Kirchhof betonte die Bedeutung der Kirche als „Navigator für eine innere moralische Bindung“ der Menschen. „Denn wenn jeder nur selbstbezüglich lebt, hat unser freiheitliches Verfassungskonzept keine Zukunft.“ Inzwischen sei die Trennung von Staat und Kirche „fast alltäglich“, allerdings sei das Miteinander heute gefährdet durch einen „militanten Laizismus“, welcher der Kirche keinen Raum geben wolle. Das aber sei „wider die Neutralität des Staates“, sagte Kirchhof, da auch alle Religionen die gleiche Berechtigung hätten.
Er erinnerte an die Aussage von Ernst-Wolfgang Böckenförde („Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“) und fügte hinzu, dass der Staat auch von Voraussetzungen lebe, „die er selbst hegen und pflegen muss“. Weiter sagte er: „Wenn ein Kind nicht in den Raum des Religiösen geführt worden ist und nicht weiß, was Religion ist, dann kann es auch das Angebot der Religionsfreiheit nicht annehmen. Deswegen müssen wir uns anstrengen, dass wir den Kindern religiöse Fertigkeiten mitgeben.“
Kirchhof konstatierte, dass auch die Kirche an einem „Wendepunkt“ sei, der in den großen Kirchenaustrittszahlen deutlich werde. Als die beiden großen Probleme benannte er die Missbrauchsverbrechen und das Kirchenrecht, „dessen Anforderungen an die Priester in eine priesterlose Zukunft führen wird“. Und weiter: „Wir können nicht so fortfahren wie bisher. Und mit Blick auf die Weltkirche ist das eine schwere Aufgabe.“ Die Lösung liege nicht in der Zentralisierung, „sondern unsere Bundesstaatlichkeit zeige, dass sich Freiheit in Vielfalt entfaltet“. Der Synodale Weg in der Kirche zeige sich als „Weg des Miteinanders“, sagte Kirchhof. „Es tut sich etwas und wir dürfen hoffnungsvoll sein.“