Domdekan Heckwolf: Eine neue Sonntagskultur entwickeln

Vorabend zum „Tag der Arbeit“ unter dem Motto „Sonntagsschutz - würdig und Recht“

Tag der Arbeit (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
So. 30. Apr. 2017
Von:
tob (MBN)
Mainz. „Wenn wir den Sonntag wiedergewinnen wollen als einen besonderen Tag, der sich abhebt vom Alltag, dann sind wir Christen aufgerufen, den Sonntag neu zu entdecken: Eine neue Sonntagskultur zu entwickeln, die gemeinsames Leben und das gemeinsame Feiern des Gottesdienstes miteinander verbindet. Sonntagsheiligung fängt also zuallererst bei uns selbst an.“
Tag der Arbeit (c) Bistum Mainz / Blum

Das sagte der Mainzer Domdekan, Prälat Heinz Heckwolf, beim traditionellen Gottesdienst am Vorabend des Tages der Arbeit im Mainzer Dom. Es lohne sich, den Sonntag wieder zu entdecken, „ihn bewusst zu leben und öffentlich für ihn einzutreten: als einen Tag für uns und einen Tag für Gott“, sagte der Domdekan. 

Heckwolf wies darauf hin, dass die Woche mit der Feier des Sonntages als kleiner Osterfeier beginne. Wörtlich sagte er. „Ist uns bewusst: Die Woche beginnt mit einer Feier und nicht mit der Arbeit? Ich kann mir das Leben nicht erarbeiten. Längst bevor ich etwas tue, lebe ich. Das Wichtigste im Leben kann ich weder selbst machen, noch verdienen. Es ist mir geschenkt.“ Der Gottesdienst am Sonntag, 30. April, war Auftakt zum traditionellen Empfang am Vorabend des 1. Mai - „Tag der Arbeit“.

Konzelebranten des Gottesdienstes waren Pfarrer Dr. Friedrich Franz Röper, Mainz, Präses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Dekan Hans-Joachim Wahl, Präses des Kolpingwerkes Diözesanverband Mainz, und Pfarrer Harald Christian Röper, Ehren-Präses von Kolping im Bistum Mainz. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes haben Domorganist Daniel Beckmann an der Orgel und der „KirRoyal Chor“ Gernsheim unter Leitung von Sigrid Fell übernommen. Veranstaltet wird der traditionelle Vorabend zum „Tag der Arbeit“ vom Referat Berufs- und Arbeitswelt im Bistum Mainz, dem Diözesanverband Mainz der KAB und dem Diözesanverband Mainz des Kolpingwerkes. 

Papier: Sonntagsschutz gehört zur vom Grundgesetz konstituierten Werteordnung 

Beim anschließenden Empfang unter der Überschrift „Sonntagsschutz - würdig und Recht“ im Ketteler Saal des Erbacher Hofes referierte der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Professor Dr. Hans-Jürgen Papier, zum Thema Sonntagsschutz - würdig und Recht“. Er sprach sich dafür aus, auch langfristig „auf die in diesem Land rechtlich verankerte und geprägte Sonntags- und Feiertagskultur zu setzen“. Wörtlich sagte er: „Wenn die Bewahrung der sogenannten Leitkultur überhaupt einen vernünftigen Sinn haben kann, dann als Forderung auf Erhaltung, Bewahrung und Durchsetzung der vom Grundgesetz konstituierten Werteordnung. Zu ihr gehört aber unzweifelhaft der hier diskutierte Sonntagsschutz.“ 

Der in Artikel 139 der Weimarer Verfassung verankerte Sonn- und Feiertagsschutz sei „als verfassungsrechtliche Wertung zu verstehen, als Schutzauftrag an den Gesetzgeber bei der Erfüllung und Konkretisierung seiner grundrechtlich begründeten Schutzpflichten“, erläuterte Papier. Beim Sonntagsschutz gehe es „nicht nur um die Anerkennung eines zentralen Rhythmus der christlich-jüdischen Kultur, vielmehr wird mit der Gewährleistung rhythmisch wiederkehrender Tage der Arbeitsruhe auch das Sozialstaatsprinzip konkretisiert“, betonte Papier. Zu Recht betone das Bundesverfassungsgericht, „dass der verfassungsrechtliche Sonntagsschutz sich nicht nur auf die Ausübung der Religionsfreiheit bezieht, die Arbeitsruhe diene auch der physischen und psychischen Regeneration und damit der körperlichen Unversehrtheit“. Weiterhin diene die Arbeitsruhe ebenso dem Schutz von Ehe und Familie und der Vereinigungsfreiheit. 

