Über Friede oder Unfriede entscheiden schon Gedanken und Worte

Zentrale Veranstaltung des Bistums Mainz zum Weltfriedenstag mit Weihbischof Bentz

Heldenbergen, 13. Januar 2019: Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz bei seiner Predigt zum Weltfriedenstag. (c) Bistum Mainz / Blum
So 13. Jan 2019
tob (MBN)

Heldenbergen. „Über Friede oder Unfriede in einer Gesellschaft entscheiden nicht erst Taten und Ereignisse - sondern Gedanken und Worte!“ Das sagte der Mainzer Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz, Generalvikar des Bistums Mainz, in seiner Predigt am Sonntag, 13. Januar, in der Pfarrkirche Mariä Verkündigung in Heldenbergen.

Heldenbergen, 13. Januar 2019: Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz dankte am Ende des Gottesdienstes den Sternsingern aus Heldenbergen für ihren Dienst und würdigte sie als „echte Friedensboten“. (c) Bistum Mainz / Blum

Und weiter: „Friede hat nur dann eine Chance, wenn jede und jeder von uns achtsam auf sein eigenes Inneres ist - auf das eigene Empfinden, auf die eigenen Gedanken und Worte. Friede wächst von innen nach außen! Das gilt in unseren persönlichen und privaten Beziehungen. Das gilt für die politische Verantwortung auf allen Ebenen.“

Der Gottesdienst war Auftakt der zentralen Veranstaltung des Bistums Mainz zum diesjährigen Weltfriedenstag. Der Tag stand unter der Überschrift „Die gute Politik im Dienste des Friedens“ - nach dem Leitwort des Weltfriedenstages von Papst Franziskus. Veranstalter des Tages war Pax Christi Rhein-Main, Regionalverband Limburg-Mainz, in Kooperation mit der Pfarrei Mariä Verkündigung.

Weihbischof Bentz ging in seiner Predigt auf die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag ein, in der er darauf hinweist, dass gutem politischem Handeln Gerechtigkeit, Gleichheit, gegenseitiger Respekt, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Treue zugrunde liegen sollten. Wörtlich sagte der Weihbischof: „Wer Macht hat, steht immer in der Versuchung, seine Macht zu missbrauchen für den eigenen Vorteil, die eigenen Zwecke und die eigenen Interessen. Macht heißt aber nicht zuerst: Möglichkeiten ausnutzen zu können, die mir zum Vorteil dienen. Macht richtig verstanden heißt immer: Verantwortung haben. Verantwortung für jemand übernehmen. Macht heißt Verantwortung für den Menschen, für die Gemeinschaft oder auch für die Schöpfung. Macht ohne Verantwortung ist Perversion, Macht ohne Verantwortung bedeutet Ungerechtigkeit, Manipulation und Korruption, Willkür und Gewalt - ganz grundsätzlich: Unfriede.“

Und weiter: „Wir sind als Christen berufen, heute in unsrer Zeit, in unsrer Gesellschaft, für die Menschen, die mit uns leben, Verantwortung zu übernehmen. Wir erfüllen als Christen in unsrer Gesellschaft im Namen Jesu seinen Sendungsauftrag. Und deshalb gelten auch für uns die inneren Bilder und Worte, die für Jesus leitend und prägend sind. Mit diesen Tugenden Verantwortung für die Menschen, die Gesellschaft und die Schöpfung zu übernehmen, heißt Politik aus dem Geiste Jesu zu gestalten. Frieden wächst von innen. Solche Politik - solche Verantwortung - steht im Dienste des Friedens und schafft Frieden.“ Bentz dankte am Ende des Gottesdienstes den Sternsingern aus Heldenbergen für ihren Dienst und würdigte sie als „echte Friedensboten“. Die etwa 80 Sternsinger der Pfarrei hatten in den vergangenen Tagen rund 11.000 Euro für die diesjährige Sternsinger-Aktion gesammelt.

Weihbischof würdigte die Arbeit von Pax Christi

Heldenbergen, 13. Januar 2019: Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz im Gespräch bei der zentralen Veranstaltung des Bistums Mainz zum Weltfriedenstag im Gemeindezentrum von Heldenbergen. (c) Bistum Mainz / Blum

Bei der anschließenden Veranstaltung im Gemeindezentrum der Pfarrei würdigte Weihbischof Bentz die Friedens- und Präventionsarbeit von Pax Christi. „Die Sensibilität für diese Themen ist sehr schwankend und oftmals gibt es bei Konflikten in der Öffentlichkeit nur ein kurzzeitiges Interesse. Insofern bin ich sehr dankbar, dass Pax Christi uns immer wieder an dieses Thema erinnert und Wege für alternative und gewaltfreie Konfliktlösungen aufzeigt.“ Am Ende des Gottesdienstes hatte Weihbischof Bentz außerdem das Engagement von Diakon Josef Kolbeck für Pax Christi gewürdigt. Kolbeck war vier Jahrzehnte Geschäftsführer des Mainzer Diözesanverbandes von Pax Christi sowie später auch Geschäftsführer des Vereins zur Förderung der Friedensarbeit von Pax Christi gewesen und hat diese Aufgaben jetzt abgegeben.

Birgit Wehner aus Karben, Mitglied im Bundesvorstand von Pax Christi, und Susanne Margraf-Epe aus Ingelheim, Mitglied im Diözesanvorstand, hatten die Geschichte  und die Schwerpunkte der Arbeit von Pax Christi erläutert. Auf der Gründungsversammlung von pax christi-Regionalverbandes Limburg-Mainz am 1. September 2018 in Frankfurt haben die Mitglieder mit dem „Frankfurter Appell“ ihr Selbstverständnis dokumentiert und gleichzeitig eine Positionsbestimmung zu zentralen Zukunftsfragen in den Themenfeldern Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung formuliert. Bei dem Treffen hatten sich die bis dahin eigenständigen Diözesanverbände der Bistümer Limburg und Mainz zusammengeschlossen.

Der Vorsitzende von Pax Christi Rhein-Main, Thomas Meinhardt, stellte anschließend die Ausstellung „Frieden geht anders“ des Zentrums Ökumene vor. Die Ausstellung, die für Schüler ab der neunten Klasse konzipiert ist, zeigt Beispiele gewaltfreier Konfliktbearbeitung und informiert über die zivilen Friedensdienste. Die Moderation hatte Alois Bauer, Referent für Gerechtigkeit und Frieden im Bischöflichen Ordinariat Mainz sowie Vorstandsmitglied von Pax Christi Regionalverband Limburg-Mainz, übernommen. Pfarrer Thomas Korfmann, der auch Konzelebrant des Gottesdienstes war, hatte die Besucher im Gemeindezentrum begrüßt. Musikalisch gestaltet wurde der Empfang von Hans-Georg Grüber aus Ilbenstadt.