Predigt Pfarrer Dr. Givens am 25.1.2026:Bibelsonntag

Schreiben wir die Bibel mit unserem Leben fort.
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
einmal im Monat, obwohl die beiden überhaupt keine Zeit haben, einmal im Monat, obwohl die beiden berufstätig sind, Familie haben, daheim so viel zu erledigen ist, einmal im Monat nimmt die eine ihre Lieblingskaffeetasse und nimmt sich Zeit für ihre beste Freundin und auch die andere nimmt ihre Lieblingstasse und setzt sich an den Küchentisch zu der anderen, zu der besten Freundin, obwohl sie beide keine Zeit haben, obwohl es 1000 Dinge zu erledigen gäbe, obwohl so vieles noch nicht gemacht ist. einmal im Monat nehmen die beiden sich Zeit und dann dann nimmt jede von den beiden eine Handvoll Kaffeebohnen. So sitzen die beiden mit den beiden leeren Tassen und mit den Kaffeebohnen am Küchentisch und eine nach der anderen nimmt eine Bohne und erzählt, was im letzten Monat so alles los gewesen ist, an dem, was bitter ist, an dem, was schwierig ist, Bohne für Bohne, aber auch das, was köstlich, was schön und was berührend gewesen ist. Sie nehmen sich Zeit, eine Bohne nach der anderen, um zu erzählen, was das Leben so ausmacht. Da wird gelacht, da wird gerotzt, da wird geweint. wird das Leben geteilt, denn wir sind alle im wahrsten Sinne des Wortes mitteilungsbedürftig.
Wie arm wären wir, wie arm sind wir, wenn wir uns nicht mitteilen können, wenn wir niemanden haben zum Erzählen, wenn niemand da ist zum Zuhören, zum Lachen, zum Weinen. Mitteilungsbedürftig sind wir.
Einmal im Monat genießen die beiden Bohne für Bohne ihr Leben, das Bittere und das Gute, das Schöne und das Schwierige und dann dann nehmen sie die Bohnen, die erzählten Bohnen und sie mahlen sie.
Zuvor aber segnen sie ihre leeren Kaffeetassen, danken, dass sie sich Zeit nehmen, Raum nehmen, dass sie es wagen Leere zu schaffen in der etwas anderes passieren kann.
So wandeln sich die Bohnen in warmen, köstlichen, duftenden Kaffee, der deswegen so wertvoll ist, weil da zwei sich Zeit genommen haben, zu erzählen von ihrem Leben. Heute, an diesem Sonntag, ist Bibelsonntag. Die Orthodoxen, die Evangelischen und wir Katholischen, Wir feiern das Mitteilungsbedürfnis Gottes.
Die Heilige Schrift, die Bibel, das Wort Gottes. Da drin haben Menschen aufgeschrieben, was sie erlebt haben. Was zum Lachen ist, zum Freuen, zum Verzweifeln und zum Weinen. Und wie arm wären wir, wenn die, die dieses Buch geschrieben haben, die sich nicht mitgeteilt hätten, wir die nicht geteilt hätten, was für ein Wort, das der Chor gerade eben gesungen hat, siehe, ich mache alles neu, der Tod ist nicht mehr, ich werde die Tränen trocknen.
Es gibt einen Himmel, es gibt ein Wiedersehen, wie arm wären wir ohne dieses Buch oder wie arm wären wir, wenn in diesem Buch nicht aufgeschrieben wäre, wie gut es getan hat, dass Maria gehört hat von Josef, ja, ich steh zu diesem Kind, das ist doch eure Geschichte, dass eure Eltern zu euch gesagt haben, ja, ich steh zu dir, ich möchte, dass du lebst, ich möchte, dass du geboren wirst und wie Mama und Papa Monat für Monat das Ohr auf den Bauch gelegt haben und gesagt haben, ja, du bist willkommen, ich freu mich, dass du unterwegs bist.
Und diejenigen, die gefirmt werden, auch die kommen drin in diesem dicken Buch, wenn die Söhne des Zepedeus zu ihrem Vater sagen: Ich gehe meine eigenen Wege.
Wie wird das dem Zebedäus gewesen sein, als die beiden Söhne aus dem Boot ausgestiegen sind und gesagt haben: Jetzt ist was anderes dran, wir gehen eigene Wege.
