Regelmäßige Führung zu den Highlights des Mainzer Dom- und Diözesanmuseums:„1.000 Jahre in 60 Minuten“


„Das Mittelalter war bunt“, betonte Faulstich: So können die Besucher an einem mittelalterlichen Altar aus der Michaelskapelle des Domes oder an einem über 500 Jahre alten Wandteppich etwas über die besondere Farbigkeit des Mittelalters entdecken. Startpunkt der Führung ist die Gewölbehalle des Museums aus dem 11. Jahrhundert: der älteste profan genutzte Raum in der Stadt Mainz. Dort hören die Besucher unter anderem Geschichten zu den Figuren der Lettner-Fragmente aus der Werkstatt des Naumburger Meisters, die noch von der Domausstattung des 13. Jahrhunderts erhalten sind.
Auch die monumentale Kreuzigungsgruppe aus der Werkstatt von Hans Backoffen im Obergeschoss des Kreuzgangs ist Teil der Führung. Bis 1995 befand sich das Original neben der Kirche St. Ignaz in Mainz, wo heute eine Kopie aufgestellt ist. Mit dem Drehtabernakel aus dem Mainzer Altmünsterkloster führt der Weg zu einer sehr kunstvollen und aufwändigen Arbeit aus der Werkstatt von Abraham Roentgern, einer der bedeutendsten Kunstschreiner im 18. Jahrhundert. Aber auch moderne Werke bringt Sabrina Faulstich bei ihrer Führung näher, etwa die Büchertreppe von Jochen Höller im Eingangsbereich des Museums oder das von Johannes Schreiter zur großen Kreuzzugsausstellung im Jahr 2004 entworfene Glasfenster im Treppenhaus.

Ältestes Ausstellungsstück ist die Kasel des Domerbauers, Erzbischof Willigis, aus goldfarbener Seide, die um das Jahr 1.000 datiert wird. Bis 1962 wurde das liturgische Gewand in der von Willigis gegründeten Mainzer Stiftskirche St. Stephan aufbewahrt und bis 1942 sogar noch in der Messfeier am Festtag des Heiligen getragen. Faulstich wies besonders auf die Lebendigkeit einiger Exponate des Domschatzes hin. Sie werden bis heute in der Domliturgie zu besonderen Anlässen benutzt: etwa der Kelch aus der sogenannten Napoleonsgarnitur, an Fronleichnam die große, barocke Prunkmonstranz oder der Bischofsstab von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler, den der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf regelmäßig bei Gottesdiensten im Mainzer Dom benutzt.

Die nächste Führung „1.000 Jahre in 60 Minuten“ findet am Sonntag, 4. Oktober, um 11.30 Uhr statt. Für die Führung wird jeweils um vorherige verbindliche Anmeldung gebeten; der Rundgang kostet fünf Euro sowie den ermäßigten Museumseintritt – insgesamt acht Euro pro Person. Darüber hinaus bietet die Museumspädagogik des Hauses eine große Vielfalt an Führungen und Veranstaltungen an, mit einem besonderen Angebot für Kinder und Schulklassen. Unter anderem stehen am Samstag, 31. Oktober, ab 18.00 Uhr im Rahmen der „Langen Nacht der Heiligen“ wieder halbstündlich die beliebten Taschenlampentouren durch den Mainzer Dom auf dem Programm. Neben der Dauerausstellung wird aktuell noch bis zum 23. September in der historischen Kapitelstube die Porzellan-Ausstellung „Weißes Gold. Meisterstücke und Materialdesign“ gezeigt.
Das Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum Mainz war durch Beschluss des Mainzer Domkapitels am 28. Oktober 1924 gegründet worden. Bereits acht Monate später - am 12. Juni 1925 – konnte das Mainzer Dom- und Diözesanmuseum in den ehemaligen Kapitelsälen am Domkreuzgang eröffnet werden. Mit einer Ausstellungsfläche von mittlerweile über 3.000 Quadratmetern gehört es zu den fünf größten Diözesanmuseen in Deutschland. Aus den 208 Exponaten des Eröffnungstages sind mittlerweile über 30.000 Exponate geworden.