Liederabend und Diskussion mit Bischof Peter Kohlgraf zum Thema „Queere Kunst“:„Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes, ganz unabhängig von der Art, wie er lebt“


Der Abend in der Kakadu Bar neben dem Mainzer Staatstheater stand unter der Überschrift „Queere Kunst – Fragen an Gesellschaft, Kultur und Kirche. Liederabend und Podiumsdiskussion“. Veranstalter war das Staatstheater Mainz in Kooperation mit der Akademie des Bistums Mainz im Rahmen der „Echt?!“-Themenwochen, QueerNet-RLP e.V., Bund der Deutschen Katholischen Jugend Mainz (BDKJ), Queer in Church, Katholische Hochschulgemeinde (KHG) Mainz, Evangelische Studierendengemeinde Mainz, Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit e.V., Netzwerk katholischer Lesben e.V. und Caritasverband Mainz e.V.
Dr. Antke Engel verwies darauf, dass ein zentraler Aspekt der queeren Bewegung seit den 1990er Jahren die Perspektivverschiebung sei, „denn wieso sollte nur eine heterosexuelle Beziehung normal sein“, sagte Engel: „Wir stellen Normalitätsvorstellungen in Frage und das ist Teil dessen, was wir in die Gesellschaft hineintragen.“ Engel hat 2006 das Institut für Queer Theory gegründet und leitet dieses seitdem. Die Mainzer Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs hob hervor, dass Kim de l’Horizon im Jahr 2022 erstmals eine non-binäre Person mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden ist. In der Folge kam es insbesondere im Internet zu zahlreichen Angriffen auf die Person. Schmidt-Friderichs war von 2019 bis 2025 Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Carl Grübel, Ensemble-Mitglied des Mainzer Schauspiels, zeigte im Rahmen des Abends Teile des Pop-Liederabends „Lippenbekenntnisse“, begleitet von Jacob Bussmann am Klavier. Im Mai 2023 war Grübel auf dem Mainzer Tritonplatz vor dem Staatstheater attackiert und verletzt worden: Die Polizei dokumentierte die Tat als homophoben Angriff. In seinem 2025 uraufgeführten autofiktionalen Programm „Lippenbekenntnisse“ verarbeitet Grübel den Überfall. „Ich bin froh, dass ich das Projekt gemacht habe“, sagte Grübel auf dem Podium. Es sei zum einen ein privater Antrieb gewesen, zum anderen aber auch ein politischer, da die Zahlen queerfeindlicher Angriffe stiegen und die Dunkelziffer sehr hoch sei. Ab Januar 2027 steht das Stück „Lippenbekenntnisse“ wieder auf dem Spielplan des Staatstheaters. Das Konzept der Veranstaltung stammt von Privatdozentin Dr. Marita Liebermann, Co-Direktorin der Akademie des Bistums Mainz, die auch die Moderation der Diskussion übernommen hat.