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1. Der Verein

Die Anzahl der Geflüchteten im Bundesland Rheinland-Pfalz belief sich im Januar 2018 auf 16.054 Personen, wobei in Mainz aktuell noch ca. 3.600 Geflüchtete leben. Davon sind 1500 Personen in Flüchtlingsunterkünften untergebracht und über 2000 bereits in eigenen Wohnungen beheimatet. Alle angegebenen Zahlen beziehen sich auf den Monat Mai 2018/ Quelle: Stadt Mainz.

Derzeit existiert von staatlicher Seite aus eine personell stark eingeschränkte Regelversorgung in den Gemeinschaftsunterkünften, die auch grundlegende Integrationsangebote beinhaltet. Ein nachhaltiges, ganzheitliche Integrationskonzept fehlt bisher.

Um diese Lücke zu schließen, haben sich 2015 Mitglieder aus fünf Kirchengemeinden unterschiedlicher Konfessionen in Mainz zur "Ökumenischen Flüchtlingshilfe Oberstadt – ÖFO e.V." zusammengetan, um nachhaltige Integrationshilfe zu leisten. Die Organisation erfolgte in Form eines gemeinnützigen, überparteilichen und konfessionsunabhängigen Vereins. Konkreter Anlass war die Einrichtung einer der größten Flüchtlingsunterkünfte in der Mainzer Oberstadt und der Wunsch, dort Ersthilfe zu leisten. Zwischenzeitlich ist die Unterkunft geschlossen und die ÖFO hat ihre Aktivitäten auf alle noch verbliebenen Flüchtlingsunterkünfte der Stadt ausgeweitet. Aktuell vereint die ÖFO ehrenamtliche Helfer aus 12 kirchlichen Gemeinden.

Geleitet wird der Verein von fünf Vorständen, die ehrenamtlich aktiv sind, allerdings ihre Erfahrungen durch ihren beruflichen Hintergrund miteinbringen, wie u.a. jahrelange Expertise in der Sozialarbeit, in der Verwaltung sowie in den Bereichen Kommunikation und Marketing.

Die Vereinsarbeit gliedert sich derzeit in fünf Arbeitsbereiche:

  1. Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit und Kommunikation
  2. Organisation der Hilfsangebote in Gemeinschaftsunterkünften, Beratung / Betreuung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  3. Betrieb, Ausbau und Zukunftssicherung des IBBO (Interkulturelles Bildungs- und Begegnungszentrum)
  4. Projekte
  5. Organisation und Finanzen

 

2. Was tun wir?

Die geflüchteten Menschen benötigen, neben der existenziellen Versorgung und dem Spracherwerb, vor allem auch den sozialen Austausch mit der Bevölkerung, um Einblicke in Kultur und Werte zu erhalten und vor Ort eine Heimat zu finden. Hierzu gehören auch die Vorbereitung auf die Herausforderungen in Schule und Beruf sowie begleitende Unterstützung in allen Alltagsbelangen und der allgemeine Austausch mit der Mainzer Bevölkerung.  Die Eltern benötigen Unterstützung in Fragen der Erziehung, die sich an unseren gesellschaftlichen Werten und Gegebenheiten orientieren. Grundsätzliche Herausforderung ist zudem die Anerkennung von Berufsabschlüssen und die Anpassung an westliche Standards auf dem Arbeitsmarkt.

Das Überwinden von Traumata sowie der positive Blick nach vorne sind wichtige Aspekte, um geflüchteten Menschen Lebensqualität zu ermöglichen und Zugehörigkeitsgefühl entstehen zu lassen. Dabei ist auch geschlechterspezifische Förderung nötig. Männliche Geflüchtete sind den weiblichen quantitativ überlegen. Dazu kommen oftmals aus dem Flüchtlingsland mitgebrachte Wertvorstellungen, die vom westlichen Rollenverständnis abweichen. Herausforderungen zeigen sich in den unterschiedlichsten Situationen, wie beispielsweise beim Einhalten von Terminen und der unterschiedlichen Auffassung von Kindererziehung und in der Bewältigung eines selbständigen Lebens in einer eignen Wohnung.

