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Schmuckband Rad

Adventskalender 21

Paul Gerhardt

Chor der Engel, Romanisches Fresco, Nationalmuseum Barcelona (c) Ronald Ashley Givens
Chor der Engel, Romanisches Fresco, Nationalmuseum Barcelona
Sa 21. Dez 2019
Pfarrer Ronald Givens

21 Dezember

Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt (Mt 2,10)

Von Selma Lagerlöff gibt es eine Erzählung, in der berichtet wird, wie in der Weihnachtsnacht eine kleine Gruppe sich auf den Weg macht, um von ihrem Gehöft zur Kirche zu ziehen. Ein junges Paar hat sein Kind dabei, und immer wieder ist der Mann mit seinen Gedanken bei der Heiligen Familie und es verschwimmen ihm die Gegenwart mit der biblischen Erzählung.

So wächst unterwegs im dunklen Wald die Sorge um das eigene Kind, als er sich ausmalt wie gefährdet das Jesuskind durch Herodes, durch Kälte und Nacht, gewesen ist. Die dunklen Bäume des Waldes, durch die die Gruppe mit ihren Fackeln mitten in der Nacht ziehen muss, um rechtzeitig am Weihnachtsmorgen in der Kirche zu sein, werden ihm zu Trollen, die mit dunklen Ästen wie Hände, nach dem Kind greifen wollen.

Obgleich er nicht singen kann, stimmt er jetzt, im dunklen Wald ein Weihnachtslied an. Die anderen in der Gruppe wundern sich über ihn, der sonst in der Kirche nie mitsingt, und der nur schwer die Melodie trifft. Aber sie setzen mit ein und als alle singen, fühlt er sich mit seiner Angst und in seiner Sorge um das Kind durch das Lied getragen. War ihm der Wald vorher unheimlich, so verlieren die Schatten, die dunklen Bäume, ihr dämonisches Aussehen durch das gemeinsame Singen.

Warum, weiß ich nicht, aber in diesem Advent habe ich sehr oft das Lied gesungen: „wie soll ich dich empfangen?“ Immer wieder einfach so habe ich dieses Lied von Paul Gerhardt gesungen. Es hilft mir mich auf Weihnachten zu freuen, gerade dann wenn sich Weihnachten mir entzieht. Dieses Lied ist mein leuchtender Stern.

Je näher Weihnachten rückt, und damit die großen Gottesdienste, und all die vielen Erwartungen, umso mehr spüre ich, mit jedem Jahr mehr, dass mir das wirklich eine Frage ist: wie soll ich dich empfangen, und wie begegne ich dir? Am liebsten würde ich einfach „nur“ im Gottesdienst schweigen und miteinander singen.

 

Wie soll ich dich empfangen

und wie begegn ich dir,

o aller Welt Verlangen,

o meiner Seelen Zier?

O Jesu, Jesu, setze

mir selbst die Fackel bei,

damit, was dich ergötze,

mir kund und wissend sei. (Paul Gerhardt)