Katholische Kirche Viernheim
Pfarrei Johannes XXIII. Viernheim
Pfarrei St. Hildegard – St. Michael Viernheim

Schmuckband Kreuzgang

Nächstes Jahr in Jerusalem

Pilgerreise 15

Familiengrab in der Jerusalemer Grabeskirche (c) Ronald Ashley Givens
Familiengrab in der Jerusalemer Grabeskirche
Fr 10. Apr 2020
Pfarrer Ronald Givens

Virtuelle Pilgerreise 2020, 15 - Worte

Matthäus: 

Bist du der König der Juden? Du sagst es. Willst Du denn nichts dazu sagen? Sieh doch, wie viele Anklagen sie gegen dich vorbringen. Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse? Was soll ich denn mit dem tun, den ihr den König der Juden nennt? Kreuzige ihn! Was hat er denn für ein Verbrechen begangen? Kreuzige ihn! Sei gegrüßt, König der Juden! Ach, du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Rette dich selbst und steig herab vom Kreuz! Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten: Der Christus, der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben. Eli, Eli, lema sabachtani? Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Hört, er ruft nach Elija! Lasst, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt. Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn. (aus Matthäus 27,45-56) 

Johannes: 

Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert. Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz! Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten. Bist du der König der Juden? Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt? Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. Also bist du doch ein König? Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Was ist Wahrheit? Ich finde keine Schuld an ihm. Ihr seid aber gewohnt, dass ich euch zum Paschafest einen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse? Nicht diesen, sondern Barabbas! Sei gegrüßt, König der Juden! Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finde. Seht, der Mensch! Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Nehmt ihr ihn und gekreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm. Wir haben ein Gesetz nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat. Woher bist du? Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen? Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat auch der eine größere Sünde, der mich dir ausgeliefert hat. Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf. Seht, euer König! Hinweg, hinweg, kreuzige ihn! Euren König soll ich kreuzigen? Wir haben keinen König außer dem Kaiser. Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. Frau, siehe dein Sohn! Siehe, deine Mutter! Mich dürstet. Es ist vollbracht!  (aus Johannes 18,28-19,30) 

 Anfang des Johannes Evangelium: 

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht. (aus Johannes 1,1-18) 

Ich habe Ihnen heute nur die wörtlichen Reden aus der Matthäuspassion und die wörtlichen Reden aus der Johannespassion aufgeschrieben. (Und als Ergänzung den Anfang des Johannesevangeliums) Für mich selbst war das sehr eindrücklich, nur das abzuschreiben, was die Handelnden in der Passion sprechen. Wahrscheinlich geht es Ihnen wie mir, dass sie auch ohne den übrigen Text, genau zuordnen können, wer was spricht. Eventuell haben sie auch noch einmal bewusst die Passion gelesen. 

Es ist erschreckend, wie deutlich zu spüren ist, was in diesen Worten alles mitschwingt. Innere und äußere Konflikte offenbaren sich in diesen Worten. 

Vielleicht gelingt es Ihnen in Ihrer Pilgergruppe, dass jeder einen Satz aussucht und erzählen kann, warum dieser Satz für das eigene Leben wichtig ist. Dieser Satz kann für eine Lebenssituation stehen, für eine Auseinandersetzung, für ein Bekenntnis, für eine Lüge, für eine Sorge, für eine Enttäuschung, für eine Hoffnung ... 

Vor ein paar Jahren haben wir die Kreuzverehrung in der Form gefeiert, dass einer nach dem anderen vor das Kreuz hingetreten ist und laut ausgesprochen hat: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 

Ich habe bis heute im Ohr wie unterschiedlich die Menschen diesen Satz vor dem Kreuz gesprochen haben: Manch einer flüsternd, andere kraftvoll, andere konnten ihn gar nicht vollenden, manch einer mit Tränen, und, und, und ... Mir war es, als würde jede und jeder das ganze eigene Leben, seine persönliche Not und Tragik, seine Liebe und seinen Glauben in diesen Satz legen und dem Kreuz anvertrauen. 

Heute werden die Glocken nicht läuten. Sie schweigen seit gestern Abend, als Jesus nach dem Letzten Abendmahl im Garten Gethsemane verhaftet worden ist. 

Ich lade Sie dennoch ganz herzlich ein, auch am Karfreitag den Angelus zu beten. Und ich möchte Sie einladen, mit allen, die mit mir Verantwortung für unsere Pfarrei tragen, ganz bewusst vor ein Kreuz hinzutreten und den Satz aus der Passion vor dem Kreuz auszusprechen, der für Ihr Leben heute wichtig ist. 

Bewusst habe ich an den Kartagen die Einleitung weggelassen. Ich werde aber eine Beschreibung der Grabeskirche nachliefern, damit die, die noch nie dort waren, sie ebenfalls kennenlernen, und die, die dort waren, im Erinnern das Heilige dieses Ortes in sich wachrufen. 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Pilgertag.

In diesem Sinne: L'Shana Haba'ah B'Yerushalayim (לשנה הבאה בירושלים)

Ihr Pfarrer Dr. Ronald Ashley Givens

 

Wenn Sie ein Gebetsanliegen haben, das wir ins gemeinsame Gebet nehmen sollen, dann schreiben Sie uns. Die Mailadresse lautet: gebetsanliegen.kath.kirche.viernheim@outlook.de

 

Kapelle über dem Grab Jesu in der Grabeskirche Jerusalem (c) Ronald Ashley Givens