Unser Augenmerk richtet sich insbesondere auf Integrationshemmnisse, auf die Bereiche, die staatlich oder kommunal noch nicht geregelt sind oder ohne besondere Unterstützung nicht genutzt werden können.

Ein besonders hohes Maß an Unterstützung und Orientierungshilfen brauchen die geflüchteten Menschen ohne Bleibeperspektive, die keinen Anspruch auf einen Integrationskurs haben.

 

Interkulturelles Bildungs- und Begegnungszentrums Oberstadt (IBBO)

Mit der Gründung des „Interkulturellen Bildungs- und Begegnungszentrums (IBBO)“ im März 2016 als Ort des Lernens, der Kommunikation und der Begegnung außerhalb der Flüchtlingsunterkünfte setzt die ÖFO auf die zentralen Aspekte nachhaltiger Integration durch einen ganzheitlichen Integrationsansatz. Zwei hauptamtliche, als Integrationslehrer fortgebildete Mitarbeiter/innen (promovierte Kulturanthropologin, Diplom-Soziologe) sowie ein ebenfalls hauptamtlich als „Integrationshelfer“ tätiger ehemaliger Lehrer aus Afghanistan werden durch über 50 ehrenamtliche Mitarbeiter bei der situations- und bedarfsorientierten Organisation und Durchführung von vielseitigen Angeboten wie Sprachkursen, fördernde Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration, interkulturelle und interreligiöse Begegnung, Nachhilfe für Erwachsene, Kinderbetreuung, einem Frauentreff, Nähkursen, internationalen Kochabenden und Männerkursen (Treffen speziell für Männer, mit Fokus auf das westliche Rollenbild), in denen der rege Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen gefördert wird.

Für diese Arbeit konnte die ÖFO e.V. das Gemeindehaus von St. Jakobus in der Berliner Siedlung im März 2016 anmieten.

Das IBBO wird durch das Land Rheinland-Pfalz, das Bistum Mainz sowie die Stadt Mainz gefördert. Rund 15% der benötigten Finanzmittel konnten bisher durch Spendenaktionen, Sponsoren oder größere private Einzelspenden erbracht werden.

Das IBBO hat sich zwischenzeitlich zu einer zentralen Anlaufstelle für geflüchtete Menschen in Mainz entwickelt. Seit der Gründung haben mehr als 1400 Flüchtlinge an den Aktivitäten des IBBO teilgenommen, teilnahmebestätigt wurden 660 Männer und 334 Frauen sowie Kinder. Herkunftsländer sind überwiegend Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Sri Lanka und Syrien.

Während bis Mitte 2017 nahezu ausschließlich Flüchtlinge aus den Mainzer Unterkünften das IBBO besucht haben, besteht aktuell das Klientel zu etwa 30% aus Flüchtlingen, die in Mainz eine Wohnung gefunden haben, darunter wiederum mehr als 1/3, die bereits seit längerer Zeit, z.T. seit Jahren in Mainz wohnen. Damit haben wir durch unsere vielfach über Mundpropaganda und soziale Medien verbreiteten Angebote im IBBO Zugang zu einer Flüchtlingsgruppe gefunden, die nach dem Verlassen der Unterkünfte mehr oder weniger vollständig aus der staatlichen Betreuung herausfällt. Bis heute besteht für diese Gruppe in Mainz kein Nachsorgekonzept, sie ist sich weitgehend selbst überlassen.

 

Mainzer Initiative Allianzhaus (MIA)

Die ÖFO e.V. ist über die in den Verein integrierte „Mainzer Initiative Allianzhaus (MIA)“ auch weiterhin in der Ersthilfe in Gemeinschaftsunterkünften tätig. Unterstützt von zahlreichen kirchlichen Gemeinden in der Altstadt kümmern sich mehr als 30 ehrenamtliche Helfer um die im Stadtzentrum gelegenen Flüchtlingsunterkunft Allianzhaus. Hier leben derzeit – bei hoher Fluktuation – noch 270 Flüchtlinge.

