Weißes Gold: Meisterstücke treffen auf Materialdesign

Neue Kabinett-Ausstellung im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum

Unter den Augen von Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein erstreckt sich die Installation
Datum:
Mo. 6. Juli 2026
Von:
hoff (MBN)

Mainz. Am Mittwochnachmittag, 8. Juli, eröffnet Museumsdirektorin Dr. Anja Lempges gemeinsam mit Dr. Sonja Petersen von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) des Bistums Mainz die neue Ausstellung „Weißes Gold – Meisterstücke und Materialdesign“ im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum. Dabei dreht sich alles um Porzellan – das „Weiße Gold“. In der historischen Kapitelstube des Dommuseums treffen Figuren aus der Gründerzeit der Höchster Porzellanmanufaktur im Jahr 1746 auf eine zeitgenössische Installation aus dem 3D-Drucker, für deren Herstellung ebenfalls das Wissen der Porzellan-Spezialisten nötig war. Sie begegnen sich „unter den Augen“ des Mainzer Kurfürsten Johann Friedrich Karl von Ostein (amt. 1743–1763), dessen Porträt die Wand der Kapitelstube ziert, und der die Höchster Porzellanmanufaktur im Jahr 1746 gegründet hat.

Der Mops, eine der berühmtesten Figuren aus der Porzellanmanufaktur Höchst (c) Bistum Mainz/Hoffmann

„Höchst lag damals auf kurmainzischem Gebiet, deshalb tragen die Kunstwerke der damaligen Zeit auch das Mainzer Rad“, erklärt Kunsthistoriker Dr. Gerhard Kölsch bei einer Führung. Die „Porcelainefabrique“ gilt als dritte Gründung einer Porzellanmanufaktur nach Meißen (ab 1710) und Wien (ab 1718) im deutschsprachigen Raum. „In Höchst entstanden Meisterstücke aus Porzellan – in ihrer Anmutung fein und elegant, in ihrer Botschaft humorvoll und hintersinnig. Der Mops und weitere Leihgaben des Landesmuseums Mainz erzählen aus jener Zeit, in der die Aufklärung für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel sorgte“, ordnet Museums-Direktorin Lempges ein.

 

 

SILIKAT 1746 (c) Bistum Mainz/Hoffmann

Einen Kontrast zu den feinen Figuren schafft die raumumspannende zeitgenössische Installation „SILIKAT 1746“, eine elf Meter lange und 350 Kilogramm schwere Aneinanderreihung von Porzellanblüten, die sowohl im traditionellen Formenbau als auch im 3D-Druck entstanden ist. Das Gebilde regt die Fantasie an, es erinnert an eine Raupe, oder einen DNA-Strang. Was die Ausstellungsstücke vereint, ist das Material: Biskuit-Porzellan. Und die Herkunft aus der traditionsreichen Manufaktur in Höchst. SILIKAT 1746 ist eine der jüngsten Arbeiten aus dem Institut für Materialdesign (IMD) der Hochschule für Gestaltung Offenbach, die in Zusammenarbeit mit der Porzellanmanufaktur in Höchst entstanden ist.

 

Diese und weitere Ausstellungsstücke sind von Mittwoch, 8. Juli, bis Mittwoch, 23. September, im Dommuseum zu sehen. Die Ausstellung basiert auf einer Kooperation des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Mainz mit dem IMD an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und der Katholischen Erwachsenenbildungen (KEB) im Bistum Mainz und wird ergänzt durch historische Leihgaben des Mainzer Landesmuseums.

 

Rahmenprogramm zur Eröffnung am Mittwoch, 8. Juli:

15:30 Uhr      Preview im Dommuseum

16:30 Uhr      Begrüßung durch Museumsdirektorin Dr. Anja Lempges und Dr. Sonja Petersen (KEB)

17:00 Uhr      Vortrag Professor Dr. Markus Holzbach (IMD)

18:00 Uhr      Musik und Wein

Um Anmeldung wird gebeten unter info@dommuseum-mainz.de


Rahmenprogramm zur Ausstellung

Figuren aus der Gründungszeit der Porzellanmanufaktur in Höchst (c) Bistum Mainz/Hoffmann

Das Dommuseum bietet eine Ausstellungsbegleitung an folgenden Terminen an (jeweils 13.00-15.00 Uhr): Sa 11.7./ So 12.7. / Sa 22.8./ So 23.8. / So 13.9. / Sa 19.9./ So 20.9.

