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„Was brauchen Menschen von der Kirche?“

Podium in Klein-Winternheim zum Thema „Was brauchen Menschen von der Kirche?“. Von links nach rechts: Mirjam Justinger, Lucia Puttrich, Werner Eckert, Stephanie Rieth und Norbert Himmler
Datum:
Fr. 6. Nov. 2026
Von:
hoff (MBN)

Klein-Winternheim. „Wir haben einen Wert für diese Gesellschaft, auch wenn uns das nicht immer vollumfänglich bewusst ist“. Das sagte die Bevollmächtigte des Generalvikars, Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Was brauchen Menschen von der Kirche?“ am Donnerstag, 5. November, in Klein-Winternheim. Im Rahmen des Jubiläums 125 Jahre St. Andreas in Klein-Winternheim hatte die Pfarrei in das Rathaus eingeladen. Auf dem Podium saßen neben Rieth auch Lucia Puttrich, ehemalige Hessische Umwelt - und Europaministerin (CDU), ZDF-Intendant Dr. Norbert Himmler, und Mirjam Justinger, Pastorin der freikirchlichen Christusgemeinde in Gau-Algesheim. Moderiert wurde der Abend von Werner Eckert, ehemaliger Radio- und Fernsehjournalist des ZDF.

 

Bevollmächtigte des Generalvikars, Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth, bei der Podiumsdiskussion in Klein-Winternheim

Zunächst stellte Eckert die Frage, welche Funktion die Kirche aus Sicht der Podiums-Gäste habe. Rieth erläuterte, es gehöre zu den Kernaufgaben der Kirche, „Orientierung, Zuversicht und Perspektive zu bieten“. Gerade in diesen schwierigen Zeiten sei dies eine zentrale Aufgabe der Kirche. Justinger unterstrich, dass der Glaube für sie von essenzieller Bedeutung sei. Sie sagte wörtlich: „Kirche ist ein Vehikel für meinen Glauben. Sie ist für mich ein Ort der Ermutigung, wo ich sein darf, wie ich bin, Vergebung erfahre und geistige Heimat finde.“ Puttrich beklagte, dass ihr die Seelsorge zu kurz komme in der Kirche. Es sei wichtig, den Menschen Lust auf den Glauben zu machen. „Es ist wichtig, Menschen auf den Geschmack zu bringen und sie zum Kern des Evangeliums hinzuführen“, pflichtete Justinger ihr bei.

In Bezug auf die Forderung, die Kirche solle sich stärker sozial engagieren, mahnte ZDF-Intendant Himmler: „Die Kirche ist keine Sozial-Boutique. Eine reine Service-Mentalität ist problematisch, wir dürfen Kirche nicht darauf reduzieren. Denn das führt dazu, dass das große bestehende Engagement vieler Haupt- und Ehrenamtlicher zu wenig gewürdigt wird.“ Rieth betonte in diesem Zusammenhang, dass es wichtig sei, nicht nur über soziales Engagement zu sprechen, sondern „es Menschen spüren und erleben zu lassen“. Als Beispiel nannte sie ein Frauenzentrum des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Gießen, das sie kurz zuvor besucht hatte. „Damit Frauen und ihre Kinder Krisen bewältigen können, braucht es solche lebensnahen und niedrigschwelligen Beratungs- und Schutzangebote genauso wie sichere Wohn- und Lebensbedingungen“, erklärte sie. Dafür setze sich das Frauenzentrum auf eindrucksvolle Weise ein. Und dies sei nur eines von vielen Beispielen, wie die Kirche Menschen auch in schwierigen Situationen unterstütze.

Zukunft der Kirche

„Ich glaube, wenn die Kirche so bleibt, wie sie ist, dann ist sie verloren“, sagte Lucia Puttrich zum Thema Reformbedarf der Kirche. Ihre Tochter würde nicht gerne in den Gottesdienst gehen, weil dieser langweilig sei, so die ehemalige Umwelt - und Europaministerin. Rieth sagte dazu, es sei eine Herausforderung, mit den größer werdenden Räumen in Kombination mit Personalmangel umzugehen. Ziel sei es, „Gemeinschaftserlebnisse auch in größeren Räumen zu ermöglichen“. Himmler gab zu bedenken, dass es schwierig sei, eine so große Organisation wie die katholische Kirche zu reformieren. Schließlich sei es eine Weltkirche. „Aber ich nehme wahr, dass sich viele Bistümer auf den Weg gemacht haben, um Reformen umzusetzen“, sagte er. Eine Stimme aus dem Publikum gab zu bedenken: „Die Kirche, das sind wir. Wir müssen dafür sorgen, dass wir mit den Menschen um uns herum in Kontakt kommen und sie unsere Solidarität spüren können.“

 

Hinweis: Die Podiumsdiskussion war Teil des Festprogramms zum 125-jährigen Jubiläum der Sankt Andreas-Kirche. Zum Abschluss der Feierlichkeiten feiert der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Montag, 30. November, um 18.30 Uhr ein Pontifikalamt in der St. Andreas-Kirche.