In enger Absprache mit dem für die Betreuung der Unterkunft zuständigen DRK Mainz bieten wir in den Räumen der Unterkunft bzw. im näheren Umfeld aktuell folgende Aktivitäten an:

  • Kinderspielgruppen mit engmaschiger Betreuung von Kindern im Alter von 3 bis 10 Jahren (Betreuungsschlüssel 1 : 2) durch Ehrenamtliche, die sich als Begleiter und Unterstützer der Kinder verstehen und situationsorientiert und im Spiel in der Gruppe Toleranz, Streitschlichtung, Kommunikation thematisieren. Dazu bieten die ehrenamtlichen Betreuer ein großes Spektrum von Spielen an: sportlich, kreativ, musisch, wissenschaftlich, im Gruppen- und Einzelspiel. Die Spielgruppen-Teamer verstehen sich als Begleiter, Helfer, Unterstützer/Assistenten der Kinder und leiten die Kinder an, dass sie niemanden verletzen, leben eine allparteiliche Streitschlichtung vor und achten darauf, dass die STOP-Regel eingehalten wird.

    Durch die Fluchterfahrungen haben viele der Kinder Gewalt erlebt.  Das anfängliche starke Bewegungs-/Kampf-Bedürfnis der Jungen, der ständige Streit aller mit allen ist ein Versuch, diese zu verarbeiten. Der konstruktive Umgang mit Konfliktsituationen ist ein Lernziel der Gruppe. Der Umgang der Betreuer untereinander und mit den Kindern hat eine wichtige Vorbildfunktion.

    Weitere Lernfelder:

    Umgang mit Medien und Umgang mit unserem Gruppen-Tablet-PC, ausgerüstet mit dem kindgerechten Kids Safe Browser (Filterung von Gewalt/Pornographie)

    Internet Nutzung für Schularbeiten

    Chillen in der Freizeit (gemeinsam Filme ansehen, Tanzprogramm einüben,…)

    Gespräche mit den Kindern, situationsorientiert – mal philosophierend, mal bezugnehmend auf Alltagsthemen der Kinder, aus der Schule…

    Umgang mit YouTube (Filme einstellen?), Selbstschutz im Netz

    Uno Kinderrechte (keine Gewalt gegen Kinder), Schutzbedürfnis und staatliche Schutzzusicherung

    Grundrechte für alle Menschen, die unser Zusammenleben regeln

    Religionsfreiheit und gegenseitige Wertschätzung und Akzeptanz

    Toleranz; Lernen, dass unterschiedliche Auffassungen nebeneinander bestehen können (z.B. Schweinefleisch essen)
  • Mehrmals wöchentlich Sprachkurse mit variierender Teilnehmerzahl, als Unterstützung für die bestehenden Kurse in Einrichtungen, aber auch individuell an die Situation der Flüchtlinge angepasst.

  • Unterstützung beim Erlernen der Theorie für die Führerscheinprüfung

  • Workshops Inliner- und Fahrradfahren mit Unterstützung des Landessportbundes für Frauen (Fahrradfahren zur Erleichterung der Lebensumstände von Frauen, Förderung der Gleichberechtigung von Mann und Frau) und für Kinder (Förderung sportlicher Aktivitäten mit den bekannten positiven Aspekten Gesundheitsfürsorge, Selbstbewusstsein, Erlernen sozialer Fähigkeiten im Team)

  • Männergruppe: Treffen und gemeinsame Aktionen mit Vermittlung von gesellschaftlichen Umgangsformen mit besonderer Berücksichtigung der männlichen Sicht bei Themen wie Lebensplanung, Partnerschaft, Berufswahl, Werte, Normen etc.

  • Nachhilfe für Schulkinder mit dem Schwerpunkt auf Lese- und Rechtschreibhilfe im Fach Deutsch

  • Nachhilfe für Erwachsene in Form einer 1 : 1 Betreuung, individuelle Hilfe beim Spracherwerb

  • Patenschaften: Betreuung und Hilfe bei allen Belangen des täglichen Lebens, Begleitung zu Behörden, Institutionen, Ärzten, bei schriftlicher Kommunikation, Wohnungssuche, Vermittlung von Werten der deutschen Gesellschaft, Aufbau von freundschaftlichen Beziehungen etc.

  • Hilfe und Beratung im Café Help: Angebot für alle Geflüchteten im Allianzhaus, die keine Paten haben mit dem gleichen Angebotsspektrum wie bei den Patenschaften.