 

Darüber hinaus bietet das Museum unter dem Titel „Blickwechsel“ Kurzführungen in der Mittagspause an. Diese finden jeweils mittwochs von 12.00 bis 13.00 Uhr statt und kosten 3 Euro pro Person. Die Termine und Titel lauten:

  • 7. Blickwechsel: Manufakturgeschichte und Meisterstücke (Dr. Gerhard Kölsch)
  • 8. Blickwechsel: Das Rokoko und die Rocaille (Agnes Cibura M.A.)
  • 8. Blickwechsel: Zarte Formen und handfeste Botschaften – Hintergründiges zu Porzellan (Dr. Anja Lempges)
  • 8. Blickwechsel: Erfahrungswissen und Erfindergeist (Dr. Sonja Petersen)
  • 9. Blickwechsel: Zarte Formen und handfeste Botschaften – Hintergründiges zu Porzellan (Dr. Anja Lempges)
  • 9. Blickwechsel: Manufakturgeschichte und Meisterstücke (Dr. Gerhard Kölsch)
  • 9. Blickwechsel: Das Rokoko und die Rocaille (Agnes Cibura M.A.)
  • 9. Blickwechsel: Erfahrungswissen und Erfindergeist (Dr. Sonja Petersen)

 

Workshops

Begleitend zur Ausstellung bietet das Dommuseum zudem Workshops für Erwachsene und Kinder an:

Workshop für Erwachsene

Anfassen erlaubt: Vom Rohstoff zum fertigen Porzellan, hier dürfen Besuchende die verschiedenen Stufen der Porzellan-Herstellung erfühlen (c) Bistum Mainz/Hoffmann

Rokoko in Relief – Kreative Leinwandgestaltung mit Rocaillen

Nach einer Führung zu Porzellanmodellen und Ornamenten des 18. Jahrhunderts gestalten Sie ein eigenes Kunstwerk: Eine Leinwand wird vorbereitet und mit selbst geformten Rocaillen versehen. Im zweiten Teil werden diese bemalt und in die Bildgestaltung integriert: ein spannendes Zusammenspiel von Farbe, Struktur und Dreidimensionalität!

Bitte beachten Sie: Die Veranstaltung besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Terminen. Anmeldung erforderlich; max. zwölf Teilnehmende.

Termine: Teil I: 29.8.2026 / Teil II: 12.9.2026, jeweils von 13.00–16.00 Uhr

Kosten: 40,- Euro pro Termin

Anmeldung: info@dommuseum-mainz.de

Workshop für Kinder

Draht, Folie, Fantasie! – Menschen in Bewegung gestalten

Ein bisschen Draht, etwas Alufolie, Pappmaché – und schon entstehen kleine, ausdrucksstarke Figuren voller Bewegung. Ob sitzend, stehend, tanzend oder in einer ganz eigenen Pose: Wir gestalten gemeinsam kleine Menschen und experimentieren mit Haltung, Gleichgewicht und Ausdruck. Schritt für Schritt nehmen individuelle Plastiken Form an und zeigen, wie spannend menschliche Gesten und Körperhaltungen sein können.

Bitte beachten Sie: Die Veranstaltung besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Terminen. Anmeldung erforderlich; für Kinder ab 8 Jahren.

Termine: Teil I: 21.7.2026 / Teil II: 22.7.2026, jeweils von 10.00–13.00 Uhr

Kosten: 8,- Euro pro Termin

Anmeldung: info@dommuseum-mainz.de

 

Podiumsdiskussion

Zum Abschluss der Ausstellung steht am Mittwoch, 23. September von 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion im Dom- und Diözesanmuseum Mainz mit dem Titel „Erfahrungswissen, Materialverständnis und Gestaltungskraft - Zwischen Handwerk, Design und Denkmalpflege“ auf dem Programm. Dr. Anja Lempges und Dr. Sonja Petersen im Dom- und Diözesanmuseum Mainz diskutieren mit Prof. Dr. Markus Holzbach, Professor für Materialdesign an der Hochschule für Gestaltung Offenbach a.M., Architekt, Werkstoff- und Verfahrensingenieur sowie Formenbauer, Jennifer Schrauth, Steinmetz- und Bildhauermeisterin und gep. Restauratorin im Steinmetzhandwerk im Bistum Mainz, und Prof. Dr. Christiane Fülscher, Professorin für Architekturgeschichte, -theorie und Denkmalpflege, Fachhochschule Dortmund und Prodekanin am Fachbereich Architektur. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, wie Wissen im Tun entsteht – und warum Erfahrungswissen und Erfindergeist für die Zukunft von Handwerk, Gestaltung und Baukultur unverzichtbar ist. Organisiert wird die Veranstaltung von der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Mainz, vertreten durch Bildungsreferentin für Kirche, Kunst & Kultur, Dr. Sonja Petersen.  

 

Mainzer Dommuseum