Verantwortung für das eigene Wort

Predigt von Weihbischof Bentz am ersten Weihnachtsfeiertag im Mainzer Dom

BENTZ (c) Bistum Mainz (Ersteller: Bistum Mainz)
Datum:
So. 25. Dez. 2016
Von:
tob (MBN)
Mainz. Der Mainzer Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz hat an die Verantwortung des Einzelnen für das eigene Wort erinnert:

„Wenn Weihnachten das Fest ist, bei dem Gottes endgültiges Wort an uns Menschen im Mittelpunkt steht, das Wort des Lebens ist, dann ist Weihnachten auch das Fest, das uns gerade für die vor uns liegenden Wochen und Monate an unsere Verantwortung als Christen gegenüber einem verantwortungsvollen und besonnenen Wort mahnt.“ Das sagte der Mainzer Weihbischof, Dr. Udo Markus Bentz, am Samstag, 25. Dezember, in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag im Mainzer Dom.

Weiter sagte der Weihbischof: „Treten wir mutig jedem entgegen, der der populistischen Versuchung erliegt. Lassen wir uns nicht blenden! Machen wir nicht mit! Weihnachten ist ein Wort, das man weitererzählen muss, gegen das rasche und unüberlegte Wort, gegen die Fake-News, gegen jeden ‚Shitstorm’, gegen Verleumdung und gegen Hetze und Stimmungsmache, gegen die Hass-Mails, gegen die ungedeckten Parolen und populistischen Verführungen, die uns blenden wollen - in den Netzwerken, im Internet, auf der Straße, aber auch manchmal hautnah im Alltag bei Kollegen, Nachbarn und vielleicht sogar Menschen, die uns nahestehen.“

Gerade heute brauche die Gesellschaft „Menschen wie die Hirten von Bethlehem, die sich dieses Wort von Weihnachten zusprechen lassen, die bereit sind, die Botschaft des Kindes im Stall neu zu hören und die willens sind, wie die Hirten zurückzukehren und davon weiterzuerzählen, was sie gehört und gesehen hatten“, sagte Bentz. „Weihnachten ist ein Wort, das man sehen kann, wenn man auf Jesus Christus schaut. Weihnachten ist ein Wort, das man hören kann, wenn man den Mut aufbringt, immer wieder in der Stille in sich hineinzuhorchen, wo Gott zu uns spricht. Weihnachten ist ein Wort, das man bewahren kann im Herzen, um versöhnt leben zu können.“

Und weiter: „Gott spricht auch heute an diesem Weihnachtsfest sein Wort leuchtend in die Finsternis der Menschen, über die schreckliches Leid in diesen Tagen gekommen ist. Gott spricht sein Wort in die Finsternis der Menschen, die mittrauern, die Angst haben und verunsichert sind. Dieses authentische Wort, das in Jesus Fleisch geworden ist, sagt: Ich teile das Leben und das Schicksal mit dir, geliebter Mensch. Ich gehe mit hinein in die Finsternis, aber ich führe dich auch durch die Finsternis hindurch zum Licht. Und Gott sagt uns durch sein Fleisch gewordenes Wort: Hass, Gewalt, Terror haben nicht das letzte Wort! Das letzte, das entscheidende Wort zum Leben ist der Weg der Menschlichkeit, wie wir sie in Jesus Christus erkennen. Das letzte und entscheidende Wort zum Leben ist die Botschaft der Versöhnung, die Botschaft der unbedingten Achtung der menschlichen Würde. Das letzte und entscheidende Wort zum Leben ist die Überwindung von Ausgrenzung durch Zuwendung.“ Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst durch den Mainzer Domchor und die Mainzer Dombläser unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck sowie Domorganist Daniel Beckmann an der Domorgel.