahren. Bei Ihnen, den Menschen hier vor Ort sein (Leben teilen), gemeinsam den Glauben leben (teilen) und dabei (selbst)kritisch bleiben, was wirklich hilft. 

Raum: Seit Sommer sind unsere Gemeinden zum Pastoralraum Wetterau-Süd zusammengefasst. Aufgabe ist es, die Zusammenarbeit und Strukturen so zu gestalten, dass in den nächsten Jahren die jetzigen Gemeinden zu einer Pfarrei fusionieren können – formal wird es eine Neugründung sein. Wichtig: Die jetzigen Gemeinden werden nicht aufgelöst, auch wenn sie keine eigene Rechtsform mehr haben. Das, was vor Ort gut angenommen wird, soll auch vor Ort bleiben. Umgekehrt sollen die Chancen der Zusammenarbeit stärker in den Blick genommen werden. Denn die Realität ist, dass auch in unserem Pastoralraum die Katholikenzahl sinkt und auch die Ressourcen an Geld und Personal abnehmen. Diese Realität des „Weniger Werdens“ soll nicht einfach hingenommen sondern gestaltet werden; und zwar so, dass Glaube und Kirche in unserem Lebensraum trotz allem lebendig bleiben kann.

Koordinator: Dieser Veränderungsprozess muss natürlich organisiert und koordiniert werden. Zurzeit bilden sich sechs Projektgruppen (Gottesdienst, Katechese Sozialpastoral, Gebäude, Vermögen, Verwaltung) und zwei Teams (Öffentlichkeitsarbeit, Geistliches Team), die ein erhebliches Arbeitspensum haben. Natürlich sollen sich die Gruppen auch gegenseitig beeinflussen. Meine Aufgabe ist es zu schauen, dass die Projektgruppen die Ergebnisse der anderen Gruppen in ihren Beratungen berücksichtigen und dass sich alle Gemeinden an den Beratungen und Entscheidungen beteiligen. Auch wird es manchmal nötig sein, die zeitlichen Abläufe aufeinander abzustimmen und dabei womöglich die einen zu bremsen und die anderen anzutreiben.

Meine Bewerbung für den Pastoralraum Wetterau-Süd war meine erste Wahl, da ich den Eindruck habe, dass hier bei der überwiegenden Mehrheit eine konstruktive Haltung herrscht und ich daher wirklich koordinieren kann und nicht nur antreiben und schieben muss. Diese Aufgaben mache ich mit dem Umfang einer halben Stelle. Mit der anderen halben Stelle bin ich Referent für Spiritualität in der Region Oberhessen. Ich habe große Hoffnung, dass sich beide Stellenanteile gegenseitig befruchten. Die Arbeit im Pastoralraum bewahrt mich davor, irgendwie „abzuheben“ und die Fragen des Gemeindealltags zu vergessen. Das Bemühen um Spiritualität kann durch die Orientierung an Jesus Christus und das Vertrauen auf den Heiligen Geist dazu beitragen, dass man das Wesentliche nicht vergisst. Denn bei allen Prozessen und Projektgruppen geht es am Ende doch nur um eins: Dass der Glaube lebendig bleibt und in Wort und Tat erfahren werden kann.

Andreas Münster