Bischof Kohlgraf an Allerseelen im Mainzer Dom / Gang zu den Bischofsgräbern:„Wir begleiten die Verstorbenen im Gebet“


Mainz. „Am Glauben an die Auferstehung hängt der gesamte christliche Glaube. Heute am Allerseelentag feiern wir diesen Glauben. Die unzähligen Menschen leben nicht, weil wir ihrer gedenken, sondern weil sie, von Gott geschaffen, in seiner Liebe bleiben.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf beim Allerseelen-Gottesdienst am Montagmorgen, 2. November, im Mainzer Dom.

„Allerseelen lässt unseren Standpunkt prüfen, unseren Standpunkt zum Leben und zum Sterben“, betonte Kohlgraf. „Wenn Himmel Gemeinschaft, Barmherzigkeit und Versöhnung ist, kann ich hier beginnen, dies zu leben. Wenn Himmel bedeutet, abzugeben und loszulassen, kann ich hier beginnen, nicht an mir und meinem Besitz zu klammern. Wenn Himmel bedeutet, nicht nur auf meine Kraft zu setzen, kann ich hier beginnen, nach dem Wohl eines anderen zu fragen und so zu handeln.“
Weiter sagte der Bischof in seiner Predigt: „Heute gedenken wir aller Verstorbenen. Wir richten den hoffnungsvollen Blick auf die ewige Heimat. Wir begleiten die Verstorbenen im Gebet, sodass Gemeinschaft zwischen Himmel und Erde entsteht. Hier sind wir im Glauben, nicht im Schauen. Glauben ist aber bereits Beziehung und Vertrauen. Beziehung wird im Tod nicht enden, sie wird eher vollendet. So bete ich gerne für die Toten und stelle mein Leben neu in diese Beziehung und Gemeinschaft.“

Nach der Eucharistiefeier ging Kohlgraf gemeinsam mit den Konzelebranten und den Gläubigen zu den Gräbern der Bischöfe im Mainzer Dom. Dabei besprengte Bischof Kohlgraf jedes Grab mit Weihwasser. An jedem Grabstein war außerdem eine Kerze aufgestellt. Die Prozession führte vom Westchor über den Mittelgang des Domes auf den Domfriedhof, in die Memorie zum Kettelergrab und schließlich in die Bischofsgruft unter dem Hauptaltar. Musikalisch wurde das Pontifikalrequiem gestaltet mit Männerstimmen der Chöre am Dom unter Leitung von Domkapellmeister Professor Karsten Storck sowie Domorganist Professor Daniel Beckmann an der Domorgel.
Stichwort: Allerheiligen (1.11.) / Allerseelen (2.11.)

An Allerheiligen (1. November) ehrt die Kirche nicht nur alle offiziell heiliggesprochenen Menschen, sondern auch die Menschen, die ein christliches Leben geführt haben, ohne dass ihre Lebensführung einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Allerheiligen ist zunächst kein Tag des Totengedächtnisses, sondern feiert das neue Leben, das die Heiligen führen und das allen Christen verheißen ist. Vielfach ist der Tag durch den Gang zu den Gräbern von Angehörigen geprägt. Der Allerseelentag am 2. November gilt dem Gedächtnis der Verstorbenen.
Bereits im vierten Jahrhundert ist bei Johannes Chrysostomos von Antiochien ein „Herrentag aller Heiligen“ bezeugt. Seit dem neunten Jahrhundert wird Allerheiligen am 1. November gefeiert. Allerseelen geht auf Abt Odilo von Cluny zurück, der 998 einen Gedenktag anordnete für alle verstorbenen Gläubigen von Klöstern, die Cluny unterstellt waren. Zusammen mit dem staatlichen Volkstrauertag zum Gedächtnis der Toten der Weltkriege und dem Totensonntag (auch: Ewigkeitssonntag) machen Allerheiligen und Allerseelen den Monat November zum Monat des Totengedenkens. Allerheiligen ist gesetzlicher Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.