Jesus im Boot (c) Pfr. Dr. Markus Rahn
Jesus im Boot
Sa 9. Mai 2020
Andrea Keber

Es ist schon ein ungewohntes Gefühl für mich - aber es gehört nun bereits seit einigen Wochen zur Realität: Es ist Sonntagvormittag und ich mache mich nicht auf zum Gottesdienst. Das, was seit vielen Jahren zu meinem Leben ganz automatisch dazu gehörte und mir wichtig ist, geht halt im Moment nicht. Und es wird auch noch ein bisschen so bleiben, denn wir haben in unserer Pfarrgemeinde bewusst und aus meiner Sicht vollkommen richtig entschieden, dass wir unter den erforderlichen und gerechtfertigten Hygieneauflagen weiterhin vorerst keine öffentlichen Gottesdienste feiern. 

Und so drehe ich mich nach dem Aufwachen nochmals um, kuschele mich in die Decke und hänge meinen Gedanken nach. Ich frage mich: Was macht das nun mit mir und    meinem Glauben? Ist der ins Wanken geraten, weil ich zurzeit keine Gottesdienste - ob Eucharistie oder Wort-Gottes-Feier - mitfeiern kann? Klar, sie fehlen mir schon und vor allem das Zusammensein mit Menschen, die mir viel bedeuten. Aber ich spüre gleichzeitig, dass es meinem Glauben überhaupt keinen Abbruch tut - vielleicht sogar im Gegenteil.

Mein Leben ist zurzeit äußerlich eher ruhig - aber innerlich bin ich oft aufgewühlt: Wie geht es weiter? Was bedeutet es für unsere Kinder, dass sie wochenlang nicht in die Kita und die Schule gehen können? Welche Auswirkung hat die Rezession, die auf uns zu kommt?

Dann kommt mir das Bild „vom zweiten Kissen“ in den Kopf, das ich vor Kurzem zugeschickt bekommen habe. Ein kleines Boot mitten im stürmischen Meer. So stürmisch, wie unser Leben zurzeit manchmal ist.  Man fühlt fast die brausenden Wellen, die ins Boot schwappen.

Mitten in diesem Chaos liegt Jesus seelenruhig im Boot und schläft. Das Kissen neben ihm ist frei und eine Einladung an mich und jeden von uns: 

„Leg dich zu mir! Ich bin da!“.