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Bischof Kohlgraf übernimmt weitere politische Patenschaft

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf (rechts) hat eine weitere politische Patenschaft übernommen. Organisiert hat sie Behrouz Asadi
Datum:
Fr. 23. Okt. 2026
Von:
hoff (MBN)

Mainz/Maschhad (Iran). Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf übernimmt eine weitere Patenschaft für eine politisch verfolgte Frau und fordert ihre Freilassung. Mahboubeh Shabani ist nach Angaben mehrerer Menschenrechtsorganisationen 33 Jahre alt und stammt aus der iranischen Stadt Maschhad. Mit Mahboubeh Shabani übernimmt Bischof Kohlgraf zum fünften Mal eine politische Patenschaft. 

„Hier steht eine Frau vor uns, die nach den Berichten verletzten Menschen geholfen hat, die berufliche Pläne für ihre Zukunft hatte und die nun mit der Todesstrafe konfrontiert ist“, betonte der Menschenrechtsaktivist Behrouz Asadi, der vor einem Jahr das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, bei einem Treffen im Bischofshaus am Freitag, 23. Oktober. Asadi hat die Patenschaft vermittelt. Bischof Kohlgraf: „Mit diesem Unrecht kann ich mich nicht mit abfinden. Ob eine politische Patenschaft hilfreich ist, kann ich nicht beurteilen. Es gar nicht erst versuchen, halte ich aber für den falschen Weg.“

 

Während der landesweiten Proteste im Januar 2026 soll Shabani mit ihrem eigenen Motorrad verletzte Menschen zu Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen transportiert haben. Am 2. Februar 2026 wurde sie von Sicherheitskräften festgenommen. Nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen soll sie bei der Festnahme geschlagen und anschließend längere Zeit in Einzelhaft gehalten worden sein. Am 26. September 2026 wurde ihrem Rechtsanwalt ein Todesurteil mitgeteilt, das die Erste Kammer des Revolutionsgerichts von Maschhad ausgesprochen hatte. Nur zwei Tage später wurde sie nach Angaben von Iran Human Rights erneut in Einzelhaft verlegt.

 

Vor ihrer Festnahme war sie nach Berichten von Iran Human Rights an mehreren Bauprojekten beteiligt und bereitete sich auf eine berufliche Prüfung im Ingenieurwesen vor. Ihre Eltern sollen bereits verstorben sein. Menschenrechtsorganisationen beschreiben sie deshalb als eine Frau, die in ihrer schwierigen Situation nur über begrenzten familiären Rückhalt verfügt.

 

Hintergrund: Politische Patenschaften

Bischof Kohlgraf hatte bereits im Jahr 2022 im Rahmen des Patenschaftsprojektes der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erstmals politische Patenschaften für zwei Gefangene im Iran übernommen. Aktuell setzt er sich außerdem noch für Arian Farzamnia und Mahmoud Mehrabi ein. Im April 2026 übernahm er eine weitere politische Patenschaft für die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh. Sotoudeh wurde bald darauf wieder aus dem Gefängnis entlassen. Reza Nowrozi, für den sich Kohlgraf eingesetzt hatte, war nach Angaben der IGFM im Mai 2023 ebenfalls aus dem Gefängnis entlassen worden. Shabani ist die fünfte Patenschaft, die Kohlgraf übernimmt.

 

Seit dem Jahr 2009 hat die IGFM bereits über 300 politische Patenschaften initiiert und 2011 ein Programm für Patenschaften gestartet. Die IGFM leistet seit Jahrzehnten Einzelfallarbeit und setzt sich für politische Gefangene weltweit ein. Der Menschenrechtsaktivist Behrouz Asadi, der sich seit vielen Jahren für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte im Iran einsetzt, hat mehrere dieser politischen Patenschaften maßgeblich vermittelt und begleitet und engagiert sich weiterhin persönlich für das Schicksal der betroffenen politischen Gefangenen.