 

Flüchtlingsintegrationsmaßnahme (FIM)

Die ÖFO e.V. ist seit April 2017 anerkannter Träger einer „externen Flüchtlingsintegrationsmaßnahme“ (FIM) nach §5a Asylbewerberleistungsgesetz. Teilnehmen können geflüchtete Menschen im Asylverfahren, soweit sie nicht aus sicheren Herkunftsstaaten kommen. Die Teilnahme an den im Rahmen der FIM angebotenen Leistungen ist verpflichtend. Die Teilnehmer werden für eine Dauer von maximal 6 Monaten der ÖFO e.V durch das Amt für Soziale Leistungen zugewiesen.

Mit dem Arbeitsmarktprogramm FIM will die ÖFO e.V. den geflüchteten Menschen nicht nur die Arbeitsgelegenheiten bieten, sondern sie auch sozial, sprachlich und beruflich fördern. 

Unser Angebot an die FIM-Teilnehmer:

  • Arbeitsgelegenheiten (Gartenhilfe, Hausmeisterhilfe, Kinderbetreuung, Englisch-Nachhilfelehrer/in, Kochhilfe, Hilfe in der Nähwerkstatt, Hilfe in der Fahrradwerkstatt)

  • Deutschkurs B1/2 im IBBO

  • Konversationsdeutschkurs im IBBO

  • Zugang zum deutschsprechenden sozialen Umfeld

  • Unterstützung bei Korrespondenz mit Behörden

  • Erkennung von individuellen beruflichen Potenzialen und umfangreiche Unterstützung beim Einstieg in den Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt.

  • Vermittlung in weitere Arbeitsintegrationsprogramme

  • Weiterleitung von Berufskompetenzdaten der FIM-Teilnehmer an Bundesagentur für Arbeit

  • Erstattung der Busfahrkarte

Zur Arbeitsmarktintegration besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Mainz und der Arbeitsagentur. Wir vermitteln geflüchtete Menschen in Kooperation mit verschiedenen Institutionen in Praktika, Ausbildungsstellen und Arbeitsverhältnisse und begleiten sie bei der Kontaktaufnahme zu Arbeitsmöglichkeiten. Nahezu die Hälfte der bisherigen FIM-Absolventen hat entweder eine Einstellung bekommen oder konnte erste Erfahrung auf dem deutschen Arbeitsmarkt außerhalb der FIM sammeln. Die Finanzierung dieses Projekts ist zeitlich befristet und läuft im September 2018 aus.

 

Deutschunterricht

Gesicherte Kenntnisse der deutschen Sprache sind unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration. Wesentlicher Bestandteil unserer Aktivitäten im IBBO ist daher das Angebot professioneller Sprachkurse mit zertifiziertem Abschluss. Wir bieten Deutschunterricht für Geflüchtete an, die aus verschiedenen Gründen keinen Deutschkurs besuchen können und für besonders motivierte, die unser Programm als Zusatzangebot nutzen. Der Deutschkurs richtet sich speziell an Geflüchtete die besondere Unterstützung benötigen. Da das B1-Niveau für viele Geflüchtete eine besondere Hürde darstellt, bieten wir einen B1-Kurs mit intensivem Prüfungstraining für den B1-Test an. Zudem ist das B1-Niveau wichtig, weil die Geflüchteten erst ab B1 realistische Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Haben die Schüler den B1-Kurs bestanden, können sie ihre Deutschkenntnisse im B2-Kurs weiter ausbauen, um ihre Chancen für den Arbeitsmarkt noch zu stärken. Am Ende des Kurses haben die Teilnehmer die Möglichkeit sich durch eine TELC-Abschlussprüfung zertifizieren zu lassen.

Zusätzlich bieten wir einen Alphabetisierungskurs an. Bei diesem Kurs erlernen die Teilnehmer das Schreiben und Lesen einzelner Wörter und Sätze. Der Kurs findet vier Mal in der Woche mit bis zu 20 Teilnehmern statt. Am Anfang haben nur Männer den Kurs besucht, mit der Zeit sind auch Frauen mit ihren Kindern zum Kurs gekommen. Die Zielgruppe sind Afghanen, die über wenig Deutschkenntnisse verfügen und denen es schwer fällt die deutsche Sprache zu erlernen. Viele Afghanen haben in ihrem Herkunftsland nicht die Schule besucht. Teilweise können sie nicht in ihrer Muttersprache schreiben und lesen. Aus diesem Grund stellt es eine besondere Herausforderung dar, diesen Menschen eine Sprache zu vermitteln.

