Jährliche Sitzung der Diözesanversammlung im Erbacher Hof:Demokratie stärken – aus christlicher Zuversicht


Der Text unter der Überschrift „Demokratie stärken – aus christlicher Zuversicht“ wurde einstimmig bei acht Enthaltungen verabschiedet und hat folgenden Wortlaut:
„Angesichts der Wahlen in Sachsen-Anhalt und der gesellschaftlichen Entwicklung in unserem Land bekennen wir uns als Diözesanversammlung des Bistums Mainz aus unserem christlichen Menschenbild heraus zu einer demokratischen, vielfältigen und toleranten Gesellschaft.
Wir wollen die Stärken und positiven Seiten unserer Demokratie sichtbar machen und aus einer Haltung der Zuversicht über unser Land sprechen.
Pfarreien, Verbände und Kirchorte sollen Räume für Begegnung, Dialog und demokratische Erfahrungen sein. Dabei sollen auch Kritik und Enttäuschungen ernst genommen und Wege zu mehr Vertrauen und demokratischer Teilhabe eröffnet werden.
Die Diözesanversammlung bittet die AG ,Demokratie fördern - dem Extremismus widerstehenʼ, hierfür gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Diözesanversammlung eine praxisnahe Handreichung zu entwickeln, die Pfarreien, Verbänden und Kirchorten konkrete Anregungen für Begegnung, Dialog und demokratische Teilhabe gibt.“

Bereits zum Auftakt der Diözesanversammlung am Freitagabend, 11. September, hatte sich das Gremium dem Thema gewidmet. Nach einem Impuls von Hildegard Eckert, Sprecherin des Rats der Katholikinnen und Katholiken und Mitglied der AG „Demokratie fördern - dem Extremismus widerstehen“, setzten sich die Delegierten mit der Frage auseinander: „Was können wir gemeinsam im Bistum Mainz tun, damit Demokratie lebendig bleibt und Extremismus keinen Raum gewinnt?“ Nach einem „Synodalen Gespräch im Geist“ wurden zahlreiche Gedanken zu der Frage zusammengetragen und diskutiert, die dann in den Beschlusstext am Samstag mündeten.
Die sechs Sachausschüsse setzen ihre Arbeit fort
Außerdem hat das Gremium einstimmig beschlossen, dass die zunächst auf zwei Jahre eingerichteten Sachausschüsse auch die kommenden zwei Jahre der Legislaturperiode ihre Arbeit fortsetzen. Die thematische Arbeit der Diözesanversammlung erfolgt in den folgenden Sachausschüssen: „Kommunikation“, „Sozialpastoral“, Synodalität“, Kirchententwicklung“, Klimaschutz/Globale Beziehungen“ und „Ökumene“. Vertreter aller Sachausschüsse stellten in der Versammlung ihre bisherige Arbeit vor.
Umsetzung der revidierten Fassung der „Charta oecumenica“ im Bistum

Mit Blick auf die Ratifizierung der revidierten Fassung der „Charta oecumenica“, die am Dienstag, 15. September, in Berlin erfolgen wird, bildete die Ökumene einen Schwerpunkt des Treffens am Samstagvormittag. Die Ratifizierung findet auf Bundesebene in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale mit den Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) statt.
Der Dekan des evangelischen Dekanates Mainz, Andreas Klodt, stellte zusammen mit dem Ökumenereferenten des Bistums, Dr. Leandro Fontana, wesentliche Aspekte der revidierten Fassung vor. Fontana machte deutlich, dass die „Charta oecumenica“ einen Konsens auf europäischer Ebene bedeute und wegen der über 100 Beteiligten auch als Kompromisstext verstanden werden müsse. „Die ,Charta oecumenicaʼ ist eine gemeinsame Selbstverpflichtung europäischer Kirchen, die Einheit der Christen zu fördern und Gemeinschaft Verantwortung für Kirche, Gesellschaft und die Mitgestaltung Europas zu übernehmen“, sagte Fontana. Wesentliche Handlungsfelder sind darin: „nach Frieden und Versöhnung streben“, „die Schöpfung bewahren“, „mit Migranten, Flüchtlingen und Vertriebene unterwegs sein“ und sich „mit neuen Technologien auseinandersetzen“.

Bernd Lülsdorf, Regionalreferent der Region Südhessen im Bistum Mainz, regte die Delegierten anschließend mit der Arbeitsmethode „Liberating Structures“ dazu an, Möglichkeiten der Umsetzung der „Charta oecumenica“ vor Ort zu diskutieren und konkrete Ziele für sich zu benennen. Am Samstagvormittag hatte die Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Birgit Pfeiffer, ein Grußwort zu den Delegierten gesprochen.
Martinusempfang wird künftig Ehrenamt im Bistum Mainz würdigen
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hatte am Samstagvormittag das „flächendeckend, gute ökumenische Miteinander“, gewürdigt, das er im Bistum erlebe. Und weiter: „In manchen Fragen können wir dieses Miteinander sicher noch intensivieren. Gerade wenn wir gemeinsame ökumenische Texte veröffentlichen, haben diese dadurch ein größeres Gewicht.“ Bischof Kohlgraf wies im Laufe der Sitzung außerdem auf die geplanten Veränderungen beim jährlichen Martinusempfang des Bistums Mainz hin: „Wir wollen zu diesem Termin künftig unsere Wertschätzung und Anerkennung für das Ehrenamt in unserem Bistum zum Ausdruck bringen.“ Jeweils aus einer der vier Regionen des Bistums sollen künftig Ehrenamtliche zur Begegnung nach Mainz eingeladen werden, sagte Kohlgraf. In diesem Jahr findet der Martinusempfang am Sonntag, 15. November, statt. Die nächste Sitzung der Dizözesanversammlung im Bistum Mainz ist für Freitag/Samstag, 10./11. September 2027, terminiert.
Stichwort: Diözesanversammlung

Die Diözesanversammlung des Bistums Mainz tritt in der Regel einmal im Jahr zusammen. Sie gilt als „kleine Synode des Bistums“ mit seinen rund 580.000 Katholiken. Ihr gehören derzeit 125 Mitglieder an. Sie setzt sich unter dem Vorsitz des Bischofs aus den diözesanen Räten (Priesterrat, Rat der Katholikinnen und Katholiken und Delegierten der Konferenz der Leiter der Pastoralräume) und den Vertretern der Bistumsleitung zusammen. Hinzu kommen Vertreter der Orden, der Ständigen Diakone, der Pastoralreferentinnen und -referenten, der Gemeindereferentinnen und -referenten sowie des Diözesan-Caritasverbandes und des Beirates von Katholiken anderer Muttersprache. Außerdem können bis zu sieben Persönlichkeiten hinzugewählt werden. Die Organe der Diözesanversammlung sind der Vorstand mit dem Bischof als Vorsitzendem, der Diözesan-Pastoralrat (eine Art Hauptausschuss) und mehrere Sachausschüsse. Geschäftsführende Vorsitzende der Diözesanversammlung ist seit 2020 Dr. Susanne Barner.