„Ein Haus voll Glorie schauet“

St. Georg zu Nieder-Olm im Wandel der Zeiten

2026_Baugeschichte St Georg (c) Hans-Peter Plattner
2026_Baugeschichte St Georg
Datum:
Sa. 13. Juni 2026
Von:
Hans-Peter Plattner

Teil 3: Der Neubau des barocken  Kirchenschiffs

1776 entschloss sich Pfarrer Johann Peter Jacobi, das baufällig gewordene mittelalterliche Kirchenschiff abzureißen und einen barocken Neubau zu errichten. Die Bauplanung übernahm der Kurfürstliche Baudirektor und Hauptmann Jacob Joseph Schneider, der zuvor bereits den Plan der barocken Pfarrkirche St. Peter und Paul in Dromersheim gefertigt hatte. Da die großzügigen Abmessungen des neuen Kirchenschiffes sich jedoch aufgrund der gegebenen Platzverhältnisse in Nieder-Olm nicht in der üblichen Ost-West-Ausrichtung umsetzen ließen, erfolgte eine Nord-Süd-Orientierung der barocken Hallenkirche. 1776 begann man mit den aufwendigen Abbrucharbeiten. 1777 erfolgte die Herrichtung des Baugeländes. Nach Abschluss der Fundamentierungsarbeiten wurde am 13. Mai 1778 der Grundstein gelegt. Am 18. September 1779 wurde in der fertiggestellten Kirche erstmals ein Gottesdienst gefeiert.

Die genordete barocke Hallenkirche öffnet sich zur Stadtmitte hin mit einer eindrucksvollen Südfassade, die durch Pilaster – flache Wandpfeiler – in drei vertikale Achsen gegliedert ist (Bild). Die breite Mittelachse enthält das Hauptportal mit einem darüber liegenden Fenster. Ein Gesims trennt die untere Fassade vom Giebel, der von Feuervasen auf den Eckpilastern und geschwungenen Bögen eingerahmt und durch einen dreieckigen Giebelaufsatz mit einem Kreuz abgeschlossen wird. 

In der Mittelachse des Giebels steht in einer Nische die von Nikolaus Binterim geschaffene Figur des Patronatsheiligen St. Georg. Im barocken Chor stand ein Hochaltar unter einem Baldachin, dessen geschwungene Voluten auf vier, halbkreisförmig aufgestellten Säulen 
mit korinthischen Kapitellen ruhen. An der Ostseite des Kirchenschiffes fand eine Kanzel mit einem Schalldeckel ihren Platz und im Süden wurde eine Orgelempore errichtet.

Die meisten Heiligenfiguren stammen ebenfalls aus dem Barock. Fotografien aus den 1920er-Jahren vermitteln einen Eindruck, die auch nach den Renovierungen im 19. Jahrhundert den barocken Charakter des Kircheninneren widerspiegeln.

Die Baukosten für St. Georg beliefen sich auf 10.643 Gulden. Zur Finanzierung nahm die kurmainzische Gemeinde verschiedene Darlehen auf, deren Tilgung sich über die französische Zeit bis in die großherzoglich-hessische Zeit ziehen sollte. 

In Dromersheim ermöglichte dagegen ein großzügiges Vermächtnis des dortigen Schultheißen den barocken Neubau der Pfarrkirche, so dass auch für eine neue Innenausstattung ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. Wegen des hohen Baudarlehens kam in Nieder-Olm für die Innenausstattung eine kostspielige Neubeschaffung nicht in Frage, so dass über mehrere Jahre hinweg gebrauchte Einrichtungen zu kaufen waren. Der Baldachin über dem Hochaltar und ein kleines Orgel
prospektiv wurden aus dem 1781 säkularisierten Kloster der Reichsklarissen erworben. 1807 ersetzte man sie durch eine größere, von Johann Kohlhaas 1770 gebaute Orgel, die aus dem Armklarenkloster stammte. 

Vier Jahre nach dem ersten Gottesdienst waren die finanziell bedingten Ausstattungsprobleme soweit gelöst, so dass am 28. September 1783 Weihbischof Valentin Heimes, ein ehemaliger Nieder-Olmer Kaplan, die Pfarrkirche konsekrieren konnte.