Zu unserem Deutschkurs kommen u.a. unbegleitete, minderjährige Geflüchtete, die das B1- und B2-Niveau für ihren schulischen und beruflichen Werdegang benötigen. Bei dieser Zielgruppe besteht auch guter Austausch mit den Betreuern.

Wir bieten zudem Deutschunterricht für Geflüchtete an, die Schwierigkeiten haben, die deutsche Sprache zu erlernen, die langsam vorankommen und eine intensive Lernbetreuung brauchen.

Unsere Deutschkurse im IBBO versuchen wir so zu gestalten, dass sich eine soziale Bindung mit den Schülern aufbauen kann. Unsere Schüler kommen in ihrer Freizeit zu uns. Sie sind dazu nicht verpflichtet. Es geschieht aus Eigenmotivation. Die starke Motivation verbindet unsere Lehrer und Schüler.

 

Führerschein-Training

Damit sie selbstständiger werden, möchten viele Geflüchtete einen Führerschein machen. Das ist auch für ihre berufliche Perspektive von großer Bedeutung. Aus diesen Grund bieten wir theoretischen Unterricht an und erteilen Informationen zum Thema Fahrerlaubnis.

 

Alltagshilfe

Geflüchtete, die die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen, sind auf sich alleine gestellt, obwohl mit dem Wohnen neue bürokratische Anforderungen auf sie zukommen. Oft verstehen sie die Briefe nicht und können Formulare nicht selbst ausfüllen. Es fällt den Geflüchteten auch schwer Gespräche mit Ärzten zu verstehen oder zu führen. Auch Familien müssen begleitet werden und mit dem deutschen Bildungssystem und in Erziehungsfragen vertraut gemacht werden. Sie benötigen Hilfe beim Elternabend, in der Schule, im Kindergarten. Unser hauptamtlicher Integrationshelfer kümmert sich um diese Bedarfe. Er hilft dabei die Formulare auszufüllen und begleitet die Geflüchteten zu Terminen: Ärzte, Schule, Kindergarten, Ausländerbehörde, Anwalt, BAMF, Wohnbau. Zudem ist er Übersetzer: Dari, Paschtu und Urdu.

 

Partizipation

Im IBBO wird der Versuch unternommen, Verbindlichkeit zu schaffen, die geflüchteten Menschen entsprechend zu fördern und zu fordern. Das Angebot wird den Bedarfen angepasst. Dafür ist es wichtig mit den Geflüchteten zu sprechen und sie bei der Gestaltung miteinzubeziehen.

Deutsch lernen und eine berufliche Perspektive sind den Geflüchteten wichtig, ebenso ein Raum, wo sie ihre Anliegen besprechen können. Das gemeinsame Kochen und gemeinsame Feste feiern stößt auf großes Interesse und schafft Bindungen. Da die Geflüchteten das Programm mitgestalten können, vertrauen wir ihnen klar beschriebene Bereiche an und fördern damit Motivation, die Übernahme von Verantwortung und Selbstvertrauen. Unsere Räumlichkeiten stehen den Geflüchteten auch für eigene Veranstaltungen offen. So haben geflüchtete Personen schon öfters bei uns im IBBO eigene Feiern (Geburtstagsfeier, Trauerfeier, Hochzeitsfeier, Babyparty) organisiert. Dies trägt zu einer höheren Akzeptanz unserer Einrichtung bei.

Unsere Integrationsmaßnahmen sind ganzheitlich angelegt. Das Integrationskonzept ist in drei Säulen gegliedert: Integration durch Bildung, Beruf und soziale Aktivitäten sowie Austausch und Begegnung. Wir sind bestrebt, die eigenverantwortliche Gestaltung der Geflüchteten zu fördern. Die Integrationsprozesse werden gemeinsam geplant und gestaltet. Die Geflüchteten sind an der Planung und Durchführung des Programms im IBBO beteiligt. Sie übernehmen Verantwortung und können eigenständig agieren. Das schafft Motivation. Z.B. trägt eine geflüchtete Person die Verantwortung für die hausmeisterlichen Tätigkeiten.

