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Lourdes

Sprache

Bild einer Frau an einer Hauswand, Marrakesch (c) Ronald Ashley Givens
Bild einer Frau an einer Hauswand, Marrakesch
Do 13. Feb 2020
Pfarrer Ronald Givens

Gestern war der Gedenktag „unserer Lieben Frau von Lourdes“. Dieser Tag erinnert an die „Geburt“ des französischen Wallfahrtsortes, zu dem bis heute Zehntausende pilgern, vor allem diejenigen, die an Leib oder Seele erkrankt sind. Vom Gebet, vom Gottesdienst und vom Wasser aus der heiligen Quelle erhoffen sie sich Heilung, Trost und Stärkung in ihrer Krankheit oder in ihrem Leid.

Maria ist an diesem Ort dem jungen Mädchen Bernadette immer wieder erschienen. Die meisten der Begegnungen waren schweigend. Am Anfang dieses heiligen Ortes standen sehr wenige Worte. Bernadette hat in den Begegnungen, im Schweigen, in den wenigen Worten, die gewechselt wurden in ihrem Herzen eine tiefe Kraft empfangen, dass das, was sie gehört hat, und das, was sie gesehen hat, auch wahr ist.

Schon sehr lange bewegt mich, dass im öffentlichen Raum ein Umgang und ein Sprechen möglich geworden ist, bei dem vor ein paar Jahren sich noch alle Beteiligten geschämt hätten: über die Wortwahl und über das Sprechen über andere. Immer weiter wurden die Grenzen verschoben, wurden Tabus gebrochen. Viele nehmen wie ich hilflos wahr, welches Sprechen und welche Unwahrheiten möglich geworden ist.

Es gibt ein heilendes Sprechen. Dieses Sprechen beginnt mit dem Willen zum Zuhören und zum Verstehen. Bernadette war eine Hörende. Gerade am Krankenbett oder in einer schwierigen Lebenssituation erlebe ich, dass Menschen vor allem jemanden brauchen, der zuhört. Zum heilenden Sprechen gehört des Weiteren für sich selber zu klären, um was geht es mir? Dient mein Sprechen einem gemeinsamen Gespräch? Oder ist mein Sprechen ein Monolog, bei dem ich gar nicht hören möchte, was der andere zu sagen hat. Geht es mir um den Effekt, um die Schlagzeile, um das gleißende Licht des Triumphes?

In unserem Land gibt es wieder Angst vor den Worten. Zuerst gesprüht auf Hauswände, auf jüdische Grabsteine, an Gotteshäuser. Dann ausgesprochen auf der Straße, in Zeitungen, in Parlamenten, im Fernsehen. Schließlich verkürzt und zur Wortwaffe umgeschmiedet in den „un“sozialen Medien. Jetzt erleben wir den nächsten Schritt: aus Worten werden zunehmend Taten.

In Lourdes fließt aus der Quelle reines Wasser. Es bringt Heilung. Auch wenn die Welt teilweise einen anderen Weg geht, ist es für diejenigen, die versuchen Jesus Christus nachzufolgen, umso wichtiger ein Sprechen einzuüben, und sich immer wieder selbst daran zu erinnern, das rein und das auch heilend sein möchte.

Eine schmutzige Sprache beschmutzt nicht nur den, gegen den sie gerichtet ist, sondern vor allem den, von dem sie ausgeht. Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt der Versuchung zu widerstehen, sich an einem Sprechen zu beteiligen, das andere herabwürdigt, sich nicht mehr um die Wahrheit kümmert und nicht mehr rückgebunden ist an das Herz und an das Gewissen.

Die Muttergottes von Lourdes ist die Patronin der Kranken. Ich persönlich bete oft zu ihr. Ich bitte Sie auch immer wieder um Ihre Hilfe, dass es eine Bekehrung im Sprechen gibt. Damit unsere Gesellschaft nicht noch kränker wird. Damit der Hass und die Lüge nicht noch mehr unser Zusammenleben und unser Sprechen vergiften. Mögen die gesegnet sein, die zuhören können und die sich so zu sprechen mühen, dass Gutes von ihnen ausgeht.