Alle Eltern erleben das. Mit einem lachenden Auge. Gut, dass wir unserem Kind alles mitgegeben haben. Gut, dass er oder sie firm genug ist, eigene Wege zu finden. Und mit einem weinenden Auge.
Wird das gut werden? Werden das gute Wege werden? Wem schließen die sich an? Johannes und Jakobus, wem schließt sich mein Kind an? Dieses Buch ist voller Geschichten von Menschen, die das Bedürfnis hatten, aus ihrem Leben zu erzählen, so wie diese beiden Kaffeefreundinnen. In diesem Buch steckt unser bester Freund, unsere beste Freundin drin.
Wie arm wären wir, Wenn da nicht einer aufgeschrieben hätte, der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen, er wird mich führen und muss ich auch wandern durch finstere Schlucht? Du bist bei mir. Wie gut tut es zu wissen, dass da auch Menschen davon erzählt haben, wie tief enttäuscht sie von Gott sind.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Die Zunge klebt mir am Gaumen. Dieses Buch, das ist wie die beste Freundin, der beste Freund, die ungeschminkt erzählen, die nicht auslassen, nicht aussparen, die nichts beschönigen, sondern sagen, ja, das sind die bitteren Stunden meines Lebens und das sind die köstlichen Stunden meines Lebens und
Das tolle an diesem Buch, an dieser Heiligen Schrift, an dem Wort Gottes ist, dass sie nicht zu Ende geschrieben ist, dass sie bis heute Seite für Seite weiter geschrieben wird von uns, mit unserem Leben, von dem was wir mit Gott erlebt haben, wo wir sagen, das war himmelhochjauchzend, das hat mich getragen, das war so wie der Chor gerade eben gesungen hat, Das ging ganz tief, aber auch das, wo wir sagen, und dann habe ich gehofft, dass er oder sie wieder gesund wird, dass es gut wird. Und ich habe gebetet und ich habe loslassen müssen.
Und ich weiß nicht, wo mein Gott ist. All diese Geschichten, die sind nicht zu Ende, die werden weiter geschrieben durch unser Leben, durch was wir erlebt haben durch unseren Glauben, aber es kommt nur eine Seite dazu, dieses Buch wird nur wirklich dicker und weiter geschrieben, wenn wir mitteilungsbedürftig sind, wenn wir davon erzählen, wie gut es tut, miteinander ein Glaubenslied zu singen.
Wie schön ist es, mit den anderen gemeinsam hier zu stehen und Gott zu dienen, als Messdienerin, als Messdiener. Wie stinklangweilig das ist, wenn man sich auf die Firmung vorbereitet und in diesen Gottesdienst muss und dann erlebt, wie klasse Taizé ist, wie genial das ist, wenn da aus aller Welt Jugendliche, junge Erwachsene zusammenkommen und sagen, die Stille, das miteinander singen, das hat mich beeindruckt.
Und wie gut ist es zu sagen, als ich ins MRT hineingeschoben worden bin, da habe ich das Vaterunser gebetet. Nichts anderes habe ich gehabt, aber was bin ich froh, dass ich dieses Gebet kenne. Dieses Buch, die Heilige Schrift, die lebt davon, dass wir mitteilungsbedürftig sind, dass wir einander erzählen, welche Geschichte uns berührt hat, vom barmherzigen Vater, von dem Gott, der noch dem letzten Schaf nachläuft, von dem, was wir im eigenen Leben erlebt haben und geglaubt haben. Ich wünsche uns, dass wir dankbar hinschauen auf all die Momente, wo wir jemanden haben, wo wir sagen, Ich bin dankbar, wo wir miteinander zusammengesessen sind, erzählt haben, gelacht haben, vielleicht auch gesoffen haben, wo wir Rotz und Wasser geweint haben, aber wo wir uns Zeit genommen haben, vom Leben zu erzählen. Und ich wünsche uns, dass wir uns nicht nur vom Pfarrer erzählen lassen, was für ein tolles Buch das ist und dass es ungelesen im Schrank bleibt, sondern dass wir es herausholen, dass wir schauen, was da andere hineingeschrieben haben und sagen: Ja, die Geschichte kenne ich. So ähnlich habe ich das auch in meinem Leben erlebt.
Und dass wir einander davon erzählen, dass wir mitteilungsbedürftig bleiben von dem, was Gott bis heute mit uns Menschen an Höhen und an Tiefen gemeinsam den Lebensweg geht. Amen.