Partizipation ist bei uns wichtig. Unser Umgang geschieht auf Augenhöhe. Wir helfen durch persönliche Zuwendung, unterstützen und schaffen bedarfsgerechte Angebote. Wir zeigen den Geflüchteten Wertschätzung auch durch die Möglichkeit ihre Fähigkeiten zu zeigen und sich einzubringen.

Bildung und Lernen wird als ein gegenseitiger Prozess verstanden.

Die Lebensweltorientierung ist ein wichtiger Punkt, den wir bei der Gestaltung unserer Angebote berücksichtigen. Wir analysieren die Zugangsbarrieren und versuchen sie zu beheben. Unsere Angebote bestimmen wir gemeinsam mit der Zielgruppe. Dadurch wird der geflüchtete Mensch zum eigenverantwortlichen Akteur seiner Bildung und Integration.

Die Begegnungen finden auf einer Beziehungsebene zwischen Geflüchteten und der Mainzer Bevölkerung mit ihren vielen Nationaltäten statt. Aktivitäten und Begegnungen schaffen eine gemeinsame Basis. Im Austausch und Erleben werden andere Kulturen und Religionen kennengelernt. Vorteile oder gar Feindbilder können so angebaut werden. Im Sinn unserer demokratischen Gesellschaft kann erfahren werden, dass andere Anschauungen und andere religiöse Bilder gleichwertig nebeneinander bestehen und wichtige Grundsteine unserer Gesellschaft zum friedlichen Miteinander ist.

 

Soziale Integration

Neben Sprachkursen finden im IBBO gemeinsame Aktivitäten statt. Bei der sozialen Integration ist es notwendig, Raum für Begegnung und Entwicklung zu geben. Ziel ist es, dass Geflüchtete positive Erfahrungen sammeln, Kontakte mit der Mainzer Bevölkerung knüpfen, Beziehungen aufbauen und sich beteiligen. Aus diesem Grund kochen wir regelmäßig zusammen und feiern gemeinsam Feste. Im Fokus stehen die Vermittlung unserer Bräuche, das Anerkennen und Kennenlernen anderer Kulturen sowie die gemeinsame Gestaltung und das partnerschaftliche Miteinander. Durch ihr Mitwirken leisten Ehrenamtliche und Geflüchtete einen Beitrag zu unserer Gesellschaft. Auch gemeinsames Spielen und Musizieren stehen auf dem Plan.

Das bisherige Programm besteht aus gemeinsamem Kochen, Backen, Sport, Musik, Spiel, einen Nähkurs speziell für Frauen und einer beständigen Nähwerkstatt. Zudem findet ein Männerkreis für afghanische Geflüchtete statt. Die Durchführung dieses speziellen Kulturkreises ist möglich, da für das IBBO eine Kraft mit afghanischen Wurzeln gewonnen werden konnte. Durch seine sprachliche Kompetenz und der Erfahrung aus dem Kulturkreis ist ein näherer Zugang zu den Menschen gesichert. Vor allem fühlen sich geflüchtete Männer durch das westliche Rollenverständnis der Geschlechter in ihrer Funktion bedroht. Sie müssen lernen die Freiräume, die Frauen in Deutschland haben, zu akzeptieren. Im Männercafe werden auch Eheprobleme besprochen und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.

 

Projekt "Perspektive Hauptabschluss"

In Kooperation mit MentoringMainz im Deutschen Kinderschutzbund e.V. Orts- und Kreisverband Mainz sowie save me Mainz wurde ein zeitlich befristetes Projekt zur intensiven und individuellen Nachhilfe zur Vorbereitung junger Flüchtlinge auf den Hauptschulabschlusses durchgeführt.

In den Hauptschulabschlusskursen und in der Berufsschule brauchen die jungen Menschen Unterstützung. Einige junge Flüchtlinge, die einen besonderen Kurs zum Erwerb des Hauptschulabschlusses besuchen, haben vor allem Probleme in Mathematik und Deutsch. Durch diese Defizite ist ihr Abschluss gefährdet. Ein weiteres Problemfach ist Englisch, wenn die Jugendlichen keine Vorerfahrung mitbringen. Da Englisch versetzungsrelevant ist, drohen Klassenwiederholungen und Verfehlen von Klassenzielen.

