Bentz: Introvertiertheit im kirchlichen Selbstverständnis aufbrechen

Vortrag des Mainzer Weihbischofs bei Karl Rahner-Tagung im Erbacher Hof

Mainz, 31. Januar 2020: Vortrag von Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz zum Thema „Die konkrete Kirche erfahren. Karl Rahner und Karl Lehmann“. (c) Bistum Mainz / Blum
Sa 1. Feb 2020
tob (MBN)

Mainz. Karl Rahner (1904-1984) und Karl Lehmann (1936-2018) sei es ein großes Anliegen gewesen, „die Gefahr der Introvertiertheit im kirchlichen Selbstverständnis aufzubrechen“. Das sagte der Mainzer Weihbischof und Generalvikar Dr. Udo Markus Bentz am Freitagabend, 31. Januar, im Kardinal Volk-Saal des Erbacher Hofes in Mainz. Rahner und Lehmann seien davon überzeugt gewesen, dass „Kirche immer überstiegen werden muss auf ihre Sendung in der Welt hin“. Lehmann habe einmal formuliert, dass „die größte Gefahr für Kirche ihre Selbstgenügsamkeit ist“.

Weihbischof Bentz sprach zum Thema „Die konkrete Kirche erfahren. Karl Rahner und Karl Lehmann“. Die Akademietagung stand unter der Überschrift „Glaube erfahren mit Karl Rahner“.

Ausgangspunkt der beiden Theologen sei das Verständnis von Kirche als sakramentaler Gegenwart Gottes und damit universelles Heilssakrament für die Menschen: Kirche habe daher einen wesentlich dienenden Charakter wodurch der missionarische Sendungsauftrag in den Mittelpunkt gerückt werde, erläuterte Bentz. Für Lehmann sei „der Kontakt in die Gesellschaft hinein ein Lebenselixir“ gewesen. „Für ihn sollte die Kirche ihren Auftrag inmitten der Welt erfüllen.“ Und weiter: „Alles Introvertierte im Kirchenverständnis setzte ihm zu.“

Das Erfahren von Kirche in vielfältigen Bezügen habe in besonderer Weise die Reflexion von Rahner und Lehmann über die Kirche geprägt. Die beiden bedeutendsten Ereignisse seien dabei das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) und die Würzburger Synode (1972-1975) gewesen. Dabei habe Rahner seine wesentlichen Gedanken vor dem Konzil entwickelt, Lehmann nach dem Konzil; die Zeit von der Würzburger Synode bis zu Lehmanns Bischofsweihe 1983 bzw. dem Tod von Karl Rahner 1984 stelle die große gemeinsame Schnittmenge dar. Lehmann war mehrere Jahre wissenschaftlicher Assistent von Karl Rahner. Unterschiedlich sei der Umgang der beiden mit der Frage der getrennten Kirchen gewesen. Während sich Rahner aufgrund negativer Erfahrungen aus dem ökumenischen Gespräch zurückgezogen habe, sei Lehmann als Bischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ständig mit dem Thema Ökumene konfrontiert gewesen.

Der Weihbischof hob besonders hervor, dass ein wesentlicher Unterschied in der Kirchenerfahrung der beiden darin liege, dass Rahner nie hierarchische Verantwortung in der Kirche hatte und Lehmann in besonderer Weise durch die 33 Jahre im Bischofsamt geprägt sei. Bentz, der von 1998 bis 2002 Bischofskaplan bei Bischof Karl Lehmann war, hatte im Jahr 2008 seine Doktorarbeit über die Ekklesiologie von Karl Rahner veröffentlicht („Jetzt ist noch Kirche. Grundlinien einer Theologie kirchlicher Existenz im Werk Karl Rahners“). Die Bischofsweihe erhielt Bentz im September 2015 im Mainzer Dom von Kardinal Lehmann.

Mainz, 31. Januar 2020: Die Einführung hatte der Direktor der Bistumsakademie Erbacher Hof, Professor Dr. Peter Reifenberg, übernommen. (c) Bistum Mainz / Blum

In seiner Begrüßung stellte der Direktor der Bistumsakademie Erbacher Hof, Professor Dr. Peter Reifenberg, den Artikel „Erfahrung“ vor, den Karl Lehmann 1967 für „Herders Theologisches Taschenlexikon“ geschrieben hat. Weitere Referenten der bis Samstag, 1. Februar, dauernden Tagung waren Professor Dr. Albert Raffelt, Freiburg, Professor P. Dr. Harald Schöndorf SJ, München, Professor Dr. Roman Siebenrock, Innsbruck, Professor P. Dr. Klaus Vechtel SJ, Frankfurt-St. Georgen, und Dr. Arno Zahlauer, Hinterzarten.