Wörtlich sagte der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichtes: „Die soziale Bedeutung des Sonntagsschutzes basiert im Wesentlichen auf der synchronen Taktung des sozialen Lebens. Der zeitliche Gleichklang einer für alle Bereiche regelmäßigen Arbeitsruhe stellt ein grundlegendes Element für die Wahrnehmung der verschiedenen Formen gesellschaftlichen und sozialen Lebens dar. Die generelle Arbeitsruhe an Sonntagen eröffnet dem Einzelnen ferner die Möglichkeit der physischen und psychischen Regeneration. Das Bundesverfassungsgericht stellt in der oben angeführten Entscheidung daher zu Recht fest, dass auch aus arbeitswissenschaftlicher Sicht der Arbeitsruhe an Sonn- und Feiertagen wesentliche Bedeutung für das individuelle Wohlbefinden und die gesundheitliche Stabilität des Einzelnen zukommt.“ 

Bei der anschließenden Diskussion Ingrid Reidt von der Katholischen Betriebsseelsorge, hob hervor, dass sich die „Allianz für den freien Sonntag“ für das Wohl der Menschen und der Innenstädte einsetze. Die Ursachen für die Härten in der Diskussion um den Sonntagsschutz sieht sie vor allem „im brutalen Wettbewerb des Einzelhandels“. Rolf Richter, Bürgermeister der Stadt Bensheim, hob hervor, dass die verkaufsoffenen Sonntage für ihn eine wichtige Bedeutung für die Attraktivität der Städte besitzen. Dr. Michael Vollmer, Facharzt für Arbeitsmedizin aus Seeheim-Jugenheim, verwies auf die gesundheitlichen und psychischen Belastungen, die durch Sonntagsarbeit entstehen können. Die Moderation der lebhaften Aussprache, in die auch das Publikum einbezogen wurde, hatte Claudia Deeg vom Südwestrundfunk (SWR) übernommen. 

In seinem Schlusswort dankte der Mainzer Diözesanadministrator, Prälat Dietmar Giebelmann, allen, die zum guten Gelingen des Vorabends zum „Tag der Arbeit“ beigetragen haben. Mit Blick auf den verkaufsoffenen Sonntag, der am Tag der Veranstaltung in Mainz stattgefunden hatte, sagte Giebelmann: „Der Sonntagsschutz wäre am meisten gewährleistet, wenn niemand hinginge.“ Die Begrüßung der rund 200 Gäste im vollbesetzten Ketteler-Saal des Erbacher Hof hatte die Mainzer Diözesanvorsitzende Kolpingwerkes, Jutta Schad, übernommen. Schad ist im Kolping-Bundesvorstand Leiterin der Kommission „Mitwirkung in der Arbeitswelt“. 

Heckwolf verlieh Preis der „Pfarrer Röper-Stiftung“

Für besonderes Engagement im Bereich der Ausbildung hatte Domdekan Heckwolf direkt nach dem Gottesdienst im Mainzer Dom den Preis der „Pfarrer Röper-Stiftung“ verliehen. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr das Autohaus Haese GmbH in Mainz-Kastel. Juniorchefin Christina Haese, die für die Ausbildung zuständig ist, nahm die Auszeichnung entgegen.  

Horst Haese hatte 1973 das Autohaus als eine „Ein-Mann-Werkstatt“ in Wiesbaden gegründet. Inzwischen ist das Autohaus Haese ein Familienunternehmen. In der Firma sind an fünf Standorten in Mainz, Mainz-Kastel und Wiesbaden aktuell 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Heckwolf würdigte in seiner Ansprache den großen Einsatz im Bereich der Ausbildung. Inzwischen seien über 100 junge Menschen erfolgreich in den Berufen Kraftfahrzeugmechatroniker und Automobilkaufmann/-frau ausgebildet. Einen besonderen Stellenwert nehme dabei auch das Eintreten für benachteiligte Jugendliche ein. Zurzeit befinden sich 13 Auszubildende im technischen und fünf Auszubildende im kaufmännischen Bereich.

Der „Röper-Preis“ wird seit 2004 an Menschen und Firmen verliehen, die sich in besonderer Weise für die Integration von benachteiligten Jugendlichen in die Arbeitswelt einsetzen. Die Preisträger erhalten neben einer Urkunde, eine Bronzeskulptur. Sie stellt eine Frauengestalt als Symbol der „Caritas-Nächstenliebe“ dar. Die Figur wurde vom Bildhauer Karlheinz Oswald entworfen und ausgeführt. Bisher wurden damit das Engagement von 27 Einzelpersonen, Unternehmen und Initiativen herausgehoben und öffentlich gewürdigt.

Tag der Arbeit (c) Bistum Mainz / Blum
Tag der Arbeit (c) Bistum Mainz / Blum
Tag der Arbeit (c) Bistum Mainz / Blum