Zukunftsdialog „Vertraute Orte - Neues Leben“:Eine Zukunft für unsere vertrauten Orte

Ein offener Blick auf die Situation
Schon in den ersten Minuten wird dieses Abends deutlich: Es geht hier nicht um eine trockene Informationsveranstaltung, sondern um ein gemeinsames Nachdenken über die Zukunft dieser Orte.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung spricht Pfarrer Dr. Ronald Givens offen über die Ausgangslage des Beteiligungsprozesses für die Gremien der Pfarrei Hl. Johannes XXIII.
„Wir haben die Vorgabe, unseren Gebäudebestand um mindestens die Hälfte zu reduzieren“, erklärt er. "Nur noch die Apostelkirche wird regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Für die drei anderen, denkmalgeschützten Kirchen müssen neue, tragfähige Perspektiven gefunden werden. Klar ist: Die Gebäude bleiben erhalten – doch ihre Nutzung wird sich verändern."
Über 1.000 Ideen von Viernheimerinnen und Viernheimern

Dass dieser Prozess unter breiter Beteiligung der Bürgerschaft gestaltet wird, ist von Hl. Pfarrei Johannes XXIII. und der Stadt Viernheim bewusst so gewählt und vereinbart worden. „Der Prozess lebt von der Beteiligung“, betont 1. Stadtrat Jörg Scheidel.
Bereits im September waren viele Viernheimerinnen und Viernheimer bei "Kirchenwandeln" - einem Rundgang durch die drei Kirchen - mit dabei. Dabei konnten sie erste Eindrücke sammeln und ihre Gedanken zur Zukunft der Gebäude einbringen.
Das Echo war überwältigend: Anschließend gingen über 1.000 Nutzungsideen ein.
„Das hat dem Runden Tisch schon Kopfzerbrechen bereitet“, sagt Timo Buff vom begleitenden Bürogemeinschaft Sippel I Buff schmunzelnd.
Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik, Verwaltung und Bürgerschaft haben die Vorschläge, die in der Ideensammlung eingereicht wurden, in der 2. Sitzung des Runden Tisches gesichtet, gebündelt und daraus konkrete „Nutzungsbündel“ entwickelt.
Erste Projektskizzen für die drei Kirchen

Für jede Kirche haben die Mitglieder des Runden Tisches drei Nutzungsbündel für die Projektwerkstatt entwickelt:
Marienkirche
- Eventlocation mit Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten
- Kulturkirche als Begegnungs- und Veranstaltungsort
- Working-Space-Konzept „Marien-Boxx“ mit flexiblen Arbeitsbereichen
Hildegardkirche
- ein erweitertes Sozialzentrum („Sozialzentrum Plus“)
- ein Quartierstreff mit Begegnungs- und Veranstaltungsangeboten
- Beratungs- und Gesundheitshaus
Michaelskirche
- Lern- und Bildungshaus in Kooperation mit Schulen und Kindertagesstätten
- Sport- und Bewegungsraum
- ein Mehrzweck- und Veranstaltungsraum.
Weitere Schritte im Prozess

Im Rahmen der Veranstaltung informieren Pfarreiratsvorsitzende Ursula Scheidel und Pfarreikoordinatorin Angela Eckart über verschiedene Entwicklungen, die sich bereits aus dem Beteiligungsprozess ergeben haben.
Die Innovationsförderung des Bistums Mainz hat drei Machbarkeitsstudien für Kirchengebäude in unserer Diözese bewilligt – darunter auch eine für die Michaelskirche. Im Mittelpunkt steht dabei eine ungewöhnliche Idee: eine mögliche Kletterkirche. Die Studie soll zunächst prüfen, ob ein solches Konzept grundsätzlich realisierbar wäre – baulich, denkmalrechtlich und organisatorisch.
Die Gremien der Pfarrei sowie die Mitglieder des Runden Tisches haben sich im Vorfeld dafür ausgesprochen, sich für diese Machbarkeitsstudie zu bewerben. Der Vorschlag greift viele Ideen aus der Bürgerschaft auf. Immer wieder war in den eingereichten Vorschlägen der Wunsch nach einem Sport- und Bewegungsraum zu lesen – sicher auch mit Blick auf die Nähe zu Schulen und Kindertagesstätten.
Eine Empfehlung aus der zweiten Sitzung des Runden Tisches war es zudem, Möglichkeiten für Zwischennutzungen in den Kirchen zu schaffen.
Dafür braucht es zunächst Platz. Deshalb wurde bei der unteren Denkmalbehörde ein Antrag gestellt, die Bänke in der Hildegardkirche und der Michaelskirche auszubauen. Der Antrag wurde inzwischen genehmigt. Die Bänke werden nun eingelagert. Für die Kirchen entsteht so ein freier Raum, der neue Nutzungen und Veranstaltungen überhaupt möglich macht – ein erster sichtbarer Schritt in diesem Prozess.
Parallel prüft auch die Stadt Viernheim, ob während einer möglichen Schließung der Waldsporthalle einzelne Sportangebote vorübergehend in der Michaelskirche stattfinden könnten.
„Da wird kein Handball in der Kirche gespielt“, sagt 1. Stadtrat Jörg Scheidel mit einem Augenzwinkern. „Aber vielleicht ist der eine oder andere Kurs denkbar.“
Intensive Gespräche an den Dialogtischen

Im Anschluss beginnt der eigentliche Kern des Abends: In drei intensiven Diskussionsrunden tauschen sich die Teilnehmenden aus.
Es wird sachlich argumentiert, emotional abgewogen und respektvoll widersprochen. Viele Fragen drehen sich um die Finanzierung möglicher Projekte.
Auch der Wunsch kommt zur Sprache, in den Kirchen wieder Gottesdienste zu feiern. Viele Viernheimerinnen und Viernheimer verbinden persönliche Erinnerungen mit diesen Gebäuden – Taufen, Hochzeiten, Abschiede. Für manche ist es noch schwer, sich eine ganz andere Nutzung der Kirchen vorzustellen.
Die Idee eines Sozialzentrums in der Hildegardkirche wird begrüßt: „Für viele ist der Weg zum jetzigen Standort nicht machbar“, heißt es aus der Runde.
Auch Kooperationen mit der Friedrich-Fröbel-Schule oder der Nibelungenschule werden als große Chance gesehen. Dort fehlt beispielsweise eine Aula – eine Theateraufführung in der Michaelskirche habe bereits gezeigt, wie gut das funktionieren könne.
Der Beteiligungsprozess geht weiter

Miteinander Zukunft gestalten
Die Verantwortlichen der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. und der Stadt Viernheim sind allen Bürgerinnen und Bürgern dankbar für ihre Beteiligung – für ihre Ideen, ihre Gedanken, ihre Zeit und den offenen Austausch über die Zukunft der Kirchen in unserer Stadt. Der Abend hat gezeigt, wie groß das Interesse ist und wie viele Menschen bereit sind, sich in diesen Prozess einzubringen.
Auch der Bürogemeinschaft Sippel | Buff gilt ein herzliches Dankeschön für die Begleitung des gesamten Prozesses sowie für die professionelle Vorbereitung und Durchführung des Abends. Mit viel Erfahrung, Geduld und einem feinen Gespür für Beteiligung haben sie dazu beigetragen, dass so viele Stimmen gehört werden konnten und ein offener und konstruktiver Austausch möglich war.
Wie unsere drei Kirchen künftig genutzt werden, ist noch offen, aber der Abend hat gutes Hoffnungszeichen für eine zukünftige Nutzung der Kirchengebäuden gesetzt.
Und so geht es weiter:
Im April kommt der Runde Tisch erneut zusammen, um die Rückmeldungen auszuwerten und weitere Empfehlungen zu erarbeiten. Bei einer großen Abschlussveranstaltung am 22. Juni 2026 wird der Beteiligungsprozess öffentlich zusammengeführt werden.