Schmuckband Kreuzgang

ORGELreVISION

Eine der bedeutendsten Orgeln der Region stößt in neue Klangwelten vor

Datum:
Fr. 3. Apr. 2026
Von:
Jorin Sandau

Die Winterhalter-Orgel der Innenstadtkirche St. Ludwig begeistert unmittelbar mit ihren warmen, grundtönigen Klangfarben. Gerade die Werke César Francks, Charles-Marie Widors und anderer Romantiker klingen hier absolut authentisch, die sangliche Intonation der Pfeifen macht sie zu einer sensiblen Begleiterin des Gemeindegesangs. Wöchentlich erklingt das Instrument in verschiedenen Gottesdiensten, Konzerten und Mittagsmusiken, außerdem steht es den vielen Schüler_innen der C- und D-Ausbildung als Lerninstrument zur Verfügung. Nach 20 Jahren intensiver Nutzung wird eine Reinigung der 2746 Pfeifen und eine Überholung der Mechanik und Elektronik notwendig. 

Durch behutsame Eingriffe in die Anordnung der Spieltischelemente wird der Arbeitsplatz für die Musizierenden noch komfortabler, zugrunde liegen hier Hinweise zahlreicher erfahrener Konzertorganist_innen.

Dabei wollen wir es aber nicht belassen.

Ohne die hervorragende klangliche Substanz anzutasten, gehen wir mit der ORGELreVISION Schritte in Richtung Avantgarde. Am Neue-Musik-Standort Darmstadt sehen wir es als unsere Aufgabe, nicht nur die traditionelle Orgelmusik zu pflegen, sondern Voraussetzungen zu schaffen und neugierig zu machen für neue und neueste Orgelmusik. Die Zusammenarbeit mit den Tagen für Neue Musik, der Akademie für Tonkunst und international anerkannten Komponierenden und Musizierenden wird hierdurch gemäß unseres Citykirchen- und Kulturauftrags gefördert. Auch an ausgewählten Stellen der Liturgie lassen sich solch neuartige Klänge erfahrungsgemäß synergetisch einbetten und sorgen im besten Fall für eine neues und intensives spirituelles Erleben. 

Möglich gemacht wird dieses Klangkonzept durch den Einbau eines Zusatzregisters und modernster digitaler Steuerungssysteme, die in die Spielanlage und die Windversorgung eingreifen: 

  • Der Einbau des Registers Carillon tubulaire mit 27 Tönen fügt dem Instrument eine „nicht orgelmäßige“ Klangkomponente hinzu. Gerade in einer Kirche, die keine Glocken besitzt, ist dies von besonderem Reiz. Diese Röhrenglocken mögen an hohen Feiertagen für besondere Festlichkeit sorgen, schaffen durch ihr spezielles Obertonspektrum aber auch ganz neue Klangerlebnisse.
  • Frei programmierbare Intervallkoppeln lassen durch den Druck einer Taste mehrere Töne erklingen. Griffkombinationen, die mit zehn Fingern sonst nicht erreichbar sind, erweitern das Klangspektrum des Instruments
  • Eine Tastenfessel wirkt ähnlich dem rechten Pedal des Klaviers: angeschlagene Töne enden nicht mit dem Loslassen der Taste, sondern klingen weiter, wodurch Liegetöne und Klangschichtungen begünstigt werden
  • Eine Winddrossel ermöglicht die stufenlose Verringerung des Winddrucks während des Spiels, was sich auf Tonhöhen, Anblasgeräusche und Lautstärke auswirkt und dem Orgelklang eine völlig neue Dimension hinzufügt
  • Eine Midifizierung des III. Manuals lässt es zu, dieses über ein angeschlossenes Keyboard von verschiedenen Positionen des Raum aus zu spielen, was Vorteile für die Chorbegleitung wie für die Wartung der Orgel mit sich bringt. Die Ansteuerung der Orgel über elektronische Programme und die Erstellung von Loops erweitert das künstlerische Spektrum ein weiteres Mal. 

Die Arbeiten für die Revision und die klangliche Erweiterung der Orgel sind nahezu abgeschlossen. Die Finanzierung der Revision erfolgt dabei aus Rücklagen der Gemeinde, wobei Spenden natürlich gern jederzeit willkommen sind. Die vorgenommene klangliche Erweiterung wurde durch eine großzügige Spende der Hans und Dorrit Michel Stiftung ermöglicht. 

St. Ludwig bleibt ein Ort der traditionellen Konzert- und Gottesdienstkultur. Der faszinierende Kirchenraum unter der Kuppel wird aber nun noch mehr als bisher zu einem Ort für Visionen, Synergien und Unerhörtes. 

Damit ein solcher neuer Klangraum eines Tages Wirklichkeit werden kann, ist Unterstützung erforderlich. Dieses Zukunftsprojekt soll bewusst ausschließlich durch Spenden getragen werden. Wer diese Vision teilt, ist herzlich eingeladen, die musikalische Zukunft von St. Ludwig mitzudenken und mitzugestalten. 

Sphärische Klänge aus dem Hochchor 

Als möglicher nächster Schritt für die Weiterentwicklung der Orgel von St. Ludwig wird das sogenannte Engelschorwerk gedacht. Es könnte den Klangraum um eine besondere Dimension bereichern: Hoch oben im Chorraum würde ein eigenständiges, schwellbares Orgelwerk entstehen, das die Hauptorgel als Fernwerk klanglich ergänzt und vom Hauptspieltisch oder per Midi aus dem Kirchenraum heraus spielbar wäre.

Solche zusätzlichen, schwebenden Klangfarben – etwa Voix Humaine, Vox Angelica oder Celesta – könnten der Musik eine neue Leuchtkraft verleihen und das Hörerlebnis behutsam vertiefen, ohne den gewachsenen Charakter des Bestehenden zu verändern. 

Desweiteren schafft es die musikalische Voraussetzung, um den Hochchor als Gottesdienstraum wieder für besondere liturgische Formen zu erschließen.

Seine volle Wirkung könnte ein künftiges Engelschorwerk im sensiblen Zusammenspiel mit dem Raum entfalten. In der Nähe des Engelmosaiks im Hochchor lassen sich Klang, Architektur und spirituelle Tiefe auf besondere Weise miteinander verbinden. 

Eine solche Weiterentwicklung knüpft zugleich an die Geschichte von St. Ludwig an: Bereits die erste Orgel des Orgelbauers Philipp Gottlieb Dietz hatte hier ihren Platz. Mit Blick auf das 200‑jährige Jubiläum bietet sich die Möglichkeit, diese Tradition behutsam fortzuführen und für kommende Generationen weiterzudenken.

Jede Spende unterstützt einerseits den Unterhalt unseres wertvollen Instrumentes und kann außerdem dazu beitragen, die Idee des „Engelschorwerks“ Schritt für Schritt Realität werden zu lassen.

Spendenüberweisungen erbitten wir mit dem Vermerk "Orgelrevison" auf unser Konto bei der Sparkasse Darmstadt, IBAN DE05 5085 0150 0000 7407 48. Auf Wunsch erhalten Sie gerne eine Spendenbescheinigung.

Oder Sie können uns auch geren eine Einzugsermächtigung erteilen

Spende für die Revision der Winterhalter Orgel