Zehn Nachhilfelehrer (überwiegend Studierende der Mathematik und der Germanistik, darunter auch Flüchtlinge) haben im Schuljahr 2018 zehn Jugendliche bei der Vorbereitung auf ihre Prüfungen unterstützt.

Haben die jungen Geflüchteten ihren Schulabschluss geschafft, ist es für ihre berufliche Zukunft relevant, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das ist natürlich nicht einfach. Haben sie es doch geschafft einen Ausbildungsplatz zu finden, stellt die Berufsschule für die jungen Geflüchteten eine große Hürde da. Viele haben Probleme mit den Anforderungen in der Berufsschule. In den Berufsschulen brauchen die jungen Menschen weiterhin Unterstützung. Für einige ist die Hürde in der Berufsschule nicht überwindbar, so dass sie ihre Ausbildung abbrechen müssen. Um den vorzubeugen, wollen wir den Berufsschülern eine Lernbegleitung anbieten. Die jungen Flüchtlinge sollen individuell, auf ihre Bedarfe zugeschnitten, von Nachhilfelehrern begleitet werden. Um das zu realisieren, sind wir auf Sponsoren angewiesen.

 

3. Unser Plan ab 2019 - Perspektiven

Durch die großzügige Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz wie auch des Bistums und der Stadt Mainz konnte die ÖFO e.V. seit ihrer Gründung 2016 zahlreiche Aktivitäten für die in Mainz lebenden Flüchtlinge entwickeln und erfolgreich umsetzen. Wir möchten diese Arbeit auf einer sicheren finanziellen Basis und mit weiteren Tätigkeitsschwerpunkten fortsetzen, die wir aus den Erfahrungen unserer bisherigen Integrationsarbeit heraus als essentiell für eine erfolgreiche Integration der geflüchteten Menschen in unsere Gesellschaft bewerten.

Wir haben uns daher im Juli dieses Jahres an der Ausschreibung von Fördermitteln für Projekte zur gesellschaftlichen und sozialen Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern im Förderjahr 2019 des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge beteiligt und hoffen auf eine 3-jährige Anteilsfinanzierung für die Tätigkeitsschwerpunkte

  • Wohnen – ein Schlüssel zur Integration - „Wohnschule Mainz“ als weiteres Modul des ganzheitlichen Integrationskonzeptes der ÖFO e.V.

Wir bemühen uns derzeit bereits über einzelne Patenschaften insbesondere größere Familien, die in Wohnungen leben, zu unterstützen und andererseits geflüchtete Menschen bei der Wohnungssuche zur Seite zu stehen. Fakt ist, dass der überwiegende Teil der in Wohnungen lebenden Flüchtlinge erhebliche Schwierigkeiten mit dem Mietverhältnis an sich aber auch mit dem Zusammenleben mit Einheimischen im Quartier haben. Bis heute besteht für diese Gruppe in Mainz kein Nachsorgekonzept, sie ist sich weitgehend selbst überlassen.

Diese Erfahrungen und Erkenntnisse sind für die ÖFO e.V. der Anlass, sich ab 2019 verstärkt dem Thema „Wohnen als Schlüssel zur Integration“ zu widmen und über die bisherigen, nicht gezielt koordinierten ehrenamtlichen Aktivitäten in die-sem Bereich hinaus zu gehen. Wir wollen unsere interkulturelle Kompetenz im IBBO und den über das IBBO gesicherten und nachhaltigen Zugang zur Gruppe der in Mainz in Wohnungen lebenden Flüchtlinge nutzen und die „Wohnschule Mainz“ zu einem weiteren Modul unseres ganzheitlichen Integrationskonzeptes machen.

  • "Demokratische Integration – Integration in die Demokratie"

Die Antragstellung erfolgt in einem Projektverbund mit MentoringMainz, vertreten durch Prof. Dr. Ingwer Ebsen und Prof. Dr. Franz Hamburger und Save me Mainz, vertreten durch Axel Geerlings-Diel und Jill Carna, auf der Grundlage gemeinsamer praktischer Erfahrungen und sich ergänzender Schwer-punkte. Auch liegen wissenschaftliche Ausarbeitungen von beteiligten Personen zu den zentralen Elementen des Projekts vor.

Die jungen Flüchtlinge sind Novizen in einer modernen Gesellschaft und kommen in der Regel aus Gesellschaften, die sich durch die Mischung von modernen und traditionellen Elementen auszeichnen. Sie bilden ihre Identität weiter in der Auseinandersetzung mit ihrer Biografie, den gegenwärtigen Zugehörigkeiten und den Erwartungen und Hoffnungen für die Zukunft. Das Projekt stärkt ihre Kompetenzen, sich diesen Aufgaben zu stellen.

Schon bisher liegt ein Schwerpunkt der Arbeit der drei Organisationen des Projektverbunds auf der Bearbeitung dieser Perspektiven. Dabei stehen bisher die Förderung des Spracherwerbs und der Kompetenzen zur Bildung im Vordergrund (IBBO), die Bewältigungsanforderungen von Schritten in die Gesellschaft (Mentoring) und die Aufnahme von Beziehungen zu Gleichaltrigen sowie Unterstützung und Interessenvertretung (save me) im Vordergrund. Diese Schwerpunkte werden weiterentwickelt und in gemeinsamen Reflexionsschleifen der beteiligten Fachkräfte und Ehrenamtlichen systematisiert. In den Projekten ist dafür hinreichend genügende pädagogische, psychologische und sozialwissenschaftliche Kompetenz vertreten.

Darüber hinaus werden wir unsere bisherigen Aktivitäten fortsetzen und sie laufend dem sich ändernden Bedarf für eine erfolgreiche Integration der der geflüchteten Menschen in unsere Gesellschaft anpassen.

 

4. Zusammenfassung

Kernaktivitäten von drei hauptamtlichen und über 50 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ÖFO e.V. sind derzeit:

  • Betrieb des Interkulturellen Bildungs- und Begegnungszentrums in der Oberstadt (IBBO): Ganzheitliches Integrationskonzept in Form von Sprachförderung durch Kurse und Einzelförderung, Begleitung zu Schulabschlüssen, Arbeitsmarktintegration sowie Einbindung in das soziale Umfeld in Form eines interkulturellen Austauschs, Anlaufstelle, individuelle Hilfepläne

  • Betreuung der Bewohner im Allianzhaus in Koordination mit dem von der Stadt Mainz beauftragtem DRK durch die ÖFO Gruppe MIA – Mainzer Initiative Allianzhaus: Koordination der Aktivitäten der ehrenamtlichen Arbeit im Allianzhaus

  • Zusammenarbeit mit kirchlichen und staatlichen Institutionen wie Caritasverband, Haus Delbrel und Beratungszentrum St. Nikolaus, Stadt Mainz, Bundesagentur für Arbeit, sowie Schulen und Kindergärten, Begleitung bei Behördengängen, Einbindung in örtliche Vereine

  • Hilfe bei der Beschaffung benötigter Güter des täglichen Lebens

  • Netzwerk mit allen wichtigen Akteuren der Mainzer Flüchtlingshilfe

  • Patenschaften mit Flüchtlingen, die in Wohnungen untergebracht sind

  • Unterstützung in der Alltagsbewältigung

  • Orientierung und Strukturen in der neuen Lebenswelt

  • über Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit den Kontakt zur Bevölkerung herstellen und pflegen

Weitere offene Angebote:

  • Café Kontakt: Dort begegnen sich Flüchtlinge aus vielen Unterkünften. Sie stehen für Beständigkeit, Fürsorge, Offenheit, Begegnung.

  • Café Help hilft dabei die persönlichen Unterlagen zu sichten, zu ordnen, Kontakt mit Behörden und die Suche nach einer Wohnung oder nach Einrichtungsgegenständen zu begleiten.

Erreichte Teilnehmer seit 2017

  • 1322 Teilnehmer an Aktivitäten des IBBOs

  • Schwerpunktländer Afghanistan, Eritrea, dem Irak, Iran, Sri Lanka und Syrien

  • 660 Männer und 334 Frauen sowie Kinder

 

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Tätigkeit der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Oberstadt e.V. finden Sie unter https